Heimatgeschichte
: Uhrmacher und Kometenentdecker

Carl Wilhelm Bäker war nicht nur Uhrmacher, sondern auch Hobbyastronom. Er entdeckte mehrere Kometen.
Von
Helmut Augustiniak
Nauen
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  • Dieser Zufallsfund weckte den Forschergeist. Carl Wilhelm Bäker war nicht nur Uhrmacher, sondern auch anerkannter Hobbyastronom.

    Dieser Zufallsfund weckte den Forschergeist. Carl Wilhelm Bäker war nicht nur Uhrmacher, sondern auch anerkannter Hobbyastronom.

    privat
  • Ölgemälde Carl Wilhelm Bäkers von einem unbekannten Künstler.

    Ölgemälde Carl Wilhelm Bäkers von einem unbekannten Künstler.

    Augustiniak
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„Bäker 200“ hätte der Titel des Vortrages vom ersten Vorsitzenden der Nauener Heimatfreunde, Wolfgang Johl, auch lauten können. Welcher Nauener Bürger weiß, dass das Haus in der heutigen Goethestraße 55 von einem im 19. Jahrhundert in Fachkreisen sehr bekannten Nauener Bürger erbaut und bewohnt wurde? In seinem Vortrag „Kometen über Nauen“ entriss Wolfgang Johl diese Persönlichkeit dem Vergessen.

Von 1850 bis mindestens 1924 diente das Haus dem Uhrmachermeister Carl W. Baecker (auch manchmal Bäker geschrieben) als Wohn– und Geschäftshaus. Geboren wurde Baecker 1819 in Schinne in der Altmark. Er war der Sohn des Kossäten Johann Christoph Baecker und dessen Ehefrau Dorothea Sophia Baecker, geb. Schulze. Carl W. Baecker besuchte bis zu seinem 14. Lebensjahr die Schule in Schinne.

Das von Johl beim Umzug des jetzigen Nauener historischen Archivs aus der Brandenburger Straße in den Richart–Hof aufgefundene Schulzeugnis enthielt für den jungen Baecker zweimal die Note „gut“ und viermal die Note „sehr gut“ und eine ausgezeichnete Beurteilung durch seinen Lehrer. Das war eine für einen Kossätensohn ungewöhnliche Situation. Baecker schien aber sein Leben selbst in die Hand genommen zu haben. Er brach aus dem für ihn vorprogrammiertem Landarbeiterleben aus.

Er versuchte sich als Musiker in Stendal, wandte sich dann aber dem filigranen Uhrmacherhandwerk zu. Während seiner Wanderschaft als Uhrmachergehilfe arbeitete er in London, Paris und in Berlin. Als Uhrmachermeister ließ er sich danach zuerst in Königsberg (Preußen) nieder und ab 1850 in Nauen. Sein Uhrmachergeschäft entwickelte sich sehr gut. Er war dadurch in der Lage, sich in der Potsdamer Straße 110 (heute Goethestraße 55) ein mehrstöckiges Haus zu bauen, das heute noch existiert.

Neben seinem Broterwerb als Uhrmacher beschäftigte sich Baecker auch mit der Astronomie. Hier erbrachte er, neben der Herstellung von Taschenuhren für astronomische und geographische Ortsbestimmungen, durch die Entdeckung der Kometen 1861 I, 1863 III, 1863 V, 1863 VI, 1864 IV und 1867 III beachtliche wissenschaftliche Leistungen. Wilhelm Förster, Direktor der Berliner Universitätssternwarte und Vater des bekannten Staudenzüchters Carl Förster in Potsdam–Bornim, würdigte in den Schriften der Deutschen Astronomischen Gesellschaft das Wirken Baeckers. Baecker war als Gründungsmitglied dieser Gesellschaft ein anerkannter Amateurwissenschaftler. Im Nachruf der Astronomischen Gesellschaft schrieb Wilhelm Förster: „Ein asthmatisches Leiden machte am 11. September 1882 dem Leben dieses schlichten und verdienstvollen wissenschaftlichen Mitarbeiters ein Ende.“

Der Sohn Baeckers, Carl Friedrich Wilhelm (1859 bis 1924), führte das elterliche Uhrmachergeschäft weiter. Genau wie sein Vater hatte er aber neben diesem Handwerk auch weitere, vor allem wissenschaftliche Interessen. Er wurde durch zahlreiche Vorträge mit sozialen, politischen und philosophischen Inhalten bekannt, die er meist am Nauener Gymnasium hielt.