Leichtathletik
: Schnelle Premiere

Hervorragende Sieger- zeiten hat es bei den deutschen Meisterschaften im 50-Kilometer-Straßenlauf gegeben, die auf einem Fünf-Kilometer-Rundkurs im Grünheider Ortsteil Störitz ausgetragen wurden.
Von
Kai Beißer,
Hagen Bernard
Störitz
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  • Ultraläufer unter sich: Stefan "Stu" Thoms aus Woltersdorf, in 3:52:13 Stunden 26. über 50 Kilometer, gratuliert dem norwegischen 100-km-Sieger Terje Sandness aus Kerkenes.

    Ultraläufer unter sich: Stefan "Stu" Thoms aus Woltersdorf, in 3:52:13 Stunden 26. über 50 Kilometer, gratuliert dem norwegischen 100-km-Sieger Terje Sandness aus Kerkenes.

    Kai Beißer
  • Deutsche 50-km-Meisterin: Almut Dreßler von der LG Nord Berlin

    Deutsche 50-km-Meisterin: Almut Dreßler von der LG Nord Berlin

    Hagen Bernard
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Im nächsten Jahr feiert der Internationale 100-Kilometer-Lauf von Grünheide ein Jubiläum, wird zum 40. Male ausgetragen. Zum fünften Mal fand er jetzt mit Start und Ziel im Familienzentrum Störitzland statt – und obendrein gab es eine Premiere: Erstmals wurden die deutschen Meisterschaften im 50-Kilometer-Straßenlauf unter dem Dach des Deutschen Leichathletik-Verbandes ausgetragen. Eine entsprechende Kooperationsvereinbarung hatten der DLV und die Deutsche Ultramarathon-Vereinigung, bisher Ausrichter der Titelkämpfe, im Oktober unterzeichnet. Dies betrifft auch die Meisterschaften über 100 km, die 24 Stunden sowie den Ultratrail.

Hintergrund ist unter anderem, dass der Verband offiziell nominierte Mannschaften zu Welt- und Europameisterschaften schicken will, bei denen deutsche Läufer regelmäßig Medaillen einsammeln. So hatte die erste WM über 50 Kilometer 2015 in Doha stattgefunden, im Jahr darauf gewannen die für Ultrasport Marburg startende Berlinerin Nele Alder-Baerens Silber und die Männer Team-Bronze.

In diesem Jahr finden die Weltmeisterschaften am 1. September in Brasov statt und Grünheide bot die erste Möglichkeit, die entsprechenden Normzeiten zu laufen. Dies gelang bei den Männern gleich fünf Athleten, der Sechste, Marco Bscheidl von der LG Passau, verpasste die 3:03 Stunden um 42 Sekunden. Sieger wurde mit Marcel Bräutigam vom Rennsteiglaufverein der deutsche Vizemeister im Marathon von 2013 und 2015. Der Ilmenauer finishte nach 2:51:55, lief damit Fünf-Kilometer-Rundenzeiten von durchschnittlich  17:20 Minuten. Die ersten 15 Kilometer hatte er zusammen mit Florian Neuschwander absolviert. „Das ist mein erster Deutscher Meistertitel im Laufen. Ich bin relativ langsam angegangen, vorgenommen hatte ich mir eine 2:55. Der Wettkampf hatte es erfordert, dass ich etwas schneller laufe“, erklärte der 31-jährige Polizist, der dabei die Marathondistanz in 2:24 Stunden absolviert hatte. Seine Bestleistung steht bei 2:17 Stunden. Er hatte für die Strecke viel Lob parat: „Die Bedingungen heute waren sehr gut. Zwischen Kilometer drei und vier im Wald war es etwas sandig, das hat man deutlich gemerkt. Ansonsten ist es ein schneller Rundkurs.“ Auf den Podestplätzen landeten Benedict Hoffmann (TSG Heilbronn/2:54:43) und der Saarländer Florian Neuschwander (Spiridon Frankfurt/2:54:53).

Almut Dreßler vom Ultrateam der LG Nord Berlin benötigte im Ziel einige Minuten, um zu realisieren, dass sie in 3:29:43 Stunden Deutsche Meisterin vor Nele Alder Baerens (3:30:08/Ultra-sportclub Marburg) und Malin Pfäffle (Die Laufpartner Berlin/3:37:18) geworden war. Die Siegerin hatte erst in der letzten Runde die Führung übernommen. „Ich bin zügig angegangen, aber kontrolliert. Mit solch einer Zeit hatte ich nie gerechnet“, erklärte die 28-Jährige. Auch nicht zwingend ihr Freund Martin Ahlburg, Mitglied der Deutschen Nationalmannschaft im 100-Kilometer-Lauf. Zusammen mit dem achtmonatigen Sohn Fiete hatte er im Start-Ziel-Bereich auf seine Freundin gewartet, die auf den abschließenden zehn Kilometern noch mal kräftig beschleunigt hatte. In der vorletzten Runde war sie an die führende Nele Alder-Baerens herangelaufen. „Auf dem Radweg anfangs der letzten Runde hat sie sich noch gewehrt, doch auf dem unebenen Teilstück im Wald habe ich mich dann lösen können. Ich glaube, Nele sieht nicht so gut“, erklärte die bei 1,67 Metern Größe und 48 Kilo Gewicht recht zierliche Almut Dreßler, die drei Wochen nach der Geburt ihres Sohnes wieder mit dem Training begonnen hatte. Sie laufe schon seit Längerem und trainiere zweimal wöchentlich auch Kinder, doch nach Plan laufe sie erst seit fünf Jahren. Mit einem 50-Kilometer-Wettbewerb vor drei Jahren ist Dreßler zu den Laufwettbewerben gelockt worden, vor zwei Jahren hatte sie die 50 Kilometer in Störitz in 3:37:07 Stunden gewonnen. „Ich kannte daher die Strecke und mit ihr verbinden mich sehr schöne Erinnerungen. Vielen Dank an alle, die mich hier an der Strecke unterstützt haben.“

Während der Ehrung der 50-km-Sieger, bei der übrigens die Nationalhymne gespielt wurde, gab es den Zielleinlauf über 100 Kilometer – was dazu führte, dass der komplette Pulk Spalier stand für Terje Sandness, der nach 7:58:04 finishte. Der 54-jährige Norweger war tags zuvor in Kirkenes, mehr als 300 Kilometer nördlich des Polarkreises, ins Flugzug gestiegen, hatte im Mietauto zwischen Berlin und dem Störitzsee übernachtet, um am Sonntag wieder nach Hause zu fliegen. „Schließlich muss ich wieder arbeiten“, sagte der Grundschullehrer gut gelaunt. Vor sieben Jahren war er beim Malm Ultra in seiner Heimat zum letzten Mal 100 Kilometer gelaufen und in 9:28:47 Fünfter geworden. „Ich trainiere wegen der Polarnacht oft auf dunklen Straßen“, erzählte Sandness in bestem Deutsch. „Unsere Tochter Andrea ist mit einem Deutschen verheiratet, wohnt in Gera. Meine Frau und ich wandern oft in Bayern und in Österreich und ich liebe Sprachen“, lieferte der drahtige Läufer eine wortreiche Erklärung.

Vier Stunden länger unterwegs als der Norweger waren 18 Finisher – ein Dutzend Männer, sechs Frauen – beim 24-h-Lauf. Die 38-jährige Marita Wahl aus Blankenfelde-Mahlow bewältigte in dieser Zeit genau 119,979 Kilo-meter, der gerade 54 Jahre alt gewordene Olaf Graf von der TSG Rot-Weiß Fredersdorf-Vogelsdorf deren 124,649.