Gigafactory: Viele Zaungäste am Tesla-Bauzaun in Freienbrink
In der Tesla-Ansiedlung sieht er vor allem eines für die Region, nämlich eine große Chance. „Nicht mehr für mich“, sagt er, "aber ich denke auch an die Kinder und Enkel.“ Dittmar Levit spricht von Mercedes oder VW in Westdeutschland. „Davon leben ganze Landstriche.“ Er selbst hat bis 2003 im Freienbrinker Gewerbegebiet eine Metallbauwerkstatt betrieben, musste aber Insolvenz anmelden, weil er Außenstände in Größenordnungen nicht mehr ausgleichen konnte, wie er erzählt. „Ich hätte mich damals gefreut, wenn es so eine Ansiedlung gegeben hätte. Auf jeden Fall hätte ich mich um Aufträge bemüht“, sinniert er. Heute führt seine Tochter die Firma in Karlshorst weiter, der Senior, der über einen Meisterbrief verfügt, geht ihr zur Hand. Er hätte nichts dagegen, käme das Unternehmen zum Zuge, wenn bei Tesla Metallbauarbeiten anstehen.
Aber soweit ist es längst nicht. Noch ist der Rohbau in vollem Gange. Und noch weiß niemand, ob es je Elektroautos aus Ostbrandenburg geben wird, denn bisher verfügt Tesla nur über eine vorläufige Baugenehmigung. Frank Schieweck bezweifelt dennoch nicht, dass alles wie geplant kommt. Der Dresdener ist mit seiner Familie gerade zum Urlaub machen in der Gegend. Frau und Kinder hat es am Sonnabend zum Baden gezogen, er hat sich das Fahrrad geschnappt und die Baustelle angesteuert. „Es gab ja viel zu lesen über die Tesla-Pläne“, erzählt er. Seine Heimatstadt habe so von Siemens und Infinion profitiert, viele kleine Firmen lebten von den Aufträgen der Großen. „Nur Tourismus reicht nicht“, urteilt Schieweck. „So schön es hier auch ist, für die Wirtschaftskraft kann Industrie nur förderlich sein.“
Das sehen längst nicht alle so. Es gibt zahlreiche Bedenken, etwa, was den Wasserverbrauch und die Verkehrsbelastung durch die geplante Großfabrik angeht. Auch der massive Eingriff in die Natur, angefangen mit dem Abholzen des Kiefern-Nutzwaldes, stieß auf Kritik.
Extra von der A10 abgefahren zur Tesla-Baustelle
„Das mit dem Wald ist schade“, sagt Jürgen Kniest aus Berlin-Marzahn. Er ist eigentlich auf dem Weg ins polnische Slubice, hat den Berliner Ring aber extra für einen Blick auf die Baustelle verlassen. Was da zu sehen ist, beeindruckt auch ihn. Vor vier Wochen sei er zuletzt dagewesen. „Unglaublich, wie schnell das vorangeht.“ Ob sich nicht ein anderer Ort besser für die Ansiedlung eigne, habe er schon überlegt. Andererseits hat Kniest gelesen, dass die Fläche ohnehin für eine Industrie-Ansiedlung vorgesehen war.
So wollte auch schon BMW in Freienbrink investieren. An dieses gescheiterte Projekt hat Dittmar Levit schon das eine oder andere Mal gedacht; er hoffe, dass dieses Mal alles glatt geht. Anlass zur Freude hat er schon jetzt, wenn er auf die Zementsilos mit der Cemex-Aufschrift schaut. Sein Neffe arbeitet in Rüdersdorf für das Unternehmen, wie er erzählt. „Die haben gut zu tun.“
Unterlagen waren einsehbar
Noch bis heute liegen in den Rathäusern von Erkner, Grünheide und Frankfurt (Oder) sowie bei der Amtsverwaltung in Spreenhagen die veränderten Unterlagen zur Umweltverträglichkeitsprüfung der angekündigten Tesla-Ansiedlung in Freienbrink-Nord aus.
Im Internet sind sie ebenfalls heute noch unter www.uvp-verbund.de (Suchbegriff: Tesla) verfügbar.
Anschließend bleiben vier Wochen Zeit, Einwendungen gegen das Vorhaben zu formulieren. Für Mitte September ist in der Stadthalle Erkner die öffentliche Anhörung geplant. ⇥red

