Gewässer: Sorge um den Dämeritzsee
Er gehört zu Erkner wie eine Mutter zum Kind und prägt nicht nur An– und Aussehen der Kleinstadt, sondern auch ihre Geschichte samt Fischer Hans und den Kolonisten: der Dämeritzsee. Wie er sich verändert hat und weiter verändert, haben Reimer Hoffmann und Lutz Müller erforscht.
Beide lieben und kennen den See, durch dessen Mitte die Grenze zu Berlin verläuft, wie ihre Westentasche, und beide haben Sorge um die Idylle, Ruhe und Entspannung, die der das Gewässer beim Wandern, Schwimmen, Segeln, Paddeln oder Angeln bietet. Wird es den See irgendwann einmal nicht mehr geben? Die Gewässerentwicklung war das Thema beim 139. Märkischen Abend des Heimatvereins am Donnerstagabend im Heimatmuseum. „Ich lebe seit 1954 am See“, erzählt Reimer Hoffmann, „und ich habe alles erlebt, freie Sicht und massig Schilf vorm Haus, Schlamm und Eismassen, Ausbaggern und erneute Untiefen.“ Vor allem die zunehmende Verlandung lässt seinen Kummer wachsen.
Das lockte viele Erkneraner in die Museumsscheune und ließ diese aus allen Nähten platzen. Sogar auf der Treppe sitzend lauschten die Gäste den Ausführungen. Hoffmanns und Müllers detaillierte Recherchen reichten bis ins 18. Jahrhundert zurück. Damals tangierte die Spree nur den rund 100 Hektar großen See, sie hatte mit ihren weit verzweigten Armen genügend Raum, lag eingebettet im Berliner Urstromtal, das am Ende der Eiszeit entstanden war.
Es gab einmaliges historisches Kartenmaterial sowie tolle Luftaufnahmen zu bestaunen. Auch die Veränderungen durch menschliche Eingriffe wurden dokumentiert. Eine Karte von 1881 zeigte die erste Einmündung der Spree im Süden des Sees an der Hessenwinkler Landzunge, 1897 entstand der erste Kanal. Die Spreemündung wurde mehrfach verlegt, 1927 das Spree–Eck mit seinen drei Gräben parzelliert. Die Olympischen Spiele von 1936 brachten den größten Einschnitt in die Natur: Um die Regatta–Strecke in Grünau von den täglichen Kohlelieferungen fürs Berliner Kraftwerk Klingenberg zu befreien, wurde der Gosener Kanal zum Dämeritzsee gebaut, worüber nun der Verkehr bis nach Rummelsburg laufen konnte.
Damit wurden viele Sedimente in den See getragen, die zu Untiefen führten und den Schiffsverkehr behinderten. 1985 wurde dieses Schlammloch ausgebaggert, seitdem nichts mehr gegen die zunehmende Verlandung getan. So stellten am Ende ihres Vortrags beide Referenten viele Fragen in den Raum — vor allem an zuständige Behörden und Institutionen, die zwar eingeladen, aber nicht gekommen waren: Welchen Stellenwert wird der See in Zukunft haben? Wie soll er bewirtschaftet werden, sind die Probleme überhaupt bekannt? Will man die Verlandung in Kauf nehmen? Reimer Hoffmann und Lutz Müller haben Pläne, ihre Recherchen in einer Ausstellung zu präsentieren, um mehr Aufmerksamkeit zu erlangen.
Sabine und Joachim Riemer leben zwar schon mehr als 15 Jahre in Erkner, fanden aber erstmals den Weg zu einer Veranstaltung des Heimatvereins: „Man ist im Beruf eingebunden, hat Hobbys, aber dieses Thema hat uns interessiert“, erzählen sie und waren von dem Abend sehr angetan: „Das Gehörte stimmt schon nachdenklich.“ Auch Hans–Peter Bernert lobte den Vortrag zu Historie und Zustandserhebung als „ausgezeichnet“, forderte aber zugleich konkrete Schritte zur Erhaltung des Sees. So entwickelte sich eine rege Diskussion. Fragen zum chemischen Zustand oder der Schadstoffbelastung wurden ebenso gestellt wie zur Rolle des Bretterschen Grabens. Befürchtungen wurden geäußert, der See könne verschwinden, Ideen entwickelt, den Urzustand wieder herzustellen. Am Ende waren sich alle einig, es müsse etwas getan werden.

