Ähnlich wie beim Psychologen
"Oft muss man wie bei der Psychotherapie für Menschen weit in die Vergangenheit zurückgehen, um die Ursache für das unerwünschte Verhalten zu finden", erklärt die Tierfreundin. "Nun kann man die Katze ja leider nicht fragen, was vorgefallen ist", erklärt sie. So führt die Therapeutin Gespräche mit den Besitzern."Wann war die Katze zum ersten Mal aggressiv?", fragt sie, oder: "Ist die Katze in einer Transportbox verreist?"
Manuela Wintmölle wollte nach 25 Jahren Bürojob ihre Leidenschaft zum Beruf machen und wagte den Sprung ins Ungewisse. Inzwischen hat die 48-Jährige, die am Berliner Rand zu Hause ist, eine 18-monatige Ausbildung an der Akademie für Naturheilkunde mit Sitz in der Schweiz und bei Hamburg absolviert – im Fernstudium. "Ich stehe noch am Anfang meiner Laufbahn", bekennt sie freimütig. Erste Erfolge stellen sich jedoch schon ein. Im Falle der Beziehungsprobleme von Tom und Lilly stieß sie mittels Gesprächen und Beobachtung auf die Ursache. Ein Zahnarztbesuch von Kater Tom hatte wohl den Stress verursacht. "Er roch anders, als er vom Doktor kam, das muss Kumpel Lilly irritiert haben", erklärt die Katzenberaterin.
Ist die Diagnose gestellt, fängt die quasi-therapeutische Arbeit an. Manchmal helfen räumliche Veränderungen. "Im Falle von Tom und Lilly habe ich den Besitzern geraten, die beiden erst einmal zu trennen", sagt Manuela Wintmölle. Sie trainierte vorerst mit beiden Katzen unabhängig voneinander. Belohnt wird friedvolles Verhalten. Hilfsmittel ist dabei ein Klicker, der laut Trainerin Wintmölle etwas von einem Knackfrosch für Kinder hat. Positives Verhalten wird mit "Leckerlis" und gleichzeitigem Klicken belohnt. Irgendwann reagieren Katzen schon allein auf das Klicken. Katze Lilly wurde anfangs schon dafür belohnt, wenn sie den feindseligen Blick auf ihren Artgenossen sein ließ. Die Übungen wurden immer schwieriger. Nach drei bis vier Monaten konnten die Besitzer die Katzen wieder zueinander lassen.
"Die Idee, die Psychologie der Katzen zu studieren, kam mir während meiner ehrenamtlichen Tätigkeit im Tierheim", erzählt Manuela Wintmölle. Dort traf sie immer wieder auf  aggressive Katzen, unzugängliche Tiere oder welche, die abgegeben worden waren, weil sie nicht stubenrein sind. Viele glauben, eine Katze sei pflegeleicht, mit ihr muss man wenigstens nicht spazierengehen. Erst dann, wenn die Katze ständig miaut oder gar anfange, die Couch zu zerlegen, wundert man sich. "Wird die Katze nicht verstanden, kann die Lage eskalieren", warnt Manuel Wintmölle. Eine Katze ohne Freigang brauche besonders viel Aufmerksamkeit und wolle beschäftigt werden. Schließlich sei sie ein Jagdtier.
Training entlastet Tierheim
Manuela Wintmölles Eindruck dabei ist, dass Katzenbesitzer viel schneller vor unerwünschtem Verhalten kapitulierten als etwa Hundehalter. Erziehungsresistente Samtpfoten werden häufig weggegeben, ins Tierheim gebracht oder sogar ausgesetzt. Manuela Wintmölle hofft, Leuten mit ihren Angeboten helfen zu können, das Verhalten ihres Tieres zu verstehen und im natürlichen Rahmen zu verändern. "Wenn die Katzenbesitzer mit ihren Tieren trainieren, anstatt sie abzugeben, wird das die Tierheime entlasten", hofft sie. Außerdem trainiert sie mit gestörten Heimkatzen, um ihnen den Wechsel in einen Privathaushalt zu ermöglichen.
Christine Matzke vom Fürstenwalder Tierheim lobt die Arbeit der Ehrenamtlerin Wintmölle: "Von den rund 100 Katzen, die jährlich zu uns kommen sind viele verhaltensgestört", meint sie. "Wir Pfleger selbst haben nicht so viel Zeit, so ist die Zuwendung von Frau Wintmölle eine große Hilfe." Auch dank ihrem "echten Interesse" an den Tieren normalisiere sich das Verhalten der Katzen zusehends.