Tesla in Grünheide
: Optimus verteilt Popcorn - eine Million Roboter schon 2030?

In Berlin hat der neue Tesla-Roboter Optimus Popcorn an Besucher verteilt. Bald sollen Millionen der Mensch-Maschinen unseren Alltag und die Wirtschaft revolutionieren.
Von
Till Eichenauer
Berlin
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Der humanoide Roboter Optimus von Tesla in der Mall of Berlin. Viele Berufe könnten bald durch Androiden wie ihn ersetzt werden. Erst mal macht die Maschine aber nur Popcorn. Wie lange bleibt das so?

Der humanoide Roboter Optimus von Tesla in der Mall of Berlin. Viele Berufe könnten bald durch Androiden wie ihn ersetzt werden. Erst mal macht die Maschine aber nur Popcorn. Wie lange bleibt das so?

Till Eichenauer
  • Tesla-Roboter „Optimus“ verteilt Popcorn in Berlin, zeigt menschliche Gesten und zieht Besucher an.
  • Optimus soll in Zukunft komplexere Aufgaben übernehmen und die Industrie revolutionieren.
  • Elon Musk kündigt Massenproduktion der dritten Optimus-Version ab Ende 2026 an (Kosten: 20.000–25.000 $).
  • Prognosen: Bis 2030 eine Million humanoide Roboter im Einsatz, 2050 über 100 Millionen weltweit.
  • Ziel: Roboter sollen schwere Arbeiten übernehmen und neue berufliche Chancen für Menschen schaffen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Die Finger der Roboterhand formen ein halbes Herz. Ein Mann kommt näher und tut dasselbe. Dann berühren sich kurz die Finger des echten Menschen mit denen der Mensch-Maschine und formen das Symbol der Liebe.

1,73 Meter groß und 57 Kilogramm schwer, ist der humanoide Tesla-Roboter, auch „Optimus“ genannt. In etwa so groß und schwer wie eine Homo sapiens. Und wenn es nach Tesla-Chef Elon Musk geht, soll es bald mehr davon geben, als so manches Land auf der Erde Einwohner hat.

Von der großen Industrie-Revolution ist am Samstag (20. Dezember 2025) aber noch nichts zu spüren. Viele Besucher stehen geduldig in der langen Schlange in einem Einkaufszentrum in Berlin, um sich vom neuen Tesla-Roboter eine Tüte Popcorn reichen zu lassen. In einem klassischen Weihnachtsmarkt-Hüttchen, umringt von Mitarbeitern und Security, steht der mattweiße Apparat hinterm Tresen und arbeitet unermüdlich die Besucherschlange ab.

Tesla baut einen menschlichen Roboter für eine Menschen-Welt

Wenn ein Besucher dem Roboter winkt, winkt er zurück. Manchmal zieht er - wie im Scherz - im letzten Moment die Popcorn-Tüte wieder weg. Er wirkt teilweise verblüffend menschlich.

Aber warum werden gerade bei Tesla und in anderen Firmen überall auf der Welt Milliarden Euro in die Forschung an Robotern gesteckt, die uns so ähnlich sind? „Der Grund ist banal: Unsere Infrastruktur ist auf den menschlichen Körper ausgerichtet“, sagt Hannes Höppner, Professor an der Berliner Hochschule für Technik. Er baut mit seinem Team selbst an Roboterhänden.

Der humanoide Roboter Optimus von Tesla in der Mall of Berlin

Viele der Besucher in Berlin haben keine Berührungsängste mit dem Tesla-Roboter Optimus.

Till Eichenauer

Der humanoide Roboter könne also sofort Dinge bedienen, die für Menschen gebaut wurden, ohne dass die Umgebung umgebaut werden muss. In Berlin steht der Optimus an einer Popcorn-Maschine. Die Metallschaufel liegt ihm gut in der Hand.

Höppner geht davon aus, dass die humanoiden Roboter zunächst weniger komplexe Aufgaben übernehmen, bei denen viel Material bewegt werden muss oder die besonders gefährlich sind. Etwa im Versandhandel beim Transportieren von Kisten oder in der Automobilproduktion beim Einlegen von Blechteilen in Pressen. Tesla will seinen Optimus etwa in seinen Fabriken, wie der Gigafactory in Grünheide, einsetzen.

Dann werden wohl immer mehr Aufgaben für die menschlichen Roboter hinzukommen. Große Hoffnungen werden etwa in die Pflege alter Menschen gesetzt, wenn in Zukunft durch die Überalterung immer weniger junge Arbeitskräfte zur Verfügung stehen. Laut Roboter-Experte Höppner könnten die ersten konkreten Anwendungen bereits ziemlich bald kommen: „Mit einem Durchbruch der Roboter in relevanten, großen Stückzahlen rechne ich zwischen 2028 und 2032.“

Der Tesla-Roboter nur halb so teuer wie ein Model Y?

Tesla will schneller sein. Vollmundig hat Firmenchef Elon Musk angekündigt, dass die Massenproduktion der dritten Version des Optimus bereits Ende 2026 starten soll. Kosten sollen die Einheiten nur 20.000 bis 25.000 US-Dollar - also nur halb so viel wie das Flaggschiff des E-Auto-Herstellers, das Model Y.

Der humanoide Roboter Optimus von Tesla in der Mall of Berlin

Immer wieder kamen sich Menschen und Maschine näher. Bei manchen sorgte das aber auch für Unbehagen.

Till Eichenauer

Wenn die Technik ausgereift ist, könnte ein rasanter Siegeszug der menschlichen Automaten folgen, der ganze Industrien verwandeln wird: Eine Studie der Wirtschaftsberatung Horváth zufolge werden voraussichtlich schon 2030 eine Million humanoide Roboter im Arbeitseinsatz seien. Bis 2050 sollen es dann über 100 Millionen werden.

Auf der ganzen Welt wollen nun Firmen das Rennen um das Milliardengeschäft mit den Androiden gewinnen. „Die Entwicklung humanoider Roboter ist keine Science-Fiction mehr, sondern eine Frage von wenigen Jahren – und der internationale Wettbewerb ist enorm“, sagt Hannes Höppner. Aktuell hätten chinesische und US-Firmen die Nase vorn. Aber auch deutsche Unternehmen wie „Neura Robotics“ oder „Agile Robots“ arbeiteten mit Hochdruck an eigenen Lösungen.

Humanoide Roboter sollen uns schwerste Aufgaben abnehmen

Die Investoren hoffen auf Milliardengewinne. Und was haben wir davon? Tesla will durch den Einsatz der Humanoiden den echten Menschen „die Zeit zurückgeben“ und auch Roboter-Forscher Höppner sieht positives Potenzial in den neuen Allzweck-Maschinen: „Wenn Roboter die schwersten oder eintönigsten Arbeiten übernehmen, eröffnet das vielleicht Chancen für neue, interessantere Tätigkeiten.“

Die Frage im Wettbewerb ist aktuell: Wer schafft es zuerst, den Maschinen durch den Einsatz von künstlicher Intelligenz Leben einzuhauchen? Erst, wenn die Roboter selbstständig arbeiten können, machen sie sich bezahlt. Denn aktuell stecken hinter menschlichen Robotern oft noch mehrere echte Menschen, die einen der Roboter mittels Videobrille und Datenhandschuhen steuern.

Auch bei der Tesla-Präsentation ist unklar, inwieweit der Roboter selbst denkt und entscheidet oder ob im Hintergrund ein unsichtbarer Puppenspieler die digitalen Fäden zieht. Auf Anfrage wollte sich der Konzern dazu nicht äußern.

Was es für die Gesellschaft bedeutet, wenn potenziell Millionen von Arbeitskräften durch menschliche Maschinen ersetzt werden, ist noch völlig unklar. Und auch in Berlin fühlen sich nicht alle Besucher wohl im Angesicht des neuen Roboters. „Für mich ist das Kapitalismus im Endstadium“, sagt ein Besucher zu seiner Freundin und geht weiter, ohne sich ein kostenloses Popcorn abzuholen.

Tesla

Die Tesla Gigafactory Berlin (Giga Berlin / Gigafactory 4) in Grünheide (Oder-Spree) des US-Autobauers Tesla ist eine der größten Elektroauto-Fabriken in Deutschland. Baustart war Anfang 2020, die ersten Autos wurden im März 2022 an Kunden übergeben. Was gibt es Neues um die Fabrik?