Am Montag fand auf dem Gut Markee ein Pressegespräch mit Vertretern der Landwirtschaft zur Erntesituation 2020 statt. Es sprachen Gastgeber Thomas Große Rüschkamp, der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes Dirk Peters, Dörte Wernecke, Amtsleiterin für Landwirtschaft, Veterinär- und Lebensmittelüberwachung und Enrico Voigt, Vorstandsvorsitzender der Agrargenossenschaft Gülpe.

Gemischte Erntebilanz im Havelland

Nach drei Jahren mit Wetterkapriolen, die sich massiv auf den Ackerbau ausgewirkt hatten, sehe es für 2020 etwas entspannter aus für die havelländischen Landwirte. Von Jubel seien sie dennoch weit entfernt, so sagt Dirk Peters. Man könne endlich mal wieder aufatmen und bremst sogleich, aufatmen, nicht tief durchatmen.
Insgesamt ließen sich für das Wintergetreide gute Erträge vermelden, beim Sommergetreide seien die Erträge nicht ganz so gut, so Amtsleiterin Wernecke. Beim konventionellen und ökologischen Anbau gäbe es keine Gewinner oder Verlierer, fügt sie hinzu. Um zu beurteilen, ob die Ernte nun gut oder schlecht oder durchschnittlich ist, wird das fünfjährige Mittel als Maß herangezogen. Die Ernteergebnisse für Mais und Sonnenblumen stehen noch aus, Dinkel wird im Havelland nur ökologisch angebaut, hier gab es Einbußen zum Fünfjahresmittel.

Deutliches Ost-Westgefälle

„Im Havelland gibt es ein deutliches Ost-Westgefälle bei den Ernteerträgen“, erklärt Dirk Peters, denn das Westhavelland habe die schwächeren Böden. Peters, dessen Betrieb ebenfalls im Bereich Nauen liegt, ist mit den Erträgen beim Raps nicht zufrieden. Für ihn war eines der Probleme in diesem Jahr der Wassermangel im Frühjahr. „20 Liter im März, 12 Liter im April“, sagt er, seien deutlich zu wenig. Ein weiteres Problem sieht er in der Düngeverordnung. Dadurch komme nicht genug Protein ins Getreide, begründet er.

Agrargenossenschaft Gülpe

Enrico Voigt beklagt Ernteverluste durch spät einsetzende Nachtfröste Mitte Mai. Er hat Einbußen bei Gerste, Weizen und Winterroggen, dafür lagen die Lupinen über dem Durchschnitt. Auf seinen Acker hat er 25 Bodenpunkte. Mit Bodenpunkten wird die Qualität des Ackerbodens bestimmt, 1 ist sehr schlecht, 120 Bodenpunkte ist die Spitze und damit sehr guter Boden.
Voigt berichtet über den Verlust der Feuchtigkeit im Boden. Und er hat noch ein Problem: Wildgänse. Die Region um Gülpe ist als Rastplatz bei Wildgänsen und Kranichen sehr beliebt. Auf ihren Wanderungen machen die Vögel hier Halt und bringen Hunger mit. „Sie fressen die jungen Triebe der Pflanzen ab“, sagt Voigt.
Auch Voigt empfindet die Düngeverordnung als hinderlich und ungerecht. Bei der Frage, wie viel Dünger auf den Acker darf, würden die Erträge der letzten fünf Jahre entscheiden, erklärt er. Ein Jahr dürfe der Landwirt abschreiben, fügt er hinzu. Nun waren allerdings die letzten drei Jahre klimatisch problematisch.
Zu den geringen Ernten kommen niedrige Preise. Voigt nennt hier den Milchpreis. „Seit 30 Jahren bekommen die Milchbauern dreißig Cent für den Liter. Wir haben inzwischen nur noch 27, von ehemals 40 Milchviehbetrieben im Havelland“, sagt er.

Ackerbau Große Rüschkamp im Markee

„Wir sind alles in allem zufrieden mit der Ernte“, berichtet Gastgeber Große Rüschkamp. In seinem Ackerbaubetrieb bewirtschaftet er unterschiedliche Böden, hat an einigen Stellen 60 Bodenpunkte, an anderen nur 20, dort entsprechend weniger geerntet. Für Große Rüschkamp hängt vieles am Niederschlag. Er berichtet von seinen Erfahrungen mit Hybridpflanzen beim Raps, betont wie wichtig Züchtungen für veränderte Bedingungen sein könnten. „Gerade für so ein trockenes Land wie Brandenburg.“ Und neue Wege beschreiten, im Moment versuchen sie es auf dem Gut Markee gerade mit Stärkekartoffeln.
Auch Dirk Peters hat Erfahrungen mit anderen Feldfrüchten. Mit Soja zum Beispiel. „Den haben wir vor fünf Jahren angebaut, liegt immer noch bei uns rum“, sagt er nur. Nun versuchen sie mit Hirse.

Blühstreifen im Havelland

Zu guter Letzt berichtet der Landtagsabgeordnete Johannes Funke (SPD) über die Blühstreifenprojekte im Kreis. „Wir haben die Blühstreifen auf den Acker und in die Kommunen gebracht“, sagt er. Mit Blühstreifen hat auch Peters Erfahrung. Seit fünf Jahren säht er verschiedene Blühstreifenmischungen aus. Er lässt das Projekt wissenschaftlich begleiten. „Wurden Anfangs bei uns 12 Wildbienenarten nachgewiesen, sind es jetzt schon 54“, sagt er. Auch Voigt berichtet von seinem Versuch auf 11 Hektar Land Blühstreifen anzulegen. „Sind auf dem sandigen Boden nur nicht alle gekommen“, fügt er hinzu.