Arbeit: Antiquar befürchtet Schließung

Lutz Richter hat 30 000 Bücher in seinem Antiquariat in der Lindenstraße.
Jan-Henrik HnidaBücherkartons tragen, Bücher in Regale einräumen und Bücher katalogisieren – das sind die Aufgaben im einzigen Antiquariat Frankfurts. Inhaber Lutz Richter hat einen Mitarbeiter, der dies für den 62-Jährigen in der Lindenstraße erledigt. Dieser wird vom Jobcenter bezuschusst, hat aber zum Juli gekündigt. Seit Januar versucht Richter nun mit dem neuen „Teilhabechancengesetz“ an einen neuen Helfer zu kommen – bisher erfolglos.
Das Teilhabechancengesetz ist für Menschen, die seit mindestens sechs Jahren Leistungen nach SGB II ("Hartz IV") beziehen und in dieser Zeit nicht oder nur kurz erwerbstätig waren. „Arbeitgeber, die sie sozialversichert beschäftigen, erhalten in den ersten beiden Jahren einen Zuschuss zum Lohn von 100 Prozent auf Basis des gesetzlichen Mindestlohns“, erklärt Sonja Jenning, Pressesprecherin der Agentur für Arbeit. Die 50 geförderten Arbeitsplätze in Frankfurt werden in den fünf Jahren „intensiv begleitet und gecoacht“.
Genau diese Förderung wollte Richter als Klein-Unternehmer in Anspruch nehmen. „Normal bezahlte Mitarbeiter kann ich mir nicht leisten“, erklärt Richter, der gesundheitlich angeschlagen ist. Nach einem Schriftverkehr von über 18 E-Mails mit dem Jobcenter, einer drohenden Klage beim Sozialgericht – wegen Einbehaltung von Fördermitteln – und zwei abgebrochenen Arbeitsversuchen neuer Mitarbeiter ist der Antiquar genervt. „Ich fühle mich veräppelt“, sagt er.
„Wir nehmen Herrn Richter ernst“, sagt Frank Mahlkow, Geschäftsführer des Frankfurter Jobcenters. Allerdings seien „Kartons schleppen, PC- und gute Deutsch-Kenntnisse“ für manchen Langzeitarbeitslosen zu viel. Das Jobcenter suche aber weiter.
In der Zwischenzeit hatte Richter ein positives Bewerbungsgespräch mit einem ehemaligen Praktikanten. Allerdings warte er nun seit zwei Wochen auf Antwort des Jobcenters. Er sieht seine "klein-kulturelle Institution“ in Gefahr. "Ich wollte eigentlich noch fünf Jahre weitermachen“, sagt er.