Apotheken-Streik in Frankfurt (Oder)
: Wo es trotz Streik noch Medikamente zu kaufen gibt

Mit einem bundesweiten Apotheken-Streik reagieren die Apotheker auf Honorarkürzungen trotz steigender Kosten. In Frankfurt (Oder) beteiligen sich nicht alle an der Aktion. Wo es im Notfall Medikamente gibt.
Von
Ines Weber-Rath
Frankfurt (Oder)
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Am Mittwoch ist geschlossen: Apothekerin Uta Dienwiebel, Inhaberin der Leopold-Apotheke in Frankfurt (Oder), befestigt ein Plakat an der Scheibe der Eingangstür, auf dem über den bundesweiten Apotheken-Protesttag informiert wird.

Ines Weber-Rath/MOZ

Wer am Mittwoch (14.6.) nach einem Arztbesuch ein Rezept einlösen möchte, könnte in Frankfurt (Oder) an der Apotheke seines Vertrauens vor verschlossener Tür stehen: Die meisten der 16 Apotheken im Stadtgebiet beteiligen sich am bundesweiten Protesttag der Apotheker gegen Entscheidungen der Bundesregierung, die manche Apotheke in Existenznot bringt. Doch während die Protestfront im Nachbarkreis Oder-Spree weitgehend geschlossen ist, gibt es in Frankfurt (Oder) Ausnahmen, haben einige Apotheken am Mittwoch geöffnet. Nicht nur die diensthabende Notdienst-Apotheke.

„So geht das nicht weiter“, sagt Uta Dienwiebel, die Inhaberin der Leopold-Apotheke in der Görlitzer Straße, warum sie sich am Protest beteiligt. Nicht nur, dass die Honorare der Apotheker seit 10 Jahren nicht angehoben worden sind. Im Oktober vorigen Jahres hat die Bundesregierung sogar eine Kürzung beschlossen. Und das in Zeiten drastisch gestiegener Betriebs- und Personalkosten – der Tariflohn der Apotheken-Angestellten ist seit dem Vorjahr um mehr als 10 Prozent gestiegen. Hinzu kommen die extremen Lieferschwierigkeiten bei Medikamenten.

Großer Aufwand, um benötigte Medikamente zu besorgen

„Ich kontaktiere alle möglichen Händler und telefoniere manchmal mit fast allen Apotheken in der Stadt, um ein dringend benötigtes Medikament für einen Kunden ran zu bekommen“, schildert Uta Dienwiebel die Situation. Die Medikamenten-Engpässe zu kompensieren, kostet die Apotheken viel Zeit und Geld. Doch im Entwurf des Arzneimittel-Lieferengpassbekämpfungs- und Versorgungsverbesserungsgesetzes (ALBVVG) seien jetzt gerade einmal 50 Cent Mehraufwandsentschädigung vorgesehen, erklärt die Frankfurter Apothekerin und meint: „Das ist ein schlechter Witz!“

Für die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) steht fest: Die Bundesregierung destabilisiere mit ihrer Politik die Arzneimittelversorgung in Deutschland. Deshalb hat sie zum Protest aufgerufen.

Mitarbeiter der Sonnen-Apotheke in Frankfurt (Oder) in Schwarz

Dem schließen sich, wie eine Befragung ergab, immerhin 12 der 16 Apotheken in Frankfurt (Oder) an. Nur die Hansa-, Karolinen-, die Sonnen- und die Westkreuz-Apotheke haben am Mittwoch geöffnet. In der Sonnen-Apotheke bedauert man, nicht mit protestieren zu dürfen. „Wir sind per Mietvertrag mit dem SMC verpflichtet, offen zu haben“, erklärt eine Mitarbeiterin. Doch zum Zeichen des Protestes wollen die Mitarbeitenden der Apotheke im Schwarz gekleidet sein. Zudem soll es am Mittwoch keinen Medikamenten-Lieferservice geben.

„Ich schränke die Öffnungszeiten nicht noch mehr ein, um die Patienten nicht noch weiter zu verwirren“, erklärt Annegret Krösing, Inhaberin der Westkreuz-Apotheke, warum sie ihr Geschäft am Mittwoch von 8 bis 13 Uhr geöffnet hält. Wie sie haben in den vergangenen Wochen und Monaten mehrere Apotheken im Stadtgebiet die Öffnungszeiten reduziert, um Kosten zu sparen.

Die Europa-Apotheke sichert am Streik-Tag den Notdienst

Auch die Hansa- und die Karolinen-Apotheke werden am Mittwoch geöffnet sein. Zu den Gründen möchte sich Inhaber Rüdiger Meyer nicht äußern. Diensthabende Notdienst-Apotheke ist am Mittwoch die Europa-Apotheke im Einkaufszentrum an der Heilbronner Straße. Dort werde es ab 8 Uhr und bis Donnerstagmorgen, 8 Uhr, eine Notdienst-Versorgung über den Notdienst-Schalter geben. „Wir haben aber nicht regulär geöffnet“, betont Filialleiter Marcus Freitag.