Trauer in Königs Wusterhausen
: Mutter verliert Kind – nun bietet sie selbst Hilfe an

Tragische Mutter-Kind-Geschichte zeigt: Auch in Königs Wusterhausen werden Familien durch schmerzhafte Verluste aus der Bahn geworfen. Für Kinder und Jugendliche gibt es in KW jetzt Hilfe.
Von
Jana Scholz
Königs Wusterhausen
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Verena Irmschler (2.v.l) koordiniert in der neuen Geschäftsstelle Königs Wusterhausen des Kinderhilfe e. V. sämtliche Arbeiten. Ihr Team besteht zumeist aus Ehrenamtlern, sodass der Verein dringend auf Spenden angewiesen ist.

Hilfe für Kinder und Jugendliche in KW: Verena Irmschler (2.v.l) koordiniert in der neuen Geschäftsstelle Königs Wusterhausen des Vereins Kinderhilfe sämtliche Arbeiten. Ihr Team besteht zumeist aus Ehrenamtlern, sodass der Verein dringend auf Spenden angewiesen ist.

Jana Scholz

Ob plötzlich und unerwartet oder nach einem langen, schmerzhaften Leidensweg – der Tod eines geliebten Menschen reißt ein großes Loch voller Schmerz und Kummer auf. Wenn ein Geschwisterkind, der Vater oder die Mutter verstirbt, müssen der Verlust und die Erinnerungen in das neue, veränderte Leben integriert werden. Das fällt Kindern besonders schwer, da sie über einen geringeren Schatz an Lebenserfahrung verfügen.

Seit Mitte September 2024 gibt es in Königs Wusterhausen (Dahme-Spreewald) im Wohngebiet „Am Nottefließ“ eine Geschäftsstelle des Vereins Kinderhilfe, der diese Hilfe für Hinterbliebene anbietet, berät und in den dunkelsten Stunden zur Seite steht. Was viele gar nicht wissen, ist, dass Trauerarbeit mit keinem Cent von den Krankenkassen bezuschusst wird, heißt es dort. Der Verein ist auf Spenden und Ehrenamtler angewiesen, die die Arbeit unterstützen und fördern.

Hilfe kam aus Potsdam – jetzt gibt es sie auch in KW

Die Vereinskoordinatorin Verena Irmschler fand den Verein Kinderhilfe vor einigen Jahren, nachdem sie selbst ein tragisches Schicksal erlebt hat. Im Jahr 2021 verstarb ihr Sohn. Neben ihr trauerte auch ihre damals siebenjährige Tochter, sodass sie auf Hilfe von außerhalb angewiesen war. Ihr half damals eine Psychologin, das Erlebte zu verarbeiten und mit der Situation umgehen zu können. „Als ich soweit stabil war, habe ich gesagt, ich würde gerne Familien selber unterstützen. Da habe ich gegoogelt und die Kinderhilfe in Potsdam gefunden“, erzählt sie.

Inzwischen hat Verena Irmschler eine neunmonatige Ausbildung als Familienbegleiterin gemacht, ehrenamtlich versteht sich, vom Land Brandenburg gefördert. Die einstige Ergotherapeutin lernte dabei fachliche Inhalte zum Thema Sterben und Suizid. Zudem gab es Gespräche beim Bestatter und in einem Hospiz. Sie sagt: „Es war wirklich eine umfangreiche, sehr intensive Ausbildung. Aber eben auch eine gute Vorbereitung, denn wenn wir Familien unterstützen, wissen wir nicht in welcher Krise sie sind, aber da sollte man eben vorbereitet sein.“

Kinder trauern anders als ihre Eltern

Die Kinderhilfe kann bereits vor dem Tod des geliebten Menschen hinzugezogen werden. Sie berät und unterstützt im Vorfeld, denn auch Prävention ist ein großes Thema, für das Verena Irmschler und ihr Team jederzeit ansprechbar ist. „Aber man muss eben auch wissen, dass es sowas gibt“, sagt die Koordinatorin aus KW.

„Das Thema Tod ist noch immer ein Tabu-Thema. Selbst im Jahr 2024 wird noch immer nicht frei darüber gesprochen, dabei ist Reden wichtig und seine Gefühle zu zeigen eben auch. Es gibt Familien, die kommen noch gemeinsam zu uns und holen sich Hilfe, es gibt aber auch Familien, die kommen erst Jahre später, weil das Kind erst dann bereit ist, sich zu öffnen“, berichtet sie. Und gerade in einer Gemeinschaft ließen sich solche schrecklichen Erlebnisse gut verarbeiten. „Wenn man an die Trauergruppen für Kinder und Jugendliche denkt, denkt man gleich ‚Oh Gott, die werden alle weinen, die sitzen im Kreis und weinen‘, aber das ist nicht so“, sagt Irmschler.

„Bei uns wird gelacht und die Kinder und Jugendlichen haben Spaß, und das eben auch in der schwersten Zeit ihres noch so jungen Lebens“, sagt Sabine Elvert. Die Stahnsdorferin ist seit mehreren Jahren in der Kinderhilfe tätig und leitet die Trauergruppen. „Dass Kinder anders trauern als Erwachsene, wirkt auf Außenstehende wahrscheinlich befremdlich. Denn zwischen Tränen und einem Lachen kann bei einem Kind nur ein Bruchteil einer Sekunde liegen.“ Bei der Kinderhilfe würde es sich aber nicht nur um Gesprächsgruppen handeln, sondern auch zusätzlich vieles geboten.

Prävention und Information für Lehrkräfte und Erzieher

Neben Präventionsarbeit in Vorbereitung auf den Tod, die auch für Lehrkräfte und Kitapersonal eine große Rolle im Umgang mit Kindern, die ein Elternteil verloren haben, spielen, würden zusätzlich Trauerreisen angeboten. Für Kinder als Tagesprogramm, für Jugendliche als einwöchige Ferienfreizeit unter Gleichgesinnten.

Überwiegend sei man auf Spenden angewiesen. Die Fernsehlotterie unterstützte den Verein Kinderhilfe für den Aufbau des Standpunktes in Königs Wusterhausen mit einer Spende in Höhe von 116.000 Euro. Das sichert zumindest die Miete der Geschäftsräume Am Nottefließ 2 und das Gehalt für die Vereinskoordinatorin Verena Irmschler für die kommenden zwei Jahre.

Aber es müssen nicht nur Gelder akquiriert werden, sondern auch weitere ehrenamtliche Unterstützer, die sich die Arbeit auf dem Gebiet zutrauen. „Bei uns ist jeder willkommen“, sagt Sabine Elvert: „Wir finden auch für jeden eine geeignete Position.“

Kinderhilfe e.V. kurz und kompakt

Unterstützung von Familien: Kinderhilfe e. V. in Potsdam konzentriert sich auf die Unterstützung von Familien mit Kindern, die sich in schwierigen Lebenslagen befinden, um ihnen eine stabile und gesunde Entwicklung zu ermöglichen.

Vielfältige Angebote: Der Verein bietet eine breite Palette von Dienstleistungen an, darunter Beratung, Therapie, Erziehungsunterstützung und Freizeitangebote, die auf die individuellen Bedürfnisse der Kinder und ihrer Familien zugeschnitten sind.

Netzwerkarbeit: Kinderhilfe e. V. arbeitet eng mit anderen sozialen Einrichtungen, Schulen und Behörden in der Region zusammen, um eine ganzheitliche Unterstützung für Kinder und Familien zu gewährleisten.

Präventionsprojekte: Der Verein engagiert sich in präventiven Projekten und Aufklärungsarbeit, um eventuellen Risiken entgegenzuwirken und das Bewusstsein in der Gemeinschaft zu stärken.

Die neue Geschäftsstelle in Königs Wusterhausen befindet sich im Stadtviertel Deutsch Wusterhausen, Am Nottefließ 2. Verena Irmschler ist unter der Rufnummer (0163) 913 30 43 oder per Mail 
vanessa.irmschler@kinderhilfe-ev.de zu erreichen.