Verkehr: In Erkner ist es oft schwer, ein Taxi zu buchen

Taxiengpässe am Rand von Berlin: Nicht nur in Erkner ist es manchmal schwierig, einen Fahrer mit freien Kapazitäten zu finden.
Gerd MarkertViele Anrufe nötig
„Bis zu acht Mal müssen die Frauen am Empfang manchmal wählen, bis ein Taxifahrer zusagt“, klagt Geschäftsführerin Baetke. Es sei schwierig eine Zusage zu bekommen, egal, ob die Fahrt spontan oder für später geplant sei. „Manchmal geht ein Fahrer zwar ans Telefon, doch wir bekommen schon die Absage, bevor wir unsere Fahrt ankündigen“, erzählt Pia–Maria Ernst vom Empfang. Kerstin Baetke argwöhnt, dass die Fahrer die Kurzfahrt von gut einem Kilometer vom Hotel zum Bahnhof scheuen. Sie verweist auf das Personenbeförderungsgesetz, das Taxis auch zu Kurzstrecken verpflichtet.
Den Vorwurf will Taxifahrer Torsten Bruchmann, 58, nicht auf sich sitzen lassen. "Wir haben immer auch Kurzfahrten gemacht“, beteuert er. Problematisch werde es, wenn die Leute sofort los wollten: „Wir haben ja keinen Hubschrauber!“
Doch welche Ursachen haben die Versorgungsengpässe? Die häufigen Staus in und um Erkner behindern natürlich auch die Fahrer. Wenn das Taxi mit dem Kunden im Stau steht, läuft zwar das Taxameter weiter. „Wir haben aber Einbußen, wenn wir leer im Stau stehen“, hatte Udo Weiß erklärt, einen Tag nachdem Kriminalbiologe Mark Benecke, prominenter Vortragsreisender, im Internet quengelte, weil er seine Koffer selbst ins Hotel habe schleppen müssen.
Torsten Bruchmann fährt seit 2012 mit eigenem Betrieb. Als einen Hauptgrund für die Taxi–Knappheit macht er die strengen behördlichen Kontrollen aus. „Manche meiner Kollegen hatten früher Angestellte, heute fahren fast alle alleine“, sagt er. Und dies wiederum erklärt er mit den strengen Regeln des Arbeitszeitgesetzes. Seit 1994 begrenzt der Gesetzgeber damit die tägliche Arbeitszeit und setzt Min–destruhepausen fest. „Seit ein, zwei Jahren haben die letzten Taxis ‚Fiskaltaxameter’ eingebaut und das nimmt den Fahrern die Flexibilität“, klagt Bruchmann. Früher habe man beispielsweise um vier Uhr einen Kunden zum Flughafen fahren und dann zu den Stoßzeiten verteilt über den Tag wieder ins Geschäft einsteigen können. Die acht erlaubten Arbeitsstunden dürfen aber nur selbstständige Fahrer stückeln, nicht die Angestellten. So können die Taxiunternehmen ihren Mitarbeitern weniger Stundenlohn bieten. Das sei nicht attraktiv.
Viele Fahrer vor dem Ruhestand
Nachmittags sorgen auch Krankenfahrten, die die Fahrer für die Krankenkassen erledigen, für Engpässe. Sie seien aber nicht besser bezahlt als Taxameterfahrten, versichert Bruchmann: „Wir müssen diese Fahrten machen, um zu überleben.“
Bernhard Stremel, Sachbearbeiter im Straßenverkehrsamt Fürstenwalde, unterfüttert die Schwierigkeiten der Taxikunden mit Zahlen. Seit 2014 sind in Erkner sowohl die Unternehmen als auch die Fahrzeuge weniger geworden. Fuhren vor fünf Jahren noch 16 Betriebe mit 19 Taxen, sind es heute nur noch 13 Betriebe mit 14 Autos. Tendenz abnehmend. "Sieben von 13 Unternehmern sind kurz vor dem Ruhestand und ich habe im Moment keine Anträge auf neue Konzessionen vorliegen,“ sagt Bernhard Stremel.
