Reinigungsanlage
: Gifte im Grundwasser zu fünf Prozent eliminiert

Mit einer Sperrung der Wasserstraße könnte die Altlasten-Sanierung in Erkner schneller gehen als bisher.
Von
Joachim Eggers
Erkner
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Archivfoto vom Flakenfließ, Juni 2018

Jan-Henrik Hnida

Das mag sich viel anhören, aber auf der anderen Seite steht die Gesamtmenge: 5700 Tonnen Schadstoffe sind im sogenannten Grundwasserwechselbereich gespeichert. 6,5 Hektar Fläche sind damit kontaminiert, das entspricht einem Grundwasservolumen von 1,1 Millionen Kubikmeter. Bezogen auf die Schadstoffmengen im Grundwasser heißt das: Seit dem Beginn der Altlasten-Sanierung in den frühen 1990er Jahren sind ein bisschen mehr als fünf Prozent der Schadstoffe unschädlich gemacht worden.

Der Schadstoff-Cocktail

Diese Zahlen nennt Thomas Driebusch. Der Leiter der Kreis-Umweltamts hat die Altlasten-Sanierung in Erkner wie kein zweiter seit Jahrzehnten begleitet. Die Schadstoffe, um die es geht, sind Phenole, Benzol und die sogenannten polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe. Auch Phenol und Benzol bestehen zu großen Teilen aus Kohlenstoff und Wasserstoff, weisen aber nicht die komplexe chemische Struktur von zum Beispiel Naphthalin auf, bei dem zwei Benzolringe verbunden sind; daher der Ausdruck „polyzyklisch“. Eins ist all diesen Stoffen gemeinsam: Sie sind sehr giftig, teilweise Krebs erregend.

Die Zahlen machen es klar: Wenn die Sanierung wie bisher weitergeht, ist sie eine Aufgabe für Generationen.  Angesichts der Relationen lassen die mit der Altlasten-Sanierung in Erkner beauftragten Behörden derzeit deshalb wieder untersuchen, ob sie in ganz anderen Größenordnungen vorgehen sollen. Konkret hieße das, die Sohle des Flakenfließes, also der Verbindung zwischen Dämeritz- und Flakensee, auszutauschen.

Damit wäre nichts Geringes als die Sperrung der Wasserstraße verbunden, bestätigt Driebusch. „Technologisch ist alles möglich“, sagt er. Auch für eine solche Sperrung seien mehrere Varianten denkbar. Die radikalste wäre, an jedem Ende riesige Spundwände zu errichten und den Durchlass komplett trockenzulegen. Man könnte aber auch wabenartige Segmente bilden und in diesen arbeiten. Mit solch einem Vorgehen „würde man das Schadstoffdargebot im Flakenfließ fast restlos beseitigen“, verdeutlicht Driebusch den Vorteil.

Bund und Land bezahlen

Das Ganze kann natürlich nicht ohne Blick auf die Kosten betrachtet werden. Da ist die Situation zunächst recht angenehm: Am Standort Erkner bezahlen Bund und Land sämtliche Sanierungsarbeiten, im Verhältnis 60:40. Das regelt eine sogenannte Haftungsfreistellung, die im Jahre 1994 erstmals auf zehn Jahre gewährt wurde.

Sie ist schon zweimal verlängert worden. Alle Entscheidungen fallen, sagt Driebusch, in einer speziellen Arbeitsgruppe, in der auch Vertreter von Bund und Land sitzen. Bis November sollen Vorschläge auf dem Tisch liegen. Erst in einem weiteren Schritt werde es um tatsächliche Ausführbarkeit, Kosten-Nutzen-Relation und andere Fragen gehen. Die Kosten sind auch jetzt schon nicht ohne: Etwa 28 Millionen Euro, sagt Driebusch, hat die Sanierung im vergangenen Vierteljahrhundert schon gekostet.

So giftig die Substanzen sind, so wenig Gefahr geht aktuell von ihnen aus. Eine künstliche Wasserscheide stellt sicher, dass die Wassermengen sich fast nicht bewegen, vor allem nicht in den Einzugsbereich des Wasserwerks Erkner gelangen.