Ruhestörung
: Ständig Polizeieinsätze am Thälmannplatz

Die Anwohner am Woltersdorfer Thälmannplatz sind verärgert: Laute Jugendliche haben den Ort in Beschlag genommen.
Von
Annette Herold
Woltersdorf
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Hinterlassenschaft eines Abends: ein demolierter Papierkorb am Thälmannplatz in Woltersdorf

privat

Bus und Straßenbahn halten gleich an der Ecke, das ist praktisch für junge Leute ohne Führerschein. Nicht zuletzt deshalb treffen sich Jugendliche unter anderem aus Woltersdorf, Schöneiche, Erkner und Friedrichshagen seit Herbst mehr oder weniger regelmäßig auf dem Thälmannplatz.

„Sie wollen sich unterhalten und Musik hören“, berichtet Ordnungsamsleiterin Jenny Loponen aus einem Gespräch von Polizei und Amtsmitarbeitern mit den Jugendlichen vor einer Woche. „Und sie suchen einen Ort, an dem sie niemanden stören.“ Anlass für das Gespräch waren zahlreiche Anzeigen wegen Ruhestörung in den Abendstunden. Es sei wirklich strapaziös, berichtet ein Anwohner. „Man weiß nicht, kommen sie oder kommen sie nicht. Und man weiß auch nicht, zu welcher Stunde sie kommen.“ Fakt sei jedenfalls, dass es dann oft laut wird auf dem Thälmannplatz. Das störe die abendliche Woltersdorfer Beschaulichkeit enorm.

Folgerichtig gab es seit 1. November bereits 18 Einsätze wegen Ruhestörung am Thälmannplatz, so viele, dass Revierpolizist Torsten Prautsch von einer Häufung spricht. „Ein Einsatz pro Woche, kann man sagen.“ Die Anrufe kämen nicht immer von ein und derselben Person, berichtet er. Prautsch berichtet, dass mancher von den älteren Anwohnern recht verängstigt sei. „Das Problem ist, dass es in Woltersdorf keine unbebaute Fläche gibt, auf der die Jugendlichen nicht stören würden.“ Und dann seien da noch die Haltestellen – der Thälmannplatz sei einfach gut mit dem öffentlichen Personennahverkehr erreichbar.

Der Polizeihauptkommissar war bei dem Gespräch mit den Jugendlichen neulich dabei. Gut 20 bis 30 Minuten habe es gedauert. Die jungen Leute hätten sich durchaus gesprächsbereit gezeigt, berichtet auch er. Um die 20 Jugendliche seien dort gewesen, um die 17, 18 Jahre alt.

„Der Ort ist aber völlig ungeeignet“, sagt der Polizist und verweist darauf, dass es sich um einen Ehrenfriedhof für Gefallene der Roten Armee handelt. „Die Jugendlichen haben gesagt, dass sie davon nichts wissen, und das schien mir glaubwürdig.“ Was Polizei und Ordnungsamt den Jugendlichen angekündigt haben, sind weitere Kontrollen zu unregelmäßigen Terminen.

Davon spricht auch Ordnungsamtschefin Loponen. Sie berichtet aber auch, dass die Gemeinde einen Kompromiss mit den Jugendlichen finden möchte. „Dieser Ort bleibt es nicht“, sagt sie über den Treffpunkt. Geplant seien gemeinsame Überlegungen mit dem Jugendsozialarbeiter der Gemeinde zum Jugendklub Oase. „Wir hoffen auf eine Regelung, dass auch diese Jugendlichen sich dort wohlfühlen.“ Sie könne die Anwohner gut verstehen, die sich von abendlichem Lärm gestört fühlen.

Mancher hat auch Angst, wie ein Anwohner berichtet. Genährt wird das ungute Gefühl durch einen Vorfall vor zwei Wochen. Da war ein Krankenwagen an den Thälmannplatz gerufen worden, weil bei einem der sich dort aufhaltenden Jugendlichen der Verdacht auf Alkoholvergiftung bestand. Die Retter wurden laut Polizeibericht aber bepöbelt und behindert, sodass schließlich die Polizei eingreifen musste.

An diesem Abend seien nach Erkenntnissen auch teils andere Jugendliche dort gewesen als sonst, berichtet Polizeihauptkommissar Prautsch. Diese Beobachtung hat auch einer der Anwohner gemacht. Unruhe und Anspannung bleiben für ihn und seine Nachbarn vorerst, und immer die Sorge, dass es wieder ein lauter Abend wird am Thälmannplatz.