Mutmaßlicher Kindesmissbrauch: So bezieht der S-Bahn-Verein aus Erkner Stellung

Sonderfahrt: Der Weihnachtszug des Vereins Historische S-Bahn aus Erkner fährt in die S-Bahnhof Grünau ein. Der Verein sieht sich mit Missbrauchsvorwürfen konfrontiert. (Archivfoto)
Fabian Sommer/dpa- Der Verein Historische S-Bahn Erkner ist mit Missbrauchsvorwürfen gegen ein ehemaliges Mitglied konfrontiert.
- Der Beschuldigte muss sich ab dem 29. April vor Gericht verantworten; Fälle von 1997 bis 2000.
- Der Verein unterstützt die Ermittlungen und hat seit 2023 wieder eigene Sonderfahrten.
- Maßnahmen zur Missbrauchsvorbeugung wurden eingeführt, um die Sicherheit zu erhöhen.
- Der Verein hat etwa 300 Mitglieder.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Fans der Eisenbahner-Szene können sich dieser Tage eigentlich freuen. Am letzten Maiwochenende ist es nämlich soweit: Dann öffnet der Verein Historische S-Bahn Erkner – so wie jedes Jahr – wieder die Tore seiner Hallen am südöstlichen Stadtrand von Berlin für Besucher. Geboten werden Einblicke in alte und neuere Züge, auch kleine Schnupperfahrten sind geplant.
Die Vorfreude auf das jährliche Ereignis direkt am Bahnhof Erkner, wo die S3 verkehrt, wird derzeit allerdings getrübt. Grund sind Missbrauchsvorwürfe, die gegen ein Mitglied des Vereins im Raum stehen. „Wir sind erschüttert“, schreibt der Vorstandsvorsitzende Robin Gottschlag dazu in einer Stellungnahme auf der Homepage des Vereins.
Mutmaßlicher Missbrauch in fünf Fällen – einer bei Sonderfahrt
Der Beschuldigte, um den es geht, muss sich ab dem 29. April vor dem Berliner Landgericht verantworten. Nach Angaben einer Gerichtssprecherin soll er einen Jungen im Zeitraum von Ende 1997/Anfang 1998 bis Juni 2000 in fünf Fällen sexuell missbraucht haben.
Der Junge, der laut Gericht bei der ersten Tat elf Jahre alt war, habe im Jahr 1997 als Schülerpraktikant in Modellbahnanlagen in Berlin-Friedrichshain gearbeitet. Dort habe er den Angeklagten kennengelernt. Dieser sei im Verein Historische S-Bahn aktiv gewesen. Er habe dann den von Eisenbahnen begeisterten Jungen zu S-Bahn-Sonderfahrten eingeladen.
Zwischen beiden habe sich eine freundschaftliche Beziehung entwickelt, heißt es. Die erste Tat soll sich während einer dieser Sonderfahrten des Vereins Historische S-Bahn Berlin in einem Zugabteil ereignet haben. Hinzu kommen nach Angaben des Gerichts vier weitere Taten in der Wohnung des Angeklagten in Berlin. Bei einer Wohnungsdurchsuchung im Juli 2024 sollen bei dem Beschuldigten außerdem drei CDs mit mehr als 500 kinderpornographischen Bildern sichergestellt worden seien.
Verein Historische S-Bahn Erkner stellt sich Verantwortung
Laut Gottschlag vom Verein Historische S-Bahn seien die Sonderfahrten damals von der S-Bahn Berlin GmbH organisiert worden. „Die Vorwürfe richten sich jedoch gegen ein als Betreuungspersonal eingesetztes Mitglied unseres Vereins. Dieser Verantwortung stellen wir uns“, so der Vereinschef.
Nach Angaben von Gottschlag haben sich im Vorfeld des Verfahrens, über das zuerst die Berliner Zeitung berichtet hatte, bislang weder Staatsanwaltschaft noch Gericht an den Verein gewandt. Erst Anfang des Jahres hätte man Hinweise darauf erhalten. „Unser Verein unterstützt die Ermittlungen der Strafverfolgungsbehörden vollumfänglich, sofern wir darum gebeten werden.“ Gottschlag betont, dass der Beschuldigte seit über zehn Jahren nicht mehr im Verein aktiv sei. Er habe zuletzt auch an keinen Sonderfahrten oder Veranstaltungen teilgenommen.
Robin Gottschlag: Historische Züge sind ein sicherer Ort
Für den Erkneraner S-Bahn-Verein ist der Fall problematisch. Es besteht vor allem die Sorge, dass er – obwohl mehr als 25 Jahre zurückliegend – dem Ansehen schadet. Da man in keiner Weise am Verfahren beteiligt sei, gebe es aktuell ein Informationsdefizit, so Gottschlag. Dies „erschwert gegenwärtig den Umgang mit dem Thema erheblich“, so der Vorsitzende auf Nachfrage von MOZ.de.
Gottschlag betont außerdem, dass die Züge des Vereins ein sicherer Ort für Kinder und Familien seien. Mit einer Fahrt mit der historischen S-Bahn sollten ausnahmslos schöne Erinnerungen verknüpft werden. „Deswegen investieren wir unsere ehrenamtliche Kraft in Angebote, die ganz überwiegend als Event für Familien gedacht sind“, so Gottschlag.
Nach einer längeren Pause gibt es seit 2023 wieder Sonderfahrten. Sie werden nun vom Verein Historische S-Bahn selbst durchgeführt. Dazu zählen auch die Fahrten mit dem berühmten Weihnachtszug.
Verein aus Erkner: Maßnahmen gegen Missbrauch
Um Missbrauch vorzubeugen, setzt der Verein nach eigener Aussagen schon länger auf verschiedene Maßnahmen. So sei die Personalplanung bei Sonderfahrten und Veranstaltungen so gestaltet, dass Kinder- und Jugendliche, sollten sie nicht in Begleitung eines volljährigen Angehörigen sein, zu keinem Zeitpunkt allein mit einem Vereinsmitglied seien – zur „Vermeidung von Tatgelegenheiten“. Auch aus technisch-betrieblichen Gründen befinde sich heute außerdem deutlich mehr Bordpersonal in den Abteilen des Zuges als noch in den 90er Jahren, heißt es.
Laut Gottschlag umfasst der Verein Historische S-Bahn aktuell rund 300 Mitglieder.


