„Macht hoch die Tür“ spielten die Bläserinnen und Bläser des Müllroser Posaunenchores am Mittwoch, Punkt 17 Uhr, zum Auftakt ihres traditionellen Adventskonzerts im Klinikum Frankfurt (Oder). Doch die Türen des Krankenhauses mussten für die Musiker in diesem Jahr geschlossen bleiben. Chorleiter Carsten Haase und Pfarrerin Anne Linden, die Krankenhausseelsorgerin, hatten sich deshalb für ein Open-Air-Konzert entschieden.
„Wir sind derzeit faktisch die einzigen Kulturschaffenden, die noch auftreten dürfen – wenn auch mit strengen Auflagen“, sagt Carsten Haase. Auf 12 Musiker, die jeweils zwei Meter voneinander entfernt spielen müssen, hatte das Gesundheitsamt von Oder-Spree das Ensemble begrenzt. „Mit solchem Abstand spielt es sich schwerer, man hört den Nachbarn ja kaum“, sagt der Chorleiter, der mit seinen Bläsern dennoch ein wahres Mammutprogramm absolvierte.

Der Sicherheitsdienst dirigiert mit

Acht mal bauten die Musiker ihre beleuchteten Notenständer vor einem der vielen Häuser des Krankenhauses oder in einem Innenhof auf, um Patienten, Ärzte, Pflegekräfte und andere Mitarbeiter mit ihren weihnachtlichen Liedern eine Freude zu machen. „Das ist eine Art diakonischer Dienst“, steht für Anne Linden fest. Sie und ihre Mitstreiterin Ulrike Lindstädt hatten das Konzert auf allen Stationen des Klinikums angekündigt.
Und so öffneten sich Fenster, hinter denen Patienten und Mitarbeiter standen, teils mitsangen, den Musikern zuwinkten und sich klatschend für die Ständchen bedankten. Der Mann vom Sicherheitsdienst am Haupteingang dirigierte mit. „Zum Glück ist es nicht so kalt und es regnet nicht“, sagt Anne Linden erleichtert. Sonst konnten sich die Bläser im „Raum der Stille“ zwischen ihren Auftritten ausruhen und aufwärmen, diesmal nicht.

Schwerstkranke winken dankbar

Nach vier Liedern am Haupteingang geht es weiter, hinter die Häuser 1c und 2. Hier befindet sich unter anderem die Palliativstation, auf der Schwerstkranke ihre letzten Tage verbringen. Einige von ihnen sitzen auf dem Balkon und winken den Bläsern dankbar zu. „Zugabe!“ ruft eine Krankenschwester nach dem Lied von Rudolf, dem rotnasigen Rentier.
Dann stoppt Anne Linden, die den geschmückten und beleuchteten kleinen Chor-Weihnachtsbaum in der Schubkarre zieht und voran geht, vor Haus 1 mit der Kinderstation. Carsten Haase stimmt das Nikolauslied und „Morgen kommt der Weihnachtsmann“ an. Eine Schwester bringt einen Jungen auf dem Arm ans Fenster. In dem Trakt würden auch Patienten mit Depressionen behandelt, sagt Ulrike Lindstädt. Und weiter geht es ums Karree – zur Neurochirurgie mit den Schlaganfallpatienten, vor die Krebsstation und zur Notaufnahme. Zu „Stille Nacht“ fahren ein Kranken- und Notarztwagen vor. „Danke“, sagt Anne Linden am Ende von Herzen.
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