ÖPNV
: Kurs auf neue Straßenbahn

Die Schöneicher-Rüdersdorfer Straßenbahn GmbH plant den Kauf eines nagelneuen Zuges.
Von
Annette Herold
Schöneiche
Jetzt in der App anhören

Straßenbahn des Typs Arctic: Die SRS plant den Kauf eines neuen Modells für die Straßenbahn Schöneiche.

MOZ/Annette Herold

Klappt alles, rollt 2020 zwischen Alt Rüdersdorf und Friedrichshagen eine neue Straßenbahn. Bei der ersten öffentlichen Diskussion gab es viel Zuspruch für den Kauf einer Tram vom Typ Artic. Geplant ist auch ein Zehn-Minuten-Takt zwischen Friedrichshagen und Grätzwalde.

Seit Herbst fährt die erste Artic-Straßenbahn im Liniendienst der Schöneicher-Rüdersdorfer Straßenbahn (SRS), die zweite wird demnächst erwartet. Beide Züge stammen aus dem finnischen Helsinki sind sogenannte junge gebrauchte, nun möchte die SRS ein drittes Fahrzeug desselben Typs kaufen, dieses Mal eine neue Artic. Die Möglichkeit jedenfalls besteht, weil die Verkehrsbetriebe Helsinki zwölf Fahrzeuge dieses Typs bestellt haben. An diesen Auftrag könne sich die SRS anhängen, heißt es in einer Beschlussvorlage, die Dienstagabend im Schöneicher Finanzausschuss erstmals öffentlich diskutiert wurde und ein positives Echo auslöste.

„Wir haben mit dem Artic-Kauf drei Fahrzeuge mit zweien ersetzt“, sagt SRS-Betriebsleiter Sebastian Stahl zu den Hintergründen. Für einen reibungslosen Ablauf im Unternehmen sei es sinnvoll, den Fuhrpark durch den Kauf eines dritten Zuges zu erweitern. Es gehe nicht zuletzt um eine Werkstattreserve. „Wir müssten sonst Hochflurer einsetzen“, skizziert Sebastian Stahl den schlimmsten Fall, der eintreten könnte, sollte eine der Bahnen im Liniendienst kaputtgehen. Das will die SRS aus zwei Gründen vermeiden: Erstens weil es kundenunfreundlich ist, wenn etwa jemand mit Rollator, Kinderwagen oder Rollstuhl auf die Bahn wartet und dann wegen der Treppen nicht hineingelangen kann. Grund Nummer zwei: Der öffentliche Personennahverkehr muss bis 2022 barrierefrei sein.

Im Ausschuss gab es angesichts des Schöneicher Bevölkerungszuwachses keine Diskussionen über die Notwendigkeit einer neuen Bahn, lediglich die Forderung nach einer Festschreibung des Eigenanteils. Vorerst grünes Licht also für das Vorhaben, das nun in der Gemeindevertretung zur Entscheidung steht. Genau genommen geht es darum, dass Schöneiche – wie von Rüdersdorf auch erhofft – rund 153 000 Euro für den Kauf beisteuert. Kämmerin Andrea Liske sagte, die Gemeinde könne diese Summe aus der Rücklage, also dem Gesparten, aufbringen. Lutz Kumlehn (FDP) kommentierte: „Ich kann dem nur zustimmen. Wir kriegen einen Gegenwert von 2,9 Millionen Euro.“

Beteiligen müssten sich auch die Landkreise Oder-Spree und Märkisch-Oderland – mit Fördermitteln vom Land. Vorabstimmungen dazu gibt es, wie es in der Beschlussvorlage heißt. Die Kreistagsbeschlüsse stehen aber noch aus. In Oder-Spree wird die Vorlage erstmals am 12. März im Verkehrsausschuss beraten, der Kreistag berät am 3. April.

Zweites neues Vorhaben der SRS ist die Verdichtung des Straßenbahntaktes zwischen Schöneiche/Grätzwalde und der S-Bahn-Station Berlin-Friedrichshagen im Berufsverkehr. Für die Gemeinde Schöneiche würden dadurch laut Vorlage jährlich bis zu 100 000 Euro fällig. Die SRS könne eine solche Taktverdichtung, geplant während der Schulzeiten, mit den beiden gebrauchten Artic-Zügen und der Herrichtung eines weiteren Tatra-Zuges mit Niederflurteil anbieten.

Vorgeschlagen wird eine Taktverdichtung zwischen 7 und 9.30 Uhr und von 15.30 bis 18 Uhr.  Zustimmung im Finanzausschuss, bis auf einen Punkt: 7 Uhr sei zu spät, kritisierten die sachkundige Einwohnerin Maria Bachhoffer und Gemeindevertreter Johannes Kirchner (Grüne). Über Details dieser Art lasse sich natürlich noch diskutieren, sagte SRS-Betriebsleiter Stahl.