Vereinsleben
: Erkneraner Fußballer posten täglich ein Video als Hausaufgabe

Die Landesliga-Kicker des FVE schicken in den Osterferien selbstgedrehte Clips mit Trainingsübungen.
Von
Kai Beißer
Erkner
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Spektakulärer Blick Richtung Fernsehturm: der Erkneraner Kapitän Jakob Kunert auf einem Dach am Strausberger Platz in Berlin. Hier nahm der 26-Jährige das Übungs-Video auf.

Kai Beißer

Insgesamt acht Videos haben die Akteure des Tabellensechsten der Südstaffel gedreht, bisher sechs davon über die vereins-internen Kanäle verschickt. „Die Mannschaft wollte etwas tun, um dem Nachwuchs in der Schul- und Hausaufgaben-freien Zeit ein paar Fußball-spezifische Übungen nahezubringen“, erzählt FVE-Trainer Ronald Mersetzky. „Wichtig war, dass es Aufgaben sind, die sowohl ein Sieben- als auch ein Achtzehnjähriger hinkriegt und dass diese überall, ob im Kinderzimmer, im Garten oder auf dem Hof, absolviert werden können.“

Auftakt mit Sole Tap und Shuffle

Den Anfang hatte der in der Winterpause von Hertha BSC II gekommene 21-jährige Mulack mit dem sogenannten Sole Tap gemacht. Dabei geht es schlicht darum, den ruhenden Ball wechselseitig beidfüßig so schnell und so oft wie möglich mit der Sohle zu berühren. Ihm folgte mit dem 18 Jahre alten Alfer der Youngster im Team, der im Garten seiner Eltern den Shuffle demonstrierte, den Fußball also zwischen den etwa schulterbreit aufgestellten Beinen pendeln ließ. „Ich habe das Handy eingerichtet und kurz probiert, und dann hat das mit der Aufnahme ganz gut geklappt. Es war ja allerdings auch nicht die schwerste Übung“, sagt der Woltersdorfer, der sein duales Studium derzeit in Heimarbeit vorantreibt.

Jugendleiter als Schnittstelle

Mersetzky schickt die Aufgaben-Videos an Mario Hein, den Jugendleiter des Vereins, der sie wiederum per WhatsApp an die Trainer der Nachwuchsmannschaften verteilt. Die Übungen münden in vier Challenges, bei denen die jugendlichen Kicker in jeweils 30 Sekunden soviele Wiederholungen, sprich Ballkontakte wie möglich schaffen müssen. „Wir wollen einen Wettkampf daraus machen: Wenn irgendwann wieder regulär trainiert werden kann, sollen die Übungsleiter die Prüfungen abnehmen, die Sieger werden dann jahrgangs-weise gekürt. Bis dahin bleibt Zeit zum Üben daheim.“

Apropos daheim: Marco Schlausch präsentierte in seiner Wohnung in Rahnsdorf mit dem „schwebenden Ball“ eine Aufgabe, die die Geschicklichkeit nicht nur von Torhütern schult. „Das kann man sehr gut auch drinnen trainieren“, betont der 28-jährige Schlussmann, der als besondere Herausforderung einen Tennisballs statt eines Fußballs nutzte. „Ich kenne die Übung tatsächlich aus dem Training – aber mit nem Tennisball habe ich es zum ersten Mal gemacht.“ Unterstützung beim Videodreh erhielt der Prozess-Ingenieur beim Oranienburger Folienhersteller Orafol übrigens von Freundin Sophia, die mit dem Handy draufhielt. "Beim vierten Mal war die Aufnahme im Kasten.“

Derweil brauchte Kunert, der die recht anspruchsvolle Kombination aus Shuffle und Sole Tap demonstrierte, einige Versuche mehr. „Da waren auch ein paar misslungene Aufnahmen dabei“, erzählt der Kapitän lachend, „am Ende war der Speicher meines Handys voll.“ Dafür hatte sich der 26-Jährige aber definitiv den spektakulärsten Drehort ausgesucht. „Ich war in den Tagen zuvor schon ein paar Mal auf dem Dach und habe zum Beispiel den Sonnenaufgang fotografiert“, verrät der Lehramts-Student, der gerade damit begonnen hat, seine Bachelor-Arbeit zu schreiben.

Noch zwei Clips folgen

Die ersten vier Videos sind mittlerweile auch auf der Facebook-Seite des Vereins zu sehen. Soviel sei schon verraten: Bis zum Wochenende wird es noch zwei Filmschnipsel geben – am Donnerstag und Freitag gehen Robin Neupert und Sven Paprotny mit ihren Clips „auf Sendung“. Letzterer ist im Blockpark in Lichtenberg zu sehen, wo er den Ball um das Standbein kreisen lässt, ihn dabei mit dem anderen Fuß mit Sohle, Innenseite und Fußspitze dirigiert. Der 30-Jährige trainiert Kinder am DFB-Stützpunkt in Hohenschönhausen und ist dabei stets auf der Suche nach neuen Übungen. So entstand auch die Idee für die vierte und letzte Challenge. Paprotny, beim Berliner Fußballverband beschäftigt, erarbeitet übrigens im Homeoffice eine Trainer-Anleitung für Corona-Zeiten, „was diese selbst tun und wie sie mit ihren Mannschaften arbeiten können“.