So langsam füllt sich der Garten an der Schöneicher Kulturgießerei, auf der Terrasse sind bereits alle Stühle besetzt, doch es gibt ja noch die lange Bank oder man holt weitere Stühle heraus – bei schönem Wetter mag keiner drinnen sein. „Hallo“ nach allen Seiten und „Wie geht’s?“ Da sind Ziawodin und Mansour aus Afghanistan, Basel und Ibrahim aus Syrien, Eva Wunderlich und Monika Drozdzynski, Anna Kruse, Christina Felber, Katrin Buchallik und viele mehr, die sich ehrenamtlich für das Café International und damit für die Integration Geflüchteter und friedliches Zusammenleben engagieren. Das ist seit fünf Jahren so – und soll am Sonntag gebührend gefeiert werden.

Bündnis besteht seit 20 Jahren

Dafür sind nun letzte Absprachen zu treffen: Wer besorgt was? Wer kommt wann zum Vorbereiten und Aufbauen? Wie steht’s mit dem Programm? Das alles wird völlig unaufgeregt besprochen, in großer Runde oder kleinen Gruppen: Man weiß, dass man sich aufeinander verlassen kann. „Wir sind wirklich stolz, dass bei uns alles so unkompliziert funktioniert“, sagt Anna Kruse, Mitorganisatorin des Bündnisses für Demokratie und Toleranz. Dieses gibt es bereits seit über 20 Jahren, entstanden als Zeichen gegen rechtsgesinnte Tendenzen im Ort. Mit der Ankunft erster Geflüchteter vor fünf Jahren blühte das Bündnis neu auf. „Viele Menschen wollten helfen“, erinnert sich Monika Drozdzynski, „so haben wir uns schnell wieder zusammengefunden und versucht, alles zu koordinieren.“ „Vor allem brauchten wir einen Ort, um zusammenzukommen“, spinnt Anna Kruse den Faden weiter. Damals wohnten die Neuankömmlinge in Notunterkünften. Da gab es kein WLAN, um mit der Heimat zu kommunizieren oder gar die Möglichkeit, sich mit anderen zu treffen. „In der Fremde anzukommen ist doch schwierig, man kennt die Sprache nicht oder gar die Leute, die dort zu Hause sind.“

Anfangs viele Arbeitsgruppen

So öffnete die Kugi jeden Dienstagnachmittag ihre Pforten als Treffpunkt, um sich kennenzulernen, auszutauschen und auch gegenseitig zu helfen. „Als wir mit dem Café International anfingen, hatten wir zunächst ganz viele Arbeitsgruppen gebildet“, erzählt Anna Kruse weiter und zählt schmunzelnd auf: „Für Kochen, Sprachkurse, Kultur, Medizin, Einkaufen, Kleiderkammer... Einiges hat bis heute Bestand, zwar nicht mehr als AG, das bekommen wir nun besser koordiniert.“ Vor allem der direkte Weg über persönliche Kontakte, die im Laufe der Zeit an diesem Ort gewachsen sind, führt schnell zum Ziel. Wer braucht Hilfe oder sucht etwas? Und so wechseln auch schnell mal Couch, Tisch, Kühlschrank oder Kinderwagen ganz unkompliziert den Besitzer. Christina Felber betont, dass in Schöneiche eine stabile Gemeinschaft bestehe: „Die Grundhaltung der Leute ist für ein friedliches Miteinander, man kümmert sich umeinander. Vereine, Bündnisse, Kirche und vor allem auch die Gemeindevertretung arbeiten aufs Engste zusammen – und die ehrenamtliche Arbeit wird auch in der Öffentlichkeit wertgeschätzt.“

Arabische Gewürze

Und so kann am Sonntag auch gemeinsam gefeiert werden – viele werden zum Gelingen beitragen. Basel und Ibrahim zum Beispiel wollen Fleisch mitbringen, das sie nach arabischer Sitte würzen und grillen werden. Auch Mansour Satari wird etwas Leckeres kochen: „Ich lerne Koch im ‚Tannenhof‘, schon das dritte Jahr“, erzählt er und zeigt stolz ein Foto mit seinen Arbeitskollegen. „Ich lebe gern in Schöneiche.“ Ins Café komme er regelmäßig, um Freunde zu treffen und zu reden. „Das ist gut, um die Sprache zu lernen, jeden Tag Minimum ein neues Wort“, fügt er lächelnd hinzu. So denkt auch Ziawodin, er ist Lehrling bei Edeka und knüpfte im Café International schnell erste Kontakte. „Ich kann jedes Problem ansprechen, und ich bekomme Hilfe. Das ist gut.“
Nun hoffen alle auf schönes Wetter, denn nur dann kann das Fest im Garten stattfinden. Eva Wunderlich hat einige Programmpunkte organisiert – einen DJ aus Berlin, den Panna-Fußballer Ahmed Rakaba, der mit seinen weltmeisterlichen Tricks begeistern wird, dazu Spiele und Musik, Essen und Trinken. Start ist 15 Uhr, Eintritt ist frei und offen für alle.