Hospiz
: Kerzenschein zum Abschied in Woltersdorf

Seit gut sechs Wochen ist das neue Woltersdorfer Haus in Betrieb. Erste Gäste sind gestorben. Betreuung wird gelobt.
Von
Annette Herold
Woltersdorf
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  • Stilles Gedenken: Ehrenamtskoordinatorin Angelka Odening (links) zündet im Woltersdorfer Hospiz für einen verstorbenen Gast eine Kerze an. Sozialarbeiterin Heike Adlof richtet das Sträußchen vor dem Raum der Stille.

    Stilles Gedenken: Ehrenamtskoordinatorin Angelka Odening (links) zündet im Woltersdorfer Hospiz für einen verstorbenen Gast eine Kerze an. Sozialarbeiterin Heike Adlof richtet das Sträußchen vor dem Raum der Stille.

    Annette Herold/MOZ
  • Chefwechsel: Angelika Behm geht in den Ruhestand, Walther Seiler ist neuer Geschäftsführer des Hospizes.

    Chefwechsel: Angelika Behm geht in den Ruhestand, Walther Seiler ist neuer Geschäftsführer des Hospizes.

    Annette Herold
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Es herrscht Stille in den Fluren. Im Dienstzimmer besprechen Schwestern beim Schichtwechsel die Ereignisse des Vormittags. Hin und wieder läuft der Kaffeautomat. In den Zimmern des Hospizes in der Woltersdorfer Schleusenstraße halten Gäste, die hier wahrscheinlich die letzte Zeit ihres Lebens verbringen, Mittagsruhe. Andere haben Besuch, davon künden auf dem Parkplatz Autos mit fremden Kennzeichen.

Stille und Lachen, Ernsthaftigkeit wie Fröhlichkeit sollen Platz finden in dem vor gut sechs Wochen eröffneten Neubau, wie Geschäftsführerin Angelika Behm sagt. Für sie ist das erste Weihnachtsfest in Woltersdorf zugleich das letzte vor dem Ruhestand. Zum Jahresbeginn übernimmt Walther Seiler die alleinige Geschäftsführung der diakonischen Hospize in Woltersdorf und Berlin-Wannsee.

„Wir wollen hier das Leben feiern“, sagt Angelika Behm. Aber der Tod sei in dem Haus, das Menschen ein Zuhause bietet, die unheilbar krank sind und deren Lebenserwartung begrenzt ist, eben auch allgegenwärtig. Viele Menschen seien schon gestorben seit der Eröffnung. Gerade neulich endete das Leben einer Frau, 30 Stunden, nachdem sie in das Haus in der Schleusenstraße gezogen ist. Ihre Familie war an ihre Grenzen geraten, als die Frau noch zu Hause betreut wurde. Um so mehr freuen sich die Hospizmitarbeiter über eine Äußerung der Angehörigen nach dem Tod ihrer Verwandten. „Sie haben gesagt, sie wären eher gekommen, hätten sie gewusst, wie gut es hier ist“, erzählt Angelika Behm.

Wenn ein Hospizgast stirbt, kann sich die Familie ganz in Ruhe verabschieden. Auf religiöse oder weltliche Weise. Beides ist möglich, auch wenn das Haus ein diakonisches ist. Als Zeichen für die anderen werden Kerzen entzündet, vor dem Zimmer des Verstorbenen und vor dem Raum der Stille gleich am Eingang.

Gästen einen Abschied vom Leben in Würde zu ermöglichen, ist das Anliegen es Hospizes. Dafür sorgen maßgeblich die Krankenschwestern um Pflegedienstleiterin Stefanie Micklitza. Angelika Behm und Walther Seiler zollen den Mitarbeitern höchsten Respekt. Alle seien mit großem Einsatz bei der Sache, den Gästen den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen – und das allen Schwierigkeiten zum Trotz, die in einem neuen Team nun einmal auftreten.

Wie zu Hause

Weihnachten soll in der Schleusenstraße 46 gefeiert werden wie zu Hause. Heiligabend wird eine Christvesper im großen Wohnzimmer stattfinden. Dort können Gäste, ihre Angehörigen , Mitarbeiter und deren Angehörige zusammenkommen. Es wird einen Weihnachtsbaum geben, Kartoffelsalat mit Würstchen, und wer will, könne natürlich auch ein Glas Bier oder Wein trinken, kündigt Angelika Behm an. Einen großen Wunsch hat die scheidende Chefin noch: Bisher fehlen Möbel für die Terrassen, über die jedes der 14 Gästezimmer verfügt. Gebraucht werden jeweils ein Tischchen und zwei Stühle mit hoher Lehne.

Fürs Hospiz werden Spenden gebraucht

Der Großteil der Kosten für den laufenden Betrieb eines Hospizes wird von den Krankenkassen getragen. Fünf Prozent der Kosten aber müssen die Häuser aus Spendengeldern begleichen, das ist gesetzlich so festgelegt. Die Gäste zahlen nichts für ihren Aufenthalt. Ein Platz im Hospiz kann ärztlich verordnet werden, wenn die Pflege Schwerstkranker zu Hause nicht mehr möglich ist.

Spenden für das Woltersdorfer Hospiz können auf dieses Konto überwiesen werden: Berliner Sparkasse; IBAN DE24 1005 0000 0190 4178 97; BIC BELADEBEXXX⇥ahe