Ausbildung in Frankfurt (Oder): Tesla und Brauerei auf Azubi-Suche – so lief die Messe

Großer Andrang herrschte bei der Ausbildungsmesse in den Messehallen in Frankfurt (Oder).
René MatschkowiakGanz im Zeichen der Berufsausbildung hat am Sonnabend (25.11.) die Messehalle in Frankfurt (Oder) gestanden. Die „Mitmach-Ausbildungsmesse“ bot jungen Menschen einen umfassenden Überblick. Circa 115 Aussteller mit 450 Beteiligten an den Messeständen präsentierten sich der Zielgruppe. Sie wurde organisiert von der Stadt, Handwerkskammer, Industrie- und Handelskammer IHK, Agentur für Arbeit und Wirtschaftsförderung Brandenburg.
Einige der zahlreichen Besucher sahen die Messe gar als Leistungsschau der Region an. So erzählte ein Interessierter, dass er einfach mal so vorbeigekommen sei. Der Eintritt war schließlich frei. „Ich habe hier Firmen gesehen, von denen habe ich noch nie gehört“, so sein Fazit. Eine Mutter und ihr Kind warfen einen interessierten Blick auf einen Lkw der Stadtverkehrsgesellschaft SVF, der Oberleitungen repariert.
Schwerpunkt der Messe in Frankfurt (Oder) lag auf Lehrberufen
Genau das war auch das Konzept der Messe. Mitmachen und ausprobieren war angesagt, anstatt nur Flyer zu verteilen. Universitäten waren – bis auf die Europa-Universität Viadrina – nicht eingeladen. Es ging um Lehrberufe und duales Studium im Handwerk, Industrie und Handel. Die Firmen legten sich wirklich ins Zeug, egal ob es die Klosterbrauerei Neuzelle, Autobauer Tesla oder weniger bekannte Firmen wie ARC-Greenlab mit dem Standort Eisenhüttenstadt waren.
„Unser Schwerpunkt ist die Vermessung und das Building Information Modelling“, erklärte dessen Standortleiter Karsten Wolff. So wird ohne die Vermesser kein einziger Pfeiler im neuen ICE-Werk in Cottbus gebaut. Das Gelände wird dabei unter anderem vorher mit Drohnen gescannt und modelliert. Diese Daten werden dann etwa an den Baggerfahrer übermittelt, sodass er genau weiß, wo und wie tief er graben muss.

Die Azubis Markus Golisch (l.) und Leo Gomille erklären Caroline Meißner und Cellina Kepa (r.) die Arbeit als Veranstaltungstechniker.
René Matschkowiak„Wir sind positiv überrascht und haben auch schon eine Initiativbewerbung bekommen“, sagte Mitarbeiter Steffen Göritz über die Messe. Auch Firmen, die vermeintlich alle kennen, wie die Messe und Veranstaltungsgesellschaft (MuV) suchten Nachwuchs. Auf der Messe wurde extra ein Lichtsetup aus dem Kleist Forum installiert. Die beiden Azubis Leo Gomille und Markus Golisch erklärten ihren Altersgenossen die Ausbildung zum Veranstaltungstechniker.
„Bisher konnten wir jedes Jahr einen Azubi in diesem Bereich begrüßen“, sagte Nora Weise, bei der MuV für Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Hauptsächlich liegt das an den Praktika, welche mit großem Aufwand verbunden, angeboten werden. Auch Leo Gomille und Markaus Golisch kamen so oder über das Freiwillige Soziale Jahr ins Kleist Forum, obwohl die Arbeitszeiten in der Branche oftmals als schwierig gelten.
Genau diesen Ansatz empfahl auch der Chef der Arbeitsagentur Frankfurt (Oder), Jochem Freyer, auf seinem Rundgang. „Praktika sind sehr wichtig“. Er riet sogar zum Ende des Schuljahres in höheren Klassen zu sechs Tagen in sechs verschiedenen Betrieben.
Der Geschäftsführer des Jobcenters Berlin-Lichtenberg, Lutz Neumann, war ebenfalls zu Gast und bescheinigte der Messe vom Umfang her Berliner Niveau. „Die Messe kann in dieser Form ein Fixpunkt in der Region werden“, hoffte Jochem Freyer. Das scheint auch nötig, denn seine Aussichten waren nicht rosig. „Nach allen seriösen Berechnungen wird der Fachkräftemangel noch schlimmer. Außerdem müssen mehr Zuwanderer in den Arbeitsalltag integriert werden.“
Sinnstiftende Arbeit ist einigen jungen Leuten sehr wichtig
Noch ein anderer Punkt schien bei jungen Menschen wichtig zu sein. So erzählten die Auszubildenden Jette Mertens und Frederice Dellin am Stand der Barmer Krankenkasse, dass sie einen sinnstiftenden Job gesucht hätten. „Hier kann man Menschen wirklich helfen und unterstützen“, sagen die beiden über ihre Arbeit bei der Krankenkasse. Sie sind angehende Kauffrauen im Gesundheitswesen.
Jette Mertens hätte sich bei Ihrer Ausbildungssuche auch über so eine Messe gefreut. „Das hätte mir wirklich weitergeholfen“, sagte sie. Wenngleich sie natürlich mit der Wahl ihres Ausbildungsbetriebes sehr zufrieden sei. Eine Neuauflage der Messe im nächsten Jahr sei in jedem Fall schon geplant, heißt es vonseiten der Stadt.

