Mit der ganzen Welt schwatzen
Der 56-jährige Elektromechaniker aus Berlin-Mahlsdorf  kommt oft an den Wochenenden hierher. "Ich finde es  einfach toll, dass man ein Stück Draht in den Himmel hängt und mit der ganzen Welt schwatzen kann", sagt er. Wenn das Wetter gut ist, stoßen weitere Amateurfunker aus Berlin dazu. Dann wirkt die Stelle voller antennengespickter Autos wie der Schauplatz eines Agentenkrimis. Denn hier, auf einem Hügel umringt von Feldern, finden sie für ihr Hobby, was es in der Großstadt kaum noch gibt: Höhe, Weite und wenig, was stört. Keine Häuser und Bäume, die im Weg stehen, kaum Geräte, die Signale abstrahlen. Ruhe also.
Ein besonderer Reiz für die Funker ist es, weite Distanzen zu überbrücken. Wie der Stolz eines Anglers mit der Größe eines Fisches wächst, wächst der Stolz eines Funkers mit der Entfernung. 3600 Kilometer bis nach Kasachstan könne er über Ultrakurzwelle im Augenblick nicht schaffen, sagt Berger. Die Verbindung nach Argentinien ist mit Hilfe der Weiterleitung übers Internet zustande gekommen. Aber egal, irgendwen wird er auch heute erreichen.
Doch erst einmal knistert es nur in seinem 4000 Euro teuren Funkgerät. Das Geräusch wird von Blitzen erzeugt, die zu Hunderten, zu Tausenden irgendwo in Europa niedergehen. Und während es so knackt und knistert, erzählt Berger im Stakkato über die Faszination eines Hobbys, das technisches und geografisches Wissen erfordert. Kenntnisse über die Sonnenaktivität, die Wirkung von Polarlichtern, Frequenzen, auf denen gesendet werden darf – und mit welcher Reichweite. Über Funkerkürzel, Rechte und Gesetze, an die sich die rund 65 000 Amateurfunker in Deutschland halten müssen.
Wer nicht nur mit einem Walkie-Talkie, dem Jedermannfunk, sondern über ein Funkgerät kommunizieren will, muss eine Lizenzprüfung ablegen. Berger verfügt sogar über ein Ausbildungsrufzeichen. Damit darf er Laien ans Funkgerät lassen. Er macht das in einer Berliner Grundschule, wo er Kinder für das Funken begeistert. "Funken ist auch ein Betrag zur Völkerverständigung", sagt Berger. Das Übermitteln politischer Botschaften ist verboten.
Früher war die Kommunikation nur mit Morsezeichen möglich,  zwangsläufig wurden Abkürzungen benutzt wie "OM" – old man – als Begriff für Funker. Dass so mancher Amateurfunker die Tradition des Morsens am Leben erhält, findet Berger  gut.   Er kann es nicht.  "Das geht nicht mehr in meinen Kopfrein", sagt er. Viele der Codes und Abkürzungen werden im Funker-Slang aber weiter benutzt. Berger sagt ins Mikrophon: "CQ". Das heißt so viel wie "allgemeiner Anruf" oder "He, Leute, ich will quatschen." Dann folgt seine Kennung, damit die Welt weiß, wer am Apparat ist. Delta-Oskar-2-Juliet-Mike-Bravo –DO2JMB. Das ist sein Funkername. Es meldet sich Rüdiger aus Berlin-Reinickendorf. Alex aus Tempelhof meldet sich, er hat die Rauchwolke von einem Feuer gesehen. Für Berger liefert er damit das Stichwort, etwas über Notfälle zu erzählen.
Notstrom ist gesichert
Wenn der Strom ausfällt und nichts mehr geht, könnten Funker auf der ganzen Welt die Kommunikation sichern. So wie im Film "Independence Day", der von einem Angriff auf die Erde durch Außerirdische erzählt. Matthias Berger hat immer Strom. Auf seinem Dach liegen Solarpaneele, in seinem roten Minivan hat er Stromwandler, die Batterien speisen – und eine Matratze. Denn er reist gern nach Kroatien und funkt dann von dort. Mit dem Strom kann er auch frischen Kaffee kochen.
Siggi meldet sich aus Spandau. "Ich höre dich klar und deutlich", sagt er. Er habe auch das Gespräch mit Roberto mitgehört, dem Argentinier aus Buenos Aires. Das freut Matthias Berger. Dann verabschiedet sich Siggi mit einem freundlichen Gruß an den Funkerfreund in Schöneiche: "Viel Spaß auf dem Berg."