Konzert in Eisenhüttenstadt
: Dieter „Maschine“ Birr über Lust, Rammstein und KI

InterviewRock-Legende Dieter Birr, alias Maschine, erlebt in Eisenhüttenstadt eine Premiere auf der Freilichtbühne. Vorab verriet er, wie lange er noch singen will.
Von
Janet Neiser
Eisenhüttenstadt
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Dieter Birr, genannt Maschine, spielt am 20.01.2017 im Haus Auensee in Leipzig (Sachsen). Das Konzert war Auftakt der ersten Solo–Tour des Sängers nach Auflösung seiner Band „Puhdys“. Foto\ Sebastian Willnow/dpa–Zentralbild/dpa (zu dpa: „«Ausruhen ist nicht“ — Ex–Puhdys–Sänger mit 80 nicht in Rockerrente»)

Dieter Birr, genannt Maschine, bei einem früheren Konzert in Leipzig. Nun kommt er gemeinsam mit Silly-Legende Uwe Hassbecker nach Eisenhüttenstadt. Vorab nahm er sich Zeit für ein Interview.

Sebastian Willnow/dpa

„Mein Weg“ heißt das neue Album von Dieter „Maschine“ Birr. Sein Weg hat den einstigen Frontmann der Puhdys bereits mehrmals nach Eisenhüttenstadt geführt, vor und nach der Wende. Als Solokünstler kehrt er nun zurück in die Stahlstadt und wird Mitte August erstmals auf der Freilichtbühne auftreten.

Vorab nahm sich Maschine, der in diesem Frühjahr 80 Jahre alt geworden ist, Zeit für ein Gespräch, in dem man sich aufs Du einigt, in dem der Musiker auch gern mal eine Frage stellt und Sinn für Humor beweist.

Dieter „Maschine“ Birr im Interview vor Konzert am 16. August

Mit den Puhdys warst Du schon wiederholt in Eisenhüttenstadt. Bereits zu DDR-Zeiten haben Dir die Leute hier zugejubelt. Nun kommst Du allein mit Uwe Hassbecker von Silly auf die Freilichtbühne

Maschine: Genau! Was ist das für eine Bühne?

Die ist 1960 in ganz kurzer Zeit gebaut worden und super schön gelegen, mitten im Grünen. Oft wird sie auch kleine Waldbühne genannt. Mehr als 2000 Menschen passen da rein. Da gab es schon tolle Konzerte. Auf welche Songs dürfen sich die Besucher denn am 16. August freuen? 

Die größten Puhdys-Hits werden gespielt und natürlich auch Sachen von meinem Solo-Album. Das wird eine bunte Mischung aus schönen Liedern.

Wie reagieren die Menschen auf die alten und neuen Songs?

Die kommen wirklich richtig gut an. Also, das riecht jetzt ein bisschen nach Eigenlob, aber ich würde nicht mehr auf Tour gehen, wenn ich merken würde, dass das, was ich tue, den Menschen nicht mehr gefällt. Ich bin immer bemüht, auch neue Sachen zu machen. Ich will ja nicht als Oldie-Band rumtouren.

Dieter „Maschine“ Birr – wie lange will er noch auftreten?

Die nächste Frage musst Du Dir trotzdem gefallen lassen. Wie lange willst Du noch auf der Bühne stehen?

Ich muss mal sehen, wie es weitergeht. Geplant ist es erstmal bis Zweitausendfuzzig …

Bis 2050, ja klar. Heißt im Klartext, es ist kein Ende in Sicht. Fürs nächste Jahr sind jedenfalls schon viele Konzerte geplant.

Ja, die Nachfrage ist wirklich richtig gut. Dass ich und Uwe Hassbecker als Duo spielen, das war mal als ganz kleine Sache geplant, so unplugged 300 bis 500 Leute, damit man auch alle erreicht. Inzwischen sind wir bei über 1000, das hatten wir so nicht erwartet. Aber wir freuen uns natürlich, dass es so gut läuft.

  • Ein Politikum: Die „Puhdys“ während ihres Auftritts in der Hamburger „Fabrik“.

Die "Puhdys" während ihres Auftritts in der Hamburger "Fabrik". (zu dpa "Die Puhdys wären 50 - Geburtstagsfeier ohne Comeback") +++ dpa-Bildfunk +++

    Ein Politikum: Die Puhdys während ihres Auftritts in der Hamburger „Fabrik“ im Jahr 1976.

    Heidtmann/dpa
  • Maschine, der ehemalige Puhdys-Frontmann Dieter Birr (l.) und Silly-Gitarrist Uwe Hassbecker werden gemeinsam im Forster Rosengarten auftreten.

Maschine, der ehemalige Puhdy-Frontmann Dieter Birr (l.) und Silly-Gitarrist Uwe Hassbecker werden zusammen im Forster Rosengarten auftreten.

    Maschine, der ehemalige Puhdys-Frontmann Dieter Birr (l.) und Silly-Gitarrist Uwe Hassbecker treten gemeinsam auf.

    Dana Barthel
  • Der Ex-Puhdys-Frontmann Dieter „Maschine“ Birr (r) und Uwe Hassbecker von Silly spielen unter dem Titel «Maschine intim» Lieder für Generationen.

Der Ex-Puhdys-Frontmann Dieter „Maschine“ Birr (r) und Uwe Hassbecker von Silly spielen unter dem Titel «Maschine intim» Lieder für Generationen.

    Der Ex-Puhdys-Frontmann Dieter „Maschine“ Birr (r.) und Uwe Hassbecker von Silly  auf der Bühne.

    Frank Hammerschmidt/dpa
  • ARCHIV - Dieter "Maschine" Birr von den "Puhdys" singt in Berlin beim Auftaktkonzert der Jubiläumstour zum 40. Bühnenjubiläum der Puhdys (Archivfoto vom 01.01.2009). Der Frontmann und Sänger der erfolgreichsten ostdeutschen Band "Puhdys" wird am 18. März 65 Jahre alt. Foto: Gero Breloer dpa/lbn (zu Korr.-Bericht "60 Liegestütze und keine Zigarette: Puhdys-Sänger Dieter Birr wird 65" vom 12.03.2009) +++(c) dpa - Bildfunk+++

    Dieter "Maschine" Birr von den Puhdys in Berlin beim Auftaktkonzert der Jubiläumstour zum 40. Bühnenjubiläum der Puhdys im Jahr 2009.

    Gero Breloer/dpa
  • 20.06.1999 Bildtext: Zum 3000. Konzert, das die ostdeutsche Rockband die 'Puhdys' in ihrer 30jährigen Musik-Geschichte gab, steht Sänger DIETER 'Maschine' BIRR (r) neben Mario Adorf Samstag nacht (19.06.1999) auf dem Podium in der Berliner Waldbühne. Adorf, der mit den Rock-Vätern im November in einem Fernsehfilm zu sehen sein wird, gab mit der Band den Titel 'Gigolo' zum Besten. Die fünfköpfige Band präsentierte ihre größten Hits vor rund 20.000 begeisterten Fans. ZB FUNKREGIO OST

    Beim 3000. Konzert der ostdeutschen Rockband Puhdys steht Sänger Maschine (r.) 1999 neben Schauspieler Mario Adorf auf dem Podium in der Berliner Waldbühne.

    Jens Kalaene/ZB
  • 47410522: Der Puhdys-Sänger Dieter "Maschine" Birr (M) tritt am 25.03.2014 in Berlin beim Konzert "Maschine & Gäste" im Kesselhaus in der Kulturbrauerei gemeinsam mit BAP-Sänger Wolfgang Niedecken (r) und Silly-Gitarrist Uwe Hassbecker auf. Das Live- Konzert des Frontmannes der DDR-Rockband Puhdys, der im März 70 Jahre alt wurde,

    2014: Der Puhdys-Sänger Dieter Birr (M.) tritt 2014 in Berlin beim Konzert „Maschine & Gäste“ im Kesselhaus in der Kulturbrauerei gemeinsam mit BAP-Sänger Wolfgang Niedecken (r.) und Silly-Gitarrist Uwe Hassbecker auf.

    Jens Kalaene/dpa
  • Bundeskanzler Gerhard Schröder (M) und die Puhdys-Sänger "Maschine" Dieter Birr (l) und "Quaster" Dieter Hertrampf präsentieren sich am Samstag (11.09.1999) im Garten des Kanzleramtes in Berlin den Fotografen. Zuvor hatten sie zusammen einen von der Ex-DDR-Kultband spendierten Baum gepflanzt. Dieser symbolische Akt bildete den Auftakt zum zweitägigen Kanzlerfest in der Hauptstadt. dpa/lbn +++ dpa-Bildfunk +++

    Bundeskanzler Gerhard Schröder (r.) und Puhdys-Sänger „Maschine“ präsentieren sich im September 1999 im Garten des Kanzleramtes in Berlin den Fotografen. Zuvor hatten sie zusammen einen von der Ex-DDR-Kultband spendierten Baum gepflanzt.

    Andreas Altwein/dpa
  • 16. September 2020 Nach einer halbjährigen Corona-bedingten Pause moderieren Lilo Wanders und Claudia Seiring den 29. MOZ-Talk in der Frankfurter Messehalle und plaudern mit ihren Gästen wie den  Ost-Rocklegenden Dieter „Maschine“ Birr (Puhdys) und Uwe Hassbecker (Silly), die Swing Dance Band Hermlin, der Virologe Prof. Jonas Schmidt-Chanasit sowie Schauspieler Boris Aljinovic

    September 2020: Uwe Hassbecker (Silly) und Dieter Birr beim MOZ-Talk in Frankfurt (Oder).

    Gerrit Freitag
  • 1999 Puhdys Konzert in Frankfurt (Oder), Archiv

    1999 – Puhdys-Konzert in Frankfurt (Oder)

    Patrick Pleul
  • Eisenhüttenstadt 2010-04-10: Puhdys beim KOnzert in Eisenhüttenstadt in der Inselhalle

    Im Jahr 2010: Auftritt der Puhdys in der Inselhalle in Eisenhüttenstadt.

    Jörg Hanisch
  • Dieter Birr, (Maschine), ehemaliger Sänger der Puhdys, sitzt im Tivoli Club auf der Bühne. Hier präsentiert er erstmals seine Autobiografie ·Maschine — Was bisher geschah·. Der Künstler wird am 18.03.2024 80 Jahre alt.

PRODUKTION - 17.02.2024, Sachsen, Freiberg: Dieter Birr, (Maschine), ehemaliger Sänger der Puhdys, sitzt im Tivoli Club auf der Bühne. Hier präsentiert er erstmals seine Autobiografie ·Maschine - Was bisher geschah·. Der Künstler wird am 18.03.2024 80 Jahre alt. Foto: Bodo Schackow/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

    Dieter Birr sitzt im Februar 2024 im Tivoli-Club auf der Bühne. Hier präsentiert er erstmals seine Autobiografie „Maschine – Was bisher geschah“. Der Musiker wurde am 18. März 2024 80 Jahre alt.

    Bodo Schackow/dpa
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Hat es jemals ein Konzert gegeben, bei dem Du gar keine Lust hattest, auf die Bühne zu gehen?

Nee, das ist noch nicht passiert. Allerdings hatte ich nach einer Borreliose-Erkrankung mal so eine Art Flashback. Da hatte ich einfach Angst, dass ich umkippe, obwohl ich noch nie im Leben umgekippt war. Aber zu diesem Zeitpunkt war ich wirklich besorgt, auf die Bühne zu gehen. Ich hab‘ es natürlich trotzdem gemacht und dann ging es auch.

Aber klar, es hat natürlich Situationen gegeben, wo eine Pause guttat. Wir haben ja damals auch monatelange Touren gemacht, durch die Sowjetunion beispielsweise. Wenn du da fast jeden Abend auf der Bühne stehst, kann es schon mal zu viel werden. Du brauchst ja auch körperliche Kraft und Motivation und das alles.

Dann frage ich mal so: Wie lange hältst Du es ohne Konzert aus?

Das halte ich inzwischen ganz gut aus. Da habe ich mich dran gewöhnt. Der Sommer war mehr oder weniger fast frei gewesen. Da gab es das Rundfunk-Open-Air, jetzt machen wir das Konzert in Eisenhüttenstadt. Dann geht es im September los. Also, ich kann auch mal ganz gut ohne.

Dieter „Maschine“ Birr im Interview – diese Konzerte besuchte er

Und was machst Du dann so ohne Konzerte?

Nachdenken über neue Lieder. Außerdem haben wir einen Garten, da bin ich auch sehr aktiv. Meine Frau, die hat da jeden Tag Aufgaben für mich (lacht). Ich tue, was andere Menschen eben auch machen. Ich habe kein Luxusleben. Wir feiern nicht jeden Tag Partys. Wir gehen oft essen, verreisen auch mal – aber meistens im Winter, dann geht’s ins Warme. Und nach so einer Pause freut man sich umso mehr aufs nächste Konzert.

Gibt es einen Song, der beim Konzert immer dabei sein muss?

Natürlich die großen Hits. „Lebenszeit“, „Wenn ein Mensch lebt“, „Geh zu ihr“. Neuerdings spielen wir auch „Das Buch“ wieder, und zwar zu zweit. Das hätte ich mir nie vorstellen können. Ich dachte erst, mit zwei Gitarren ist das ein bisschen dürftig. Aber die Leute wollten das. Dann haben wir es probiert und die Menschen sind ausgerastet.

Gehst Du auch privat zu Konzerten?

Natürlich. Ich habe alle Großen gehört. Damals Deep Purple, Queen, Rolling Stones, Santana, AC/DC. Letztes Jahr war ich bei Rammstein.

Ist das für Dich ein Vergnügen? Oder gehst Du vor allem als Musiker hin und wertest alles aus?

Beides. Ich bin natürlich einer, der so etwas analysiert. Ich achte darauf: Was spielen die? Wie spielen die? Wie klingt das? Wie ist das Programm? Das kommt automatisch. Aber das ist immer auch mit Spaß verbunden. Welche Musik hörst Du denn?

Ich bin da breit gefächert, lege mich nicht fest. Es gibt aktuelle Musik, die gut ist, aber ich mag es auch, alte Depeche-Mode-Klassiker zu hören und DDR-Musik auszugraben von Silly mit Tamara Danz, von IC Falkenberg. Ich mag das.

Ich auch. Die Musik damals war irgendwie langlebiger und vor allem wertvoller. Es war etwas Besonderes, wenn du die Musik überhaupt mal im Radio gehört und dir dann die Platte gekauft hast. Dadurch bekam die Musik einen gewissen Wert.

Ich habe mich lange gegen Spotify gewehrt, lieber CDs gehört. Aber seitdem die in Autos keine CD-Player mehr einbauen, habe ich gesagt, dann nutze ich eben auch Spotify. Aber irgendwie ist da das Gefühl, dass du dir die Musik nicht so richtig verdient hast.

Früher bist du in den Plattenladen gefahren, musstest dir einen Parkplatz suchen, hast philosophiert mit dem Plattenverkäufer. Die Musik hat jetzt meiner Meinung nach eben nicht mehr diesen reinen ideellen Wert für einen selber. Von meinem letzten beiden Alben gibt es übrigens auch Vinyl.

Und gehen die Platten gut?

Ja. Und es gibt sie sogar in verschiedenen Farben.

Dieter „Maschine“ Birr im Interview über sein neues Album

Dein aktuelles Album heißt „Mein Weg“. Würdest Du den jederzeit wieder so gehen oder würdest Du irgendwo vorher abbiegen?

Nein. Ich würde ganz genau dasselbe machen, ich kann ja auch nichts anderes. Ich habe mal in einer Fabrik gearbeitet, als Schleifer an einer Maschine. Das ist alles nicht schlecht gewesen. So etwas muss es ja auch geben. Aber ich habe dann gemerkt, dass Musik mir doch mehr liegt. Das wollte ich von Anfang an. Ich habe schon als Kind angefangen, Musik zu machen, also zu singen. Dann habe ich irgendwann Gitarre gelernt und konnte mich selber begleiten zu Liedern. Und ich habe gespürt, dass es den Leuten gefällt.

Bist Du immer noch voller Ideen, was neue Lieder angeht?

Ja. Jetzt zurzeit ist erstmal ein bisschen Ruhe, weil das letzte Album ja gerade erst erschienen ist. Mal sehen, was passiert. Bis 2050 hab‘ ich ja noch Zeit. Dann reicht es, wenn man lauter Best-ofs rausbringt (lacht).

Besteht beim Komponieren irgendwann die Gefahr, dass man sich selbst kopiert?

Kopieren hat so einen negativen Touch. Es ist doch schön, wenn man erkannt wird. Das will doch auch der Konsument: Wenn ich mir Rammstein kaufe, will ich ja nicht, dass die klingen wie die Stones. Es hat jeder eine eigene Art und Weise, Lieder zu schreiben, die kann man nicht verleugnen. Und man schreibt die Lieder so, dass man selber zufrieden ist.

Also setzt man Mittel ein, die sich schon bewährt haben. Klar, keiner will sich gern wiederholen. Und trotzdem: Die Art der Musik kannst du einfach nicht verleugnen. Das ist doch schön. Und natürlich gehört es auch zu Musik dazu, Gefühle zu transportieren, Empathie zu vermitteln.

Weil Du gerade von Empathie sprichst, hast Du ein bisschen Angst vor der Entwicklung, was KI angeht?

Damit habe ich noch nichts zu tun gehabt und damit beschäftige ich mich nicht. Ich schreibe meine Lieder so wie immer, nehme die im Studio auf. Das macht Spaß und ich freue mich, dass das meine Ideen sind. Natürlich will ich Erfolg haben, klar. Es muss aber immer so sein, dass du selber mit dem Ergebnis hundertprozentig zufrieden bist. Ich hatte das Glück, dass das, was ich mache, sich eben auch oftmals mit dem Publikumsgeschmack gedeckt hat.

Danke für das Gespräch. Hat Spaß gemacht.

Silly & Maschine Live In Concert: Fr, 16.8.2024, 20 Uhr, Freilichtbühne Eisenhüttenstadt, Tickets gibt es auf der Online-Plattform Eventim und u.a. beim Tourismusverein in Eisenhüttenstadt.