Union Berlin
: Champions-League gegen Real Madrid – wie Fans das Spiel sahen

Wer für das letzte Champions League Spiel von Union Berlin gegen Real Madrid keine Karte mehr ergattern konnte, fieberte in Fankneipen mit den Eisernen mit. Tränen oder Freude – so sahen es die Fans.
Von
Jakob Kerry
Berlin
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  • Tusches Tempel: Die Fankneipe von Torsten Mattuschka zum letzten Champions-League Spiel von Union Berlin gegen Real Madrid

    Tusches Tempel: Die Fankneipe von Torsten Mattuschka zum letzten Champions-League Spiel von Union Berlin gegen Real Madrid

    Jakob Kerry/MOZ
  • Eine Bar, bei dem jedem Fan von den Eisernen das Herz vor Freude springt. Alles in Rot-Weiß – Mehr Union geht echt nicht.

    Eine Bar, bei dem jedem Fan von den Eisernen das Herz vor Freude springt. Alles in Rot-Weiß – Mehr Union geht echt nicht.

    Jakob Kerry/MOZ
  • Das Fußballtor im Raum sorgt für den nötigen Fußballflair in der Union-Fankneipe.

    Das Fußballtor im Raum sorgt für den nötigen Fußballflair in der Union-Fankneipe.

    Jakob Kerry/MOZ
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Real Madrid gegen Union Berlin in der Champions League – und das noch im Olympia-Stadion. Hätte man Union-Fans das vor fünf Jahren gesagt, hätten diese einen vermutlich für verrückt erklärt. Vermutlich zu Recht, denn da spielten die Eisernen noch in der 2. Bundesliga. Am Abend des 12. Dezember 2023 war es aber dann so weit. Gegen die Königlichen aus Madrid verabschiedeten sich die Unioner in ihrem vorerst letzten Champions-League-Spiel von der europäischen Fußballbühne.

Wer keinen Platz mehr für das Spiel im ausverkauften Olympia-Stadion ergattern konnte, suchte sich in einer der Union-Fankneipen. Wie zum Beispiel „Tusches Kick-and-Rush“ (Am Generalshof 3-5, 12555 Berlin). Die Bar gehört zum Teil dem ehemaligen Bundesliga-Profi und Union-Legende Torsten Mattuschka, seit 2021 ist „Tusche“ hier aktiv. Sie befindet sich im Herzen Köpenicks, 15 Gehminuten entfernt vom Stadion an der Alten Försterei.

„Mehr Union geht nicht“

Zahlreiche Trikots von Union-Berlin, aber auch Zeichnungen sowie ein Indoor-Fußballtor sorgen für eiserne-fußballerische Atmosphäre. Angesprochen darauf, warum er in die Fankneipe kommt, sagt Union-Fan Hans Jürgen Sachse: „Mehr Union geht nicht, deswegen komme ich hier gern her.“ Damit ist er sichtlich nicht alleine. Alle Gäste der Bar sind rot-weiß gekleidet, den Farben von Union.

Zwei Stunden vor Anpfiff ist die Fankneipe noch leer aber die eiserne Atmosphäre ist bereits ersichtlich

Jakob Kerry/MOZ

Fans fiebern beim letzten Champions-League Spiel gebannt mit

Der Anpfiff des Spiels beendet schlagartig alle Gespräche in der Bar, die Köpfe heben sich und die Augen sind auf einen der vielen Bildschirme in der Bar gerichtet. Und wer anfangs noch nicht in der richtigen Stimmung war, wurde durch eine Doppelchance von Union in der zweiten Spielminute von der Euphorie angesteckt. Gebannt fieberten die Fans beim Spiel ihrer Mannschaft mit. Der Rest der ersten Halbzeit verlief einigermaßen ruhig, gipfelte jedoch in einem Spektakel. Zuerst knipste der Handelfmeter, der gegen Union gepfiffen wurde, alle atmosphärischen Lichter aus.

Dieser wurde jedoch gehalten und Union erzielte im Anschluss daran den Führungstreffer, ehe der Schiedsrichter zur Halbzeit pfiff. Daraufhin machte sich lautes Klopfen auf den Tischen in der Bar breit. Denn bei einem Tor von Union erhalten alle Gäste in der Bar eine Mini-Flasche Schnaps aufs Haus, mit der auf den Tisch geklopft wird. Dann kann gemeinschaftlich auf Union angestoßen werden. Somit ging es im kollektiven Freudentaumel in die Halbzeitpause.

Bei einem Treffer von Union wird laut geklopft. Gebranntes aufs Haus für alle die es mit den Eisernen halten.

Jakob Kerry/MOZ

„Eine unheimliche Freude denen beim Spiel zuzuschauen und Neapel führt sogar, wir würden in Europa überwintern, stell dir vor!“, sagte ein euphorischer Fan der Eisernen in der Halbzeitpause. Obwohl im Vorhinein von einigen Fans leise Freude über das herannahende Ausscheiden der Mannschaft aus dem internationalen Geschäft geäußert wurde, überwog dennoch die Freude. „Ich mach’ drei Kreuze, wenn diese Dreifach-Belastung endlich weg ist“, hieß es. Union steht in der Bundesliga auf dem 15. Tabellenplatz und ist akut abstiegsgefährdet.

Union-Legende: Torsten Mattuschka ist mit über 280 Ligaspielen eine absolute Vereinslegende und Identifikationsfigur der Köpenicker. Der Betrieb der Fankneipe ist dabei nur ein Standbein des ehemaligen Profis. Obendrein ist er als Trainer und TV-Experte aktiv.

Marcus Brandt/dpa

Emotion pur in der Kneipe von Torsten Mattuschka

Die zweite Spielhälfte glich einer emotionalen Achterbahnfahrt. Freudiger Jubel und frustrierte Rufe wechselten sich ab. Union geriet zunächst 1:2 in Rückstand, da verstummte die Bar. Als Union dann kurz vor Schluss den Ausgleich erzielte, machte sich wieder gemeinschaftliche Freude im Raum breit. Wieder wurde fleißig geklopft und auf die Eisernen angestoßen. Nach dem Motto eines anwesenden Union-Fans: „Union, das ist Zusammenhalt, das ist einzigartig im Fußball.“

Das Spiel verloren die Eisernen schlussendlich mit 2:3 gegen die Königlichen aus Madrid. Nach dem Spiel sitzt eine alte Dame im Union-Trikot da, trinkt Tee und erzählt davon, wie ihr Sohn das Stadion an der Alten Försterei mitaufgebaut hat. „Die können verlieren, die Jungs, das ist das Schöne. Ich freue mich immer wieder, wenn ein Spiel von Union kommt.“ Damit wird sie sicherlich nicht die einzige in Tusches Fankneipe sein.

Fankneipen für Union-Anhänger

In Berlin gibt es zahlreiche Union Fankneipen. Beispielsweise:

Die Abeitsfalle (Hämmerlingstraße 80-88, 12555 Berlin)

Union Tanke ( Am Bahndamm 31, 12555 Berlin)

Margarete F (Lenbachstraße 17, 10245 Berlin)