Straßensperrungen: Dauerstau quält die Erkneraner

Sanierungsarbeiten auf der A 10 bei Rüdersdorf: Auch das wirkt auf die Ortsdurchfahrt Erkner ein.
Gerd Markert40 Minuten von Wilhelmshagen nach Erkner, eineinhalb Stunden von Rahnsdorf nach Neu Zittau — was Autofahrer aus Erkner und Umgebung schildern, zeigt das Ausmaß des Problems. Sie zeigen auch, dass das Problem mittlerweile längst weit über das Stadtzentrum von Erkner hinausreicht. Der Woltersdorfer Taxifahrer Volkmar Nieke berichtet von Schwierigkeiten auf dem Weg zum Bahnhof Erkner. Schon beim Einbiegen in die Berliner Straße von der Seestraße aus, an der Woltersdorfer Sparkasse, sagt er, müsse er mitunter minutenlang warten. „Die kommen aus Richtung Schöneiche Stoßstange an Stoßstange.“
Das hat auch mit der Sperrung des Kieferndamms in Schöneiche zu tun, wo seit voriger Woche der letzte Kopfsteinpflaster–Abschnitt eine moderne Fahrbahn erhält; obendrein kommen jetzt Sperrungen im Ortszentrum dazu.
Es gibt noch ganz andere Faktoren, viel weiter weg: Auf der A 10 wird bei Rüdersdorf die Fahrbahn saniert, die Anschlussstelle Rüdersdorf ist bis 12. April gesperrt. In nördliche Richtung wird der Verkehr bei Erkner abgeleitet, in Richtung Süden sollen die Autos zwar an der B1, also bei Vogelsdorf, auffahren; dass viele Erkner bevorzugen, liegt aber auf der Hand. Dann ist da noch die Salvador–Allende–Brücke in Köpenick. Am 25. Januar wurde sie wegen Baufälligkeit Knall auf Fall gesperrt. Taxifahrer Nieke ist überzeugt, dass auch das bis Erkner und Neu Zittau wirkt; auch Erkners Vize–Bürgermeister Clemens Wolter vermutet einen Zusammenhang.
Seit den Winterferien, so Wolters Wahrnehmung, ist der Stau schlimmer geworden. „Die Geschwindigkeit, mit der die Fahrzeuge im Stau stehen, ist gesunken“, hat der auch für die Stadtentwicklung zuständige Geschäftsbereichsleiter beobachtet — was immerhin zur Folge habe, dass der Verkehr nicht so laut sei. Insgesamt, meint er, „ist offensichtlich Verkehr dazugekommen“.
Was kann Abhilfe schaffen? Ein bisschen mehr Verteilung über die Breitscheidstraße sei drin, meint Wolter. Den von vielen Bürgern geäußerten Wunsch, auch die Thälmannstraße wieder einzubeziehen, teile die Stadt. Dort ist die Ausfahrt auf die Fürstenwalder Straße seit Oktober 2015 verboten, weil es Unfälle mit Radfahrern gegeben hat. Damit es die nicht wieder gibt, seien „wesentliche bauliche Änderungen“ an der Ausfahrt erforderlich, sagt Wolter. Entscheiden müsste ohnehin das Straßenverkehrsamt des Kreises.
Und eine großanlegte Umfahrung? Für den südlichen Bereich könnte eine Trasse von der Neu Zittauer Chaussee zur Autobahn vielleicht helfen, sagt Wolter, für den nördlichen eher nicht. "Und dann müsste man Aufwand und Nutzen abwägen.“
Abhilfe könnte auch dadurch entstehen, dass insgesamt weniger Auto gefahren wird. Die Stadt arbeitet an einer Stärkung des öffentlichen Nahverkehrs. Vor allem verlässliche Busverbindungen in die Umlandorte wie Gosen–Neu Zittau und Grünheide, glaubt Wolter, wären geeignet, Berufspendler vom Privatauto auf den öffentlichen Nahverkehr umsteigen zu lassen, und zwar auch auf den letzten Kilometern, vom Bahnhof Erkner nach Hause. Aber an Fahrwegen wie zum Wochenend–Einkauf oder am Nachmittag zum Vereinssport werde auch das eher wenig ändern.
