Seit Sonntag sind 15 dieser Fotobilder im Woltersdorfer Kulturhaus Alte Schule zu sehen. Zur Vernissage kamen über 50 Besucher und waren allesamt begeistert von den Werken des Fotografen und Grafik-Designers, der auch als Dozent tätig ist. Seine Vielseitigkeit zeigte Bruhn zur Eröffnung, als er als Musiker agierte und mit seinen Freunden Frank Ilge und Paul Streicher Liebeslieder von Cat Stevens, Donovan und Renft darbot. So hüllte er an diesem trüben Tag den Saal in eine wohlige Stimmung.
„Man kann wohl ewig hier stehen und immer wieder Neues entdecken“, sagt Achim Weichardt, selbst Maler und Grafiker, bewundernd. „Die feinsten Fasern und Strukturen sind zu erkennen, dazu die witzigen Ideen und Wortspiele“, es sei wie ein Wimmelbild. „Unglaublich, was man mit einem Computer anstellen kann“, meint Elena Bronsert.
„Seit fünf Jahren nehme ich mir einmal im Jahr das Privileg, etwas für mich zu tun“, bekennt Olaf Bruhn und erzählt von besonderen Projekten, die in exklusive Kunstkalender fließen. Rund drei Wochen arbeitet er an einem Bild, wofür er mit hochauflösender Kamera im Schnitt rund 250 Fotos aufnimmt und später am Computer komponiert. „Ich lege Wert auf das Detail“, sagt der 61-Jährige. So scheinen Wassertropfen taufrisch, Fasern im Wind zu tanzen, und der Stängel einer Mohnblume überzeugt mit Hunderten feinster Stacheln. Dezente Schriftzüge verstecken sich in jedem Bild. Für ein Lieblingsbild könne er sich nur schwer entscheiden.
„Im Grunde liebe ich immer das besonders, woran ich gerade arbeite“, sagt er und nennt dann doch eins: „Coco nutallea“. Er erzählt von einer alten Kokosnuss, die er vergessen hatte und Jahre später in seinem Keller fand. „Der Rand war schon schwarz, der Aufbruch besonders strukturiert, die Milch vertrocknet, und doch steckte noch so viel Kraft darin.“ Dutzende Male hat seine Frau im heimischen Bad ein Glas Milch vor die Kamera gespritzt, bis die perfekten Aufnahmen gelangen, immer wieder hat er die Komposition um Nuancen verändert, um von Aufbruch und Verletzlichkeit zu erzählen.
Alte Schule, Woltersdorf bis 5. April