Da stehen sie wieder, die Wohnwagen des Zirkus Hermann Renz am Spandauer Platz in Falkensee. Ein fast gewohnter Anblick, immerhin hatte der Wanderzirkus im letzten Jahr acht Monate auf der Wiese gestanden - eine Corona-Zuflucht für die Gestrandeten der Pandemie. Den Winter verbrachte die Zirkusfamilie in Beelitz, nun kehrten sie zurück nach Falkensee.

Zirkuszelt nur für das Training genutzt

Das große Zirkuszelt wird gerade aufgebaut. „Nur zum Trainieren und Üben“, sagt Tamara Renz. Wehmut liegt in ihrer Stimme und ein Fünkchen Hoffnung, möglichst bald Besucher im Zelt begrüßen zu dürfen. Die Falkenseer haben die Zirkusfamilie bereits willkommen geheißen, haben selbst gebackene Kuchen gebracht und Getränke abgegeben. „Momente, in denen einem die Tränen in die Augen steigen“, sagt Renz. Auch im Beelitzer Winterquartier hätten sie viel Unterstützung aus der Bevölkerung bekommen, erzählt Renz.
In Falkensee hatte man ihnen im letzten Jahr die Festweise als Quartier angeboten. „Das ist allerdings recht dicht an den Häusern der Leute. Wir wollten nicht, dass jemand sich durch den Geruch der Tiere belästigt fühlt. Wir wollen niemandem zur Last fallen“, betont Renz.

Besitzer des Platzes hat den Zirkus eingeladen

In Beelitz hätten sie noch bleiben können, doch dann kam die Einladung des Besitzers des Feldes am Spandauer Platz. Falkensee sei inzwischen ein bisschen Heimat geworden, sagt Renz und auch, dass sie es vermisse, durch die Gegend zu fahren. „Aber irgendwo müssen wir ja bleiben“, fügt sie hinzu. Nach ihrer Ankunft habe sie die Stadtverwaltung von ihrer Anreise informiert und versichert, man werde keine Vorstellung geben, solange die Verordnungen dies nicht gestatten.

Bisher keine Auftritte für 2021 geplant

Anders als im letzten Jahr gibt es für 2021 noch keinen Terminplan für den Zirkus. Renz sagt, wenn sie Stadtverwaltungen anruft, um sich nach freien Flächen für den Zirkus zu erkundigen, begegnet man ihr freundlich und mit einer gewissen Sehnsucht. Gern hätte man wieder etwas Abwechslung, gleichzeitig möchte niemand den Eindruck erwecken, gegen die Eindämmungsverordnung zu verstoßen. Ein Dilemma, dass die zehnköpfige Familie mit den zwei Kamelen, vier Pferden und Schäferhund Hector nun in Falkensee aussitzt.

Corona hat ein tiefes Loch in der Kasse hinterlassen

Kaum angekommen, kamen auch schon die ersten Falkenseer Familien. Die Tiere dürfen gern besucht werden. Nur auf Nachfrage erzählt Renz, wie es um die Zirkusfamilie wirklich steht. Corona hat ein tiefes Loch in die Kasse gerissen. Die Familie hat einige der Fahrzeuge abgemeldet. Doch Kosten, wie Versicherungen und die Raten für das Zirkuszelt, belasten das Konto. Krankenkasse, Rentenvorsorge, alles muss weiterbezahlt sein, Futter für die Tiere und Tierarztkosten. Obwohl zwei ihrer Kinder im Familienunternehmen ausgebildet werden, bekämen sie kein Kindergeld, sagt Renz weiter. Nur für den noch minderjährigen Jüngsten.

Kein passendes Förderprogramm

Nach langem Zögern hatte das Paar schließlich Hartz IV beantragt. „Mein Mann wollte das absolut nicht“, sagt Renz und auch, dass sie alle Unterlagen beibrachte, die Mitarbeiter sehr freundlich waren, aber am Ende wurde nichts bewilligt. „Man sagte uns, unsere Einnahmen lägen unter dem Regelsatz“, sagt Renz und nickt. „Reich wird man mit einem kleinen Zirkus nicht.“ Ein passendes Förderprogramm hat die Familie auch nicht für sich entdeckt. „Und was nützt es, wenn wir jetzt Hilfen bekommen, die wir später zurückzahlen müssen“, fragt Renz.

LED-Ballons als Einnahmequelle

Ihre Tochter hat bereits überlegt, die berufliche Zukunft in einem anderen Job zu suchen. Das wäre für das Familienunternehmen in siebter Generation ein herber, wenn auch verständlicher, Schlag. Im Moment versucht sich die Familie mit dem Verkauf von LED-Ballons über Wasser zu halten. Dafür ziehen sie von Haus zu Haus, Tamara Renz hat dann Zeitungsartikel über den Zirkus dabei. „Die Leute sollen uns nicht für Betrüger halten“, sagt sie.

Hoffnung auf baldige Auftritte bleibt

Tamara Renz hofft, dass sie bald wieder auftreten dürfen. „Früher kamen manchmal nur sehr wenig Leute in unsere Vorstellungen. Doch jetzt sind die Leute regelrecht hungrig nach Abwechslung“, sagt sie. Beim Zirkus Renz steht man bereit, diesem Hunger mit ordentlich Nahrung zu begegnen. Kontakt zu Tamara Renz: 0173/1028358
Mehr zum Thema Corona in Brandenburg und Berlin und dessen Folgen finden Sie auf unserer Themenseite.