Handball
: „Wir leben noch“

Die Handballer aus Grünheide haben in der 4. Liga gegen den BFC Preußen 20:18 gewonnen und wichtige Punkte im Kampf gegen den Abstieg gerettet.
Von
Kai Beißer
Grünheide
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  • Steuerte drei Tore zum Heimsieg bei: der Grünheider Neuzugang Toni Fuchs, den der Berliner Karl Warener am Wurf zu hindern versucht. Links Philipp Köppen, im Vordergrund Maximilian Bachmann (Nummer 5) und Marcel Otto (GSV).

    Steuerte drei Tore zum Heimsieg bei: der Grünheider Neuzugang Toni Fuchs, den der Berliner Karl Warener am Wurf zu hindern versucht. Links Philipp Köppen, im Vordergrund Maximilian Bachmann (Nummer 5) und Marcel Otto (GSV).

    Andreas Hoffmann
  • Mit Gehhilfen: Marcus Schwi- derski wird am 11. März am Kreuzband operiert.

    Mit Gehhilfen: Marcus Schwi- derski wird am 11. März am Kreuzband operiert.

    Andreas Hoffmann
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Die Erleichterung war groß:  20:18 (11:9) haben die Grünheider Handballer das Abstiegsduell gegen den BFC Preußen gewonnen und damit nicht nur den ersten Heimsieg des Jahres gelandet, sondern auch zwei ganz wichtige Zähler im Kampf um den Klassenerhalt in der Oberliga Ostsee–Spree eingefahren. Beide Mannschaften sind jetzt punktgleich.

Unmittelbar nach der Schlusssirene sprintete Denny Alpers über das komplette Spielfeld, riss sich den Torhüter–Sweater vom Leib und fiel Marcus Schwiderski jubelnd in die Arme. Diese emotionale Szene hat gleich mehrere Geschichten: Die beiden Handballer kennen sich seit Jugendzeiten, spielten für den SV Brandenburg–West und den GSV gegeneinander. Der Keeper,gerade 27 geworden, war vor der Saison vom Oberliga–Absteiger nach Grünheide gekommen, „und Marcus war für mich hier die erste Anlaufstelle. Ich würde schon sagen, er ist ein guter Freund.“

Dieser hatte sich vor knapp zwei Wochen im Training das Kreuzband gerissen, wird am 11. März operiert. Natürlich fieberte er am Sonnabend mit — und freute sich über die Geste von Alpers: Der hatte unter seinem Shirt ein Trikot mit der Rückennummer 23, der von Schwiderski getragen. „Ich wollte ihm zeigen, dass er der Mannschaft sehr fehlt und dass wir heute auch für ihn gewonnen haben.“

Unerwähnt ließ der Torhüter, dass er einen gehörigen, wenn nicht den größten Anteil an dem schwer erkämpften Heimsieg hatte. 18 Gegentore, 26 Paraden — macht eine überragende Quote von 59 Prozent gehaltener Bälle. Ob das sein bestes Spiel seit seinem Wechsel an die Löcknitz gewesen sei? „Zumindest das wichtigste“, antwortete eher Alpers bescheiden. Marcus Schwiderski brachte es auf den Punkt: „Eine super Torhüterleistung und ein dreckiger Sieg, für den wir den Grundstein in den ersten 15 Minuten gelegt haben.“

Tatsächlich hatten die Grünheider in der Anfangsviertelstunde nur zwei Tore zugelassen, ihrerseits aber schon deren sieben erzielt. In dieser Phase ließ Denny Alpers die Gäste aus Berlin–Lankwitz schier verzweifeln, hatte immer wieder eine Hand am Ball. Allerdings waren da auch ein paar dankbare Würfe der Hauptstädter dabei.

Bis zur Pause kamen diese dennoch wieder auf zwei Tore heran. Und schafften beim 15:15 in der 49. Minute sogar den Ausgleich, weil sich die Ballverluste und Fehlwürfe der Grünheider gehäuft hatten. Auch die zeitweilige Manndeckung gegen Kapitän Toni Büttner zeigte Wirkung, die Gastgeber kamen nur zu wenigen sauberen Abschlüssen.

Dann aber rafften sich die Vorderleute von Alpers, beflügelt durch dessen tadellosen Auftritt, noch einmal auf. Linkshänder Tom Griebsch mit einem Konter und einem klasse Dreher von Rechtsaußen, Marc Hiesener mit einem ebensolchen sehenswerten Treffer vom Kreis und schließlich Sebastian Ackermann mit einem seiner viel zu seltenen Sprungwürfe über die Deckung hinweg ins lange Eck sorgten für Jubel auf der Bank, im Publikum — und bei Marcus Schwiderski.

Dann war bei allen erst mal Durchatmen angesagt. „Wir leben noch“, lautete der Kurz–Kommentar von GSV–Co–Trainer Dirk Köhler. „Das war Abstiegskampf pur. Umso wichtiger, dass die Mannschaft immer die Ruhe bewahrt und den so wichtigen Sieg unter Dach und Fach gebracht hat.“ Gehörigen Anteil daran hatte mit Toni Fuchs ein Neuzugang, der erst am Montag zum ersten Mal mit den Grünheidern trainiert hatte. „Nach der Verletzung von Marcus mussten wir etwas tun, konnten aber aufgrund der abgelaufenen Wechselfrist nur jemanden ,vom Sofa runter’ verpflichten“, erläuterte Köhler. „Toni hat in der Jugend die Berliner Füchse–Schule durchlaufen, zuletzt beim PSV in der Verbandsliga gespielt. Wichtig war, dass er uns sofort helfen kann. Und das hat man heute gesehen“, lobte der 51–Jährige.

Ganz nebenbei waren die Grünheider ein großer Gewinner dieses 20. Spieltages, denn fast alle mit–bedrohten Mannschaften — Fortuna Neubrandenburg und der Bad Doberaner SV, Blau–Weiß und die SG OSF Berlin sowie der MTV Altlandsberg — verloren ihre Spiele am Sonnabend. Der GSV machte so gleich drei Plätze gut und schob sich wieder auf Rang 10.

Heißen muss das aber nicht viel. Am Sonnabend geht es zum Nachholspiel beim ungeschlagenen Stralsunder HV, sechs Tage später dann zum Schlusslicht nach Neubrandenburg, das als einziges Team schon etwas abgeschlagen ist.