Stadtgeschichte
: Wie Baekeland nach Erkner kam

Wie der Begründer des Plaste-Zeitalters, Leo Hendrik Baekeland, nach Erkner kam – darüber hat Frank Retzlaff berichtet.
Von
Elke Lang
Erkner
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An der Baekeland-Vitrine im Heimatmuseum: Ortshistoriker Frank Retzlaff, der Vereinsvorsitzende Hans-Peter Welzel und das Gründungsmitglied Fritz Kretschmer (v. l.).

Elke Lang

2016 nun hat einer seiner Gründer, Frank Retzlaff, eine Spur in den über 60 Tagebüchern von Baekeland gefunden, die in New York liegen, aber im Internet veröffentlicht sind: „Eine schwer lesbare Handschrift und alles in Englisch“, stöhnte der Regionalhistoriker am Mittwoch zum 48. Forum Chemie in Erkner, zu dem knapp 20 Besucher ins Heimatmuseum gekommen waren.

Der entscheidende Baustein ist der Chemiker Hippolyt Köhler (1855 – 1919), dessen Name in den Tagebüchern Baekelands von 1908 bis 1909 auftaucht. Zu seinem 100. Todestag konnte nun Frank Retzlaff eine detailreich recherchierte Biografie von ihm vorlegen. Das Material zusammenzubringen, sei eine mühsame Arbeit gewesen, denn: „Es gibt einfach zu viele Köhlers.“ Zudem verwendete der Chemiker oft nur den Anfangsbuchstaben H.

Baekeland und Köhler verbindet, dass sie sich längere Zeit in New York aufhielten und Mitbegründer der Bakelite-Gesellschaft in den USA waren. Beide verkehrten in dem 1898 gegründeten Chemist‘s Club, zu dem der Verein Deutscher Chemiker gehörte und dessen Gründungsmitglied Baekeland war.

Köhler war sehr umtriebig in Wissenschaft und Wirtschaft von Ort zu Ort und mit zahlreichen Veröffentlichungen unterwegs, darunter Standardwerke wie sein 1889 erschienenes Buch über ,"Theer- und Mineralöl-Destillerie“. Anfang der 90er-Jahre des 19. Jahrhunderts baute er für die Continental-Gas-Gesellschaft eine Teerdestillation in Warschau auf.

Als sich Baekeland und Köhler 1909 zu einem Kongress in London trafen, wies ihn Köhler auf die Rütkerswerke AG Berlin hin, zu denen ab 1908 das Werk in Erkner gehörte. Am 20. Juli kam Baekeland zum ersten Mal nach Erkner und übernahm schließlich das Werk als Betriebsdirektor. Retzlaff will seine Forschungsergebnisse in Form eines Beitrags auf der Internet-Seite des Chemievereins veröffentlichen.