Wo sonst das Wasser das Schilf umspielt, ist derzeit nur morastige Erde zu sehen. Der Lindenweiher im Falkenseer Ortsteil Finkenkrug hat wenig, stellenweise sogar gar kein Wasser mehr. An der breitesten Stelle des Weihers schwimmen unbeirrt die Enten, doch auch hier wird der Platz weniger für sie und das Ufer breiter.

Zunehmender Wasserschwund

Anja Pohlmeyer, 1. Vorsitzende des Vereins Lindenweiher Finkenkrug, beobachtet den zunehmenden Wasserschwund und stellt fest, so wenig Wasser, wie in den letzten drei Jahren hatte der Weiher in ihrer Erinnerung noch nie. Die gebürtige Finkenkrugerin weiß, wovon sie spricht. Bereits als Kind fuhr die 43-Jährige auf dem Weiher Schlittschuh. Inzwischen hat sie den Vorsitz des Vereins Lindenweiher Finkenkrug, der vor rund drei Jahren aus der Bürgerinitiative Lindenweiher hervorging. Pohlmeyer stattet dem Weiher so oft es geht einen Besuch ab, das Gelände um den Weiher ist ihr vertraut.

Sinkender Grundwasserstand und trockener Sommer

„Im letzten Jahr war es sogar noch schlimmer“, so Pohlmeyer zum Wasserstand am Weiher. Das Problem liege am sinkenden Grundwasser, denn der Lindenweiher wird aus dem Grundwasser gespeist. Dieses wird von vielen Leuten zur Gartenbewässerung genutzt. Was an der einen Stelle abgezapft wird, fehlt an der anderen, in dem Fall am Weiher.
Die Schattenspendenden Bäume haben auch Durst, was alles nicht neu sei, sagt Pohlmeyer. „Erst in der Kombination mit den heißen Sommern und der Trockenheit kommt es zu diesem niedrigen Wasserstand. Was fehlt, ist Regen“, erläutert sie.

Wasser einlassen hätte nur kurzen Effekt

Würde es helfen, neues Wasser in den Weiher fließen zu lassen? Pohlmeyer winkt ab. „Ein solcher Eingriff muss gut überlegt sein“, sagt sie. „Man kann in ein bestehendes Ökosystem nicht einfach Wasser dazugeben.“. Denn in und rund um den Weiher haben sich Lebensgemeinschaften gebildet, deren Ansprüche sich an das Wasser und seinen Inhaltsstoffen angepasst hat.
Außerdem wäre der Effekt nur von kurzer Dauer. „Oben auffüllen, während von unten Wasser abgezapft wird, das ist ein bisschen wie in der Badewanne, wenn man den Stöpsel zieht.“ Schließlich ist da noch die Frage, ist der Wassermangel tatsächlich gefährlich für den Weiher?

Keine toten Fische sind gutes Zeichen

Nicht alles, was für den Menschen hilfsbedürftig aussieht, ist es auch. So wie die Enten am Weiher. Die sehen süß aus und quaken niedlich, mit Brot füttern muss man sie deshalb aber nicht. Ist nicht gut für den Entenmagen und auch nicht für das Gewässer. Ob der Lindenweiher tatsächlich Hilfe braucht, könnte ein Fachmann klären. Pohlmeyer hat einen Limnologen, ein Fachmann für die Ökologie von Binnengewässern, gefragt. Aus reinem Interesse, nicht mit offiziellem Auftrag.
„Der stellte fest, dass es hier keine toten Fische zu beklagen gibt“, sagt sie. „Keine im Schlamm, keine leblosen Fischleiber, die an der Wasseroberfläche treiben. Das ließe auf eine sehr gute Wasserqualität schießen.“ Die Stadt plane, einen Gutachter hinzuzuziehen, so Pohlmeyer. Sie würde dies begrüßen. Dann werde man sehen. „Ich selbst bin für alles offen.“

Bürgerinitiative rettete einst den Lindenweiher

Als sich die Bürgerinitiative für den Lindenweiher einst gründete, stand das Gewässer kurz vor dem Kollaps. Mit viel Mühe und Aufwand hatte man den Weiher retten können, unter anderen wurde damals der Schlamm entfernt. „Es gibt Leute, die meinen, dass würde auch in der gegenwärtigen Situation helfen. Doch heute ist die Wissenschaft schon wieder weiter“, erklärt Pohlmeyer.
Tatsächlich würden sich seit der Corona-Pandemie sehr viel mehr Menschen für den kleinen Weiher im Herzen Finkenkrugs interessieren, hat Pohlmeyer bemerkt. „Die Leute haben in dieser Zeit die Natur und ihre Umgebung für sich entdeckt. Das ist gut so.“ Somit gibt es auch mehr Menschen, die sich bei ihr nach dem Zustand des Weihers erkundigen.

Pflegemaßnahme sollen nachgeholt werden

Dessen unmittelbare Umgebung macht Pohlmeyer tatsächlich mindestens genauso Sorgen, wie der Wassermangel. Die Vereinsmitglieder kümmern sich um das Biotop, doch in diesem Jahr fielen die Pflegemaßnahmen durch Corona aus. Jetzt im September, hofft Pohlmeyer, könne man einiges nachholen. Das Grün pflegen, zwei neue Bänke sollen aufgestellt und die Vorhandenen überarbeitet werden. Die Nistkästen zählen und erfassen, auch das stünde an. Die rund 20 Mitglieder des Vereins Lindenweiher Finkenkrug e.V. würden sich über Verstärkung freuen. Anfragen hierzu per E-Mail an Kontakt@lindenweiher.de.