Konzert in Eisenhüttenstadt: Dieter „Maschine“ Birr über Lust, Rammstein und KI

Dieter Birr, genannt Maschine, bei einem früheren Konzert in Leipzig. Nun kommt er gemeinsam mit Silly-Legende Uwe Hassbecker nach Eisenhüttenstadt. Vorab nahm er sich Zeit für ein Interview.
Sebastian Willnow/dpa„Mein Weg“ heißt das neue Album von Dieter „Maschine“ Birr. Sein Weg hat den einstigen Frontmann der Puhdys bereits mehrmals nach Eisenhüttenstadt geführt, vor und nach der Wende. Als Solokünstler kehrt er nun zurück in die Stahlstadt und wird Mitte August erstmals auf der Freilichtbühne auftreten.
Vorab nahm sich Maschine, der in diesem Frühjahr 80 Jahre alt geworden ist, Zeit für ein Gespräch, in dem man sich aufs Du einigt, in dem der Musiker auch gern mal eine Frage stellt und Sinn für Humor beweist.
Dieter „Maschine“ Birr im Interview vor Konzert am 16. August
Mit den Puhdys warst Du schon wiederholt in Eisenhüttenstadt. Bereits zu DDR-Zeiten haben Dir die Leute hier zugejubelt. Nun kommst Du allein mit Uwe Hassbecker von Silly auf die Freilichtbühne …
Maschine: Genau! Was ist das für eine Bühne?
Die ist 1960 in ganz kurzer Zeit gebaut worden und super schön gelegen, mitten im Grünen. Oft wird sie auch kleine Waldbühne genannt. Mehr als 2000 Menschen passen da rein. Da gab es schon tolle Konzerte. Auf welche Songs dürfen sich die Besucher denn am 16. August freuen?
Die größten Puhdys-Hits werden gespielt und natürlich auch Sachen von meinem Solo-Album. Das wird eine bunte Mischung aus schönen Liedern.
Wie reagieren die Menschen auf die alten und neuen Songs?
Die kommen wirklich richtig gut an. Also, das riecht jetzt ein bisschen nach Eigenlob, aber ich würde nicht mehr auf Tour gehen, wenn ich merken würde, dass das, was ich tue, den Menschen nicht mehr gefällt. Ich bin immer bemüht, auch neue Sachen zu machen. Ich will ja nicht als Oldie-Band rumtouren.
Dieter „Maschine“ Birr – wie lange will er noch auftreten?
Die nächste Frage musst Du Dir trotzdem gefallen lassen. Wie lange willst Du noch auf der Bühne stehen?
Ich muss mal sehen, wie es weitergeht. Geplant ist es erstmal bis Zweitausendfuzzig …
Bis 2050, ja klar. Heißt im Klartext, es ist kein Ende in Sicht. Fürs nächste Jahr sind jedenfalls schon viele Konzerte geplant.
Ja, die Nachfrage ist wirklich richtig gut. Dass ich und Uwe Hassbecker als Duo spielen, das war mal als ganz kleine Sache geplant, so unplugged 300 bis 500 Leute, damit man auch alle erreicht. Inzwischen sind wir bei über 1000, das hatten wir so nicht erwartet. Aber wir freuen uns natürlich, dass es so gut läuft.
Hat es jemals ein Konzert gegeben, bei dem Du gar keine Lust hattest, auf die Bühne zu gehen?
Nee, das ist noch nicht passiert. Allerdings hatte ich nach einer Borreliose-Erkrankung mal so eine Art Flashback. Da hatte ich einfach Angst, dass ich umkippe, obwohl ich noch nie im Leben umgekippt war. Aber zu diesem Zeitpunkt war ich wirklich besorgt, auf die Bühne zu gehen. Ich hab‘ es natürlich trotzdem gemacht und dann ging es auch.
Aber klar, es hat natürlich Situationen gegeben, wo eine Pause guttat. Wir haben ja damals auch monatelange Touren gemacht, durch die Sowjetunion beispielsweise. Wenn du da fast jeden Abend auf der Bühne stehst, kann es schon mal zu viel werden. Du brauchst ja auch körperliche Kraft und Motivation und das alles.
Dann frage ich mal so: Wie lange hältst Du es ohne Konzert aus?
Das halte ich inzwischen ganz gut aus. Da habe ich mich dran gewöhnt. Der Sommer war mehr oder weniger fast frei gewesen. Da gab es das Rundfunk-Open-Air, jetzt machen wir das Konzert in Eisenhüttenstadt. Dann geht es im September los. Also, ich kann auch mal ganz gut ohne.
Dieter „Maschine“ Birr im Interview – diese Konzerte besuchte er
Und was machst Du dann so ohne Konzerte?
Nachdenken über neue Lieder. Außerdem haben wir einen Garten, da bin ich auch sehr aktiv. Meine Frau, die hat da jeden Tag Aufgaben für mich (lacht). Ich tue, was andere Menschen eben auch machen. Ich habe kein Luxusleben. Wir feiern nicht jeden Tag Partys. Wir gehen oft essen, verreisen auch mal – aber meistens im Winter, dann geht’s ins Warme. Und nach so einer Pause freut man sich umso mehr aufs nächste Konzert.
Gibt es einen Song, der beim Konzert immer dabei sein muss?
Natürlich die großen Hits. „Lebenszeit“, „Wenn ein Mensch lebt“, „Geh zu ihr“. Neuerdings spielen wir auch „Das Buch“ wieder, und zwar zu zweit. Das hätte ich mir nie vorstellen können. Ich dachte erst, mit zwei Gitarren ist das ein bisschen dürftig. Aber die Leute wollten das. Dann haben wir es probiert und die Menschen sind ausgerastet.
Gehst Du auch privat zu Konzerten?
Natürlich. Ich habe alle Großen gehört. Damals Deep Purple, Queen, Rolling Stones, Santana, AC/DC. Letztes Jahr war ich bei Rammstein.
Ist das für Dich ein Vergnügen? Oder gehst Du vor allem als Musiker hin und wertest alles aus?
Beides. Ich bin natürlich einer, der so etwas analysiert. Ich achte darauf: Was spielen die? Wie spielen die? Wie klingt das? Wie ist das Programm? Das kommt automatisch. Aber das ist immer auch mit Spaß verbunden. Welche Musik hörst Du denn?
Ich bin da breit gefächert, lege mich nicht fest. Es gibt aktuelle Musik, die gut ist, aber ich mag es auch, alte Depeche-Mode-Klassiker zu hören und DDR-Musik auszugraben von Silly mit Tamara Danz, von IC Falkenberg. Ich mag das.
Ich auch. Die Musik damals war irgendwie langlebiger und vor allem wertvoller. Es war etwas Besonderes, wenn du die Musik überhaupt mal im Radio gehört und dir dann die Platte gekauft hast. Dadurch bekam die Musik einen gewissen Wert.
Ich habe mich lange gegen Spotify gewehrt, lieber CDs gehört. Aber seitdem die in Autos keine CD-Player mehr einbauen, habe ich gesagt, dann nutze ich eben auch Spotify. Aber irgendwie ist da das Gefühl, dass du dir die Musik nicht so richtig verdient hast.
Früher bist du in den Plattenladen gefahren, musstest dir einen Parkplatz suchen, hast philosophiert mit dem Plattenverkäufer. Die Musik hat jetzt meiner Meinung nach eben nicht mehr diesen reinen ideellen Wert für einen selber. Von meinem letzten beiden Alben gibt es übrigens auch Vinyl.
Und gehen die Platten gut?
Ja. Und es gibt sie sogar in verschiedenen Farben.
Dieter „Maschine“ Birr im Interview über sein neues Album
Dein aktuelles Album heißt „Mein Weg“. Würdest Du den jederzeit wieder so gehen oder würdest Du irgendwo vorher abbiegen?
Nein. Ich würde ganz genau dasselbe machen, ich kann ja auch nichts anderes. Ich habe mal in einer Fabrik gearbeitet, als Schleifer an einer Maschine. Das ist alles nicht schlecht gewesen. So etwas muss es ja auch geben. Aber ich habe dann gemerkt, dass Musik mir doch mehr liegt. Das wollte ich von Anfang an. Ich habe schon als Kind angefangen, Musik zu machen, also zu singen. Dann habe ich irgendwann Gitarre gelernt und konnte mich selber begleiten zu Liedern. Und ich habe gespürt, dass es den Leuten gefällt.
Bist Du immer noch voller Ideen, was neue Lieder angeht?
Ja. Jetzt zurzeit ist erstmal ein bisschen Ruhe, weil das letzte Album ja gerade erst erschienen ist. Mal sehen, was passiert. Bis 2050 hab‘ ich ja noch Zeit. Dann reicht es, wenn man lauter Best-ofs rausbringt (lacht).
Besteht beim Komponieren irgendwann die Gefahr, dass man sich selbst kopiert?
Kopieren hat so einen negativen Touch. Es ist doch schön, wenn man erkannt wird. Das will doch auch der Konsument: Wenn ich mir Rammstein kaufe, will ich ja nicht, dass die klingen wie die Stones. Es hat jeder eine eigene Art und Weise, Lieder zu schreiben, die kann man nicht verleugnen. Und man schreibt die Lieder so, dass man selber zufrieden ist.
Also setzt man Mittel ein, die sich schon bewährt haben. Klar, keiner will sich gern wiederholen. Und trotzdem: Die Art der Musik kannst du einfach nicht verleugnen. Das ist doch schön. Und natürlich gehört es auch zu Musik dazu, Gefühle zu transportieren, Empathie zu vermitteln.
Weil Du gerade von Empathie sprichst, hast Du ein bisschen Angst vor der Entwicklung, was KI angeht?
Damit habe ich noch nichts zu tun gehabt und damit beschäftige ich mich nicht. Ich schreibe meine Lieder so wie immer, nehme die im Studio auf. Das macht Spaß und ich freue mich, dass das meine Ideen sind. Natürlich will ich Erfolg haben, klar. Es muss aber immer so sein, dass du selber mit dem Ergebnis hundertprozentig zufrieden bist. Ich hatte das Glück, dass das, was ich mache, sich eben auch oftmals mit dem Publikumsgeschmack gedeckt hat.
Danke für das Gespräch. Hat Spaß gemacht.
Silly & Maschine Live In Concert: Fr, 16.8.2024, 20 Uhr, Freilichtbühne Eisenhüttenstadt, Tickets gibt es auf der Online-Plattform Eventim und u.a. beim Tourismusverein in Eisenhüttenstadt.














