Mieten rauf: Wohnen in Erkner wird teurer

Blick in die Friedrichstraße: Viele Mieter der Wohnungsgesellschaft Erkner werden ab Herbst mehr Miete zahlen müssen.
Annette HeroldUndichte Stelle
Die Kunde von der geplanten Erhöhung war über informelle Wege an die Öffentlichkeit gelangt. Eigentlich wollte die WGE in Ruhe den Jahresbericht veröffentlichen und dann entsprechend den gesetzlichen Fristen die Mieter über die Erhöhung informierten, wie Susanne Branding erläutert. Nun aber tauchte das Thema sowohl in einer Anfrage bei der jüngsten Stadtverordnetenversammlung (SVV) als auch in einem Rundschreiben an die Mitglieder des Mietervereins Erkner und Umgebung auf. Michael Voges, Vorsitzender des Vereins, ist für das Rundschreiben verantwortlich. Bürgermeister Pilz habe auf Anfrage in der SVV eine Mieterhöhung zum „höchstmöglichen Betrag“ befürwortet, schreibt Voges. Und der Bürgermeister habe hier das Sagen. Tatsächlich ist die Stadt die alleinige Gesellschafterin der Erkneraner Wohnungsgesellschaft und hat bei dem Unternehmen ein gehöriges Wort mitzureden. Von "höchstmöglicher Mieterhöhung“ sei allerdings keine Rede gewesen, dementiert Bürgermeister Pilz den Vorwurf auf der Facebookseite „Erkner und Umgebung“. Gesetzlich möglich sei eine 15–prozentige Erhöhung in drei Jahren. „Die Wohungsgesellschaft hatte die einzige vor fünf Jahren!“, verteidigt sich Pilz.
Michael Voges, der in seinem Rundschreiben die Mieter auch aufruft, den Erkneraner Abgeordneten die Meinung über die Mieterhöhung zu geigen, ist nicht gegen jegliche Anhebung: „Mein Anliegen ist es, die Abgeordneten mehr für das Thema zu sensibilisieren“, erklärt Voges, der selbst Stadtverordneter für die Partei Die Linke ist. Die SVV könne die Verwaltung aber anhalten, die Mieterhöhung zu begrenzen.
Verein sieht sozialen Spielraum
Etwas regelrecht Unerlaubtes wirft der engagierte Interessenvertreter der WGE nicht vor. Allerdings sieht er auf Seiten des Unternehmens mehr Spielraum für ein sozial abgefedertes Vorgehen, verweist auf die Überschüsse der Gesellschaft und erinnert an Susanne Brandings Vorgänger. „Der ehemalige Geschäftsführer versuchte auf die Belange der Mieter einzugehen, wenn nötig, berief er Mieterversammlungen ein.“ Die WGE solle auch heute nicht das Objekt im „Mieter“ sehen, sondern mehr den Menschen, so Voges, der in Debatten bisweilen durch sein offensives Verhalten auffällt. Ein Scharfmacher will Voges aber nicht sein, wie er selbst meint. Die Leute hätten Angst vor sozialen Härten, was auch die steigenden Mitgliederzahlen seines Vereins zeigten: "Die Verhältnisse der Menschen sind ungleich, deshalb ist es in Ordnung, für Einzelne unterschiedliche Lösungen zu suchen.“ Susanne Branding findet, ihre Gesellschaft habe bereits ein offenes Ohr für Probleme: „Die Menschen müssen aber mit uns sprechen.“
