Gewalt in Schöneiche
: Linke-Kandidaten mit Schlägen und Tritten attackiert

Zwei Kandidaten der Linken aus Schöneiche wurden beim Plakatieren aus einer Gruppe Jugendlicher heraus angegriffen. Beide Betroffenen wurden verletzt. Was ist zum Vorfall bekannt?
Von
Kerstin Ewald
Schöneiche
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Wahlplakate am kleinen Markplätzchen Schöneiche: Kandidaten der Linken wurden von Jugendlichen attackiert.

Kerstin Ewald

Am 9. Juni finden in Brandenburg Kommunalwahlen statt – zeitgleich zur Kreistags- und Europawahl. In Schöneiche bewerben sich 92 Kandidaten und Kandidatinnen für einen Sitz in der örtlichen Gemeindevertretung. In diesen Tagen gehen viele von ihnen nach der Arbeit plakatieren.

Als am Freitag (26.4.) zwei Linke-Kandidaten am sogenannten Kleinen Marktplätzchen gegenüber des Rathauses Schöneiche ihre vorbereiteten Plakatträger anbrachten, wurden sie aus einer Gruppe Jugendlicher erst verbal, dann tätlich attackiert. Dies hatte am Samstag der Landesverband der Linken Brandenburg bekannt gegeben.

Gewalt in Schöneiche: Politiker mit Schlägen und Tritten traktiert

Die Polizei schilderte den Vorfall später so: Den Kandidaten im mittleren Alter näherte sich eine Gruppe von rund 20 Personen, von denen einzelne ankündigten, sie würden die Plakate im Anschluss zerstören. In Folge hätten dann mehrere Personen auf die Geschädigten eingeschlagen. Den Opfern gelang es aber, so steht es weiter im Polizeibericht, sich aus der Gruppe zu entfernen und zu flüchten.

Doch bei der Flucht kam es erneut zum Übergriff. Eines der Opfer sei noch einmal getreten worden, hingefallen und habe sich dabei am Knie verletzt. Der zweite Geschädigte sei durchs angrenzende Gebüsch geflüchtet und habe sich dabei am Handgelenk verletzt.

Rechte Parolen skandiert – ein Täter ermittelt

Gegenüber der Polizei gaben später beide Geschädigten an, aus der Gruppe seien Parolen skandiert worden, die der radikalen Rechten zuzuordnen sind. Die Polizei soll bald nach der Tat vor Ort gewesen sein. Die Beamten stellten eine Personengruppe, dabei habe ein 14-jähriger Tatverdächtiger „zweifelsfrei“ ermittelt werden können, wie es im Polizeibericht weiter heißt. Er sei seinen Erziehungsberechtigten übergeben worden.

Bürgermeister hält „Eskalation für nicht tolerierbar“

Schöneiche Bürgermeister Steinbrück äußert sich am Sonntag zu dem Vorfall: „Die Ereignisse vom späten Freitagabend am Marktplätzchen sind erschreckend und verstörend. Eine solche Eskalation ist inakzeptabel und nicht tolerierbar“, so Steinbrück. Er hoffe, dass die Täter durch Polizei und Staatsschutz schnell ermittelt und zur Verantwortung gezogen würden. Überdies hinaus sehe er es positiv, dass sich im Ort auch zivilgesellschaftliche Gruppen darüber beraten, wie einer derartigen Eskalation durch friedliches Engagement entgegengewirkt werden kann.

Zunahme von Vandalismus in Schöneiche

Seit Beginn des Frühlings seien vermehrt Probleme in Zusammenhang mit Jugendtreffpunkten im Schlossplatz und an der Dorfaue Schöneiche aufgetreten, darüber hatte Bürgermeister Steinbrück bereits in der Sitzung der Gemeindevertretung am vergangenen Dienstag (12.4.) informiert. So seien im Rathaus nicht nur Beschwerden wegen Lautstärke ankommen.

Das Ordnungsamt habe laut Bürgermeister auch eine Zunahme an Vandalismus und herumliegendem Müll festgestellt. Derzeit zeigten Polizei und Wachschutz vermehrt Präsens im Zentrum Schöneiches. Zudem suchten Sozialarbeiter und - arbeiterinnen von Schöneiche und den Nachbargemeinden das Gespräch mit den Jugendlichen. Die Verstärkung von Pädagoginnen aus den umliegenden Orten sei deswegen erbeten worden, weil sich in Schöneiche offenbar auch Jugendliche von außerhalb treffen.

Linke wollen sich nicht einschüchtern lassen

Der Landesverband der Linken Brandenburg hatte sich am Samstag zu dem Übergriff in Schöneiche geäußert. „Solche Vorfälle sind Ausdruck der Verrohung politischer Auseinandersetzungen und wachsender Gewaltbereitschaft, wie sie von der AfD und ihren Gesinnungsgenossen aktiv vorangetrieben und mittlerweile an vielen Stellen ganz offen proklamiert wird“, schreibt Julia Wiedemann, stellvertretende Landesvorsitzende der Linken Brandenburg und Kreisvorsitzende in Oder-Spree.

Die Tat sei inakzeptabel, man werde sich von solchen Ereignissen nicht einschüchtern lassen. Als Linke stünde man für ein Klima in Brandenburgs Kommunen, in dem unterschiedliche Sicht- und Lebensweisen ihr Zuhause haben. Gewalt als Mittel der politischen Auseinandersetzung habe dabei jedoch keinen Platz.