Handwerk
: Einzelstücke auf zwei Rädern

Für das Unternehmen Rough Cycles beginnt mit der Motorradsaison die schönste Zeit des Jahres – das Team um Inhaber Mike Poguntke baut Motorräder von Harley Davidson um.
Von
Annette Herold
Gosen
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Da ist Arbeit: Mechaniker Thomas Peix (links) und Inhaber Mike Poguntke tüfteln, was der Defekt an einer umgebauten Harley sein könnte.

Annette Herold/MOZ

Wenn die Motorradsaison startet, beginnt für viele Kunden des Gosener Unternehmens Rough Cycles der schönste Teil des Jahres. Für Inhaber Mike Poguntke und seine Kollegen ist das ganze Jahr lang Saison: Sie bauen Motorräder der Kultmarke Harley Davidson um.

Manchmal sind es eben Küchen­utensilien. Mike Poguntke hat auch schon eine Ikea-Salatschüssel in der Kanzel einer Harley verbaut. Darauf kommt niemand, der sich das fertige Motorrad anschaut. Natürlich nicht, denn das ist es, was der 46-Jährige und seine Mitarbeiter in der Gosener Werkstatt anstreben: Motorräder den Wünschen des Kunden anzupassen und so Einzelstücke aus ihnen zu machen.

Da werden handgegossene Armaturen verbaut, der Tank oder andere Teile stammen von einem Motorrad-Oldtimer anderer Marke, mal schmückt ein altes Fahrrad-Typenschild eine schwere Maschine – bei Rough Cycles geht es in erster Linie nicht um kraftstrotzende Motoren, sondern um Hingucker. „Harleys als Basis sind da gut geeignet. Sie sind recht einfach gefertigt. Da entwickelt der Fahrer dann aber schnell das Begehr, dass sein Motorrad nicht aussieht wie alle anderen“ erzählt Mike Poguntke. Er kann das gut verstehen. Ursprünglich Theatermeister, hat er vor acht Jahren seine große Leidenschaft, das Schrauben an Motorrädern, zum Beruf gemacht. Damals ist er vom Prenzlauer Berg in die Gosener Berge gezogen und glücklich. Sein Hobby sei jetzt sein Leben, schwärmt er. Auf die Uhr gucken zähle da nicht, berichtet Mike Poguntke über seine Arbeit. Entscheidend sei das Resultat. „Das ist hier keine Werkstatt im klassischen Sinne. Wir leben das, was wir machen.“

So kommt es, dass Kunden auch den Weg aus Cottbus auf sich nehmen, um ihren Motorrädern in Gosen ein neues Aussehen verpassen zu lassen. Viele kommen aus Berlin, aber auch aus der brandenburgischen Umgebung, wie der Unternehmer erzählt. Die einen wegen einer Reparatur, die nächsten wegen eines Umbaus und wieder andere, um bei einem Kaffee Benzingespräche zu führen.

Mancher große Wurf ist den Motorrad-Umbauern in den Gosener Bergen schon gelungen. So hat es eine Maschine in das französische Wild Motorcycles Magazin geschafft, andere sind in deutschen Fachzeitschriften vorgestellt worden. Darunter "Easyriders“. Als er das erzählt, beginnen Mike Poguntkes Augen zu leuchten. „Das war der Ritterschlag.“ Für die Rough-Cycles-Mitarbeiter ist das Ansporn bei der Suche nach immer neuen Lösungen für Motorräder, die alles, aber nicht von der Stange sein sollen.

Ihre Arbeit einem größeren Kreis vorstellen werden die Gosener wieder Ende Mai, wenn im Ruhrgebiet das Motorradtreffen Kustom Kulture stattfindet. Zum mittlerweile  dritten Mal sind sie zum dem Szenetreffen, das nicht jedermann offensteht, als Aussteller eingeladen.