Ausbildung
: Steuerrecht für Anfänger – Finanzamt sucht Nachwuchs

Das Finanzamt lädt zum Tag der offenen Tür.
Von
Louisa Theresa Braun
Frankfurt
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Die Studierenden Julian Bose, Sophie Becker, Aleksander von Lipinski, Nadine Kunschke, Robert Fiedler und Stefanie Griehl (v.l.) bereiten den Tag der offenen Tür im Oktober vor.

Louisa Theresa Braun

Finanzamt – das klingt immer so verstaubt. Viele Leute haben bei  dem Begriff die Aktenberge vor Augen und denken, das ist trocken und langweilig“, sagt Carola Ochs vom Finanzamt. „Dabei haben die meisten von ihnen gar keine Ahnung von Steuerrecht.“ Um Vorurteile auszuräumen und Interessierte zu informieren, veranstaltet das Finanzamt in der kommenden Woche einen Tag der offenen Tür.

Die Azubis und Studierenden sollen Interessierten  einen Eindruck von ihrer Arbeit verschaffen, indem sie anhand eines Beispielfalls jugendgerecht erklären, wie Finanzwirte arbeiten. Momentan lernen in Frankfurt 12 Auszubildende Finanzwirt und 18 Studierende Diplom-Finanzwirt, letzteres in Verbindung mit einem dualen Studium an der Fachhochschule für Finanzen in Königs Wusterhausen. Ochs möchte gerne mehr junge Menschen einstellen, doch das ist leichter gesagt als getan. Denn gerade die besseren Kandidatinnen und Kandidaten würden häufig von der freien Wirtschaft abgeworben, von Steuerberatungen oder den Steuerabteilungen verschiedener Unternehmen.

Für Nadine Kunschke und Aleksander von Lipinski, die vor zwei Jahren das duale Studium begonnen haben, käme das nicht in Frage. Sie haben sich bewusst für das Finanzamt entschieden, weil ihnen hier garantiert wird, mit bestandener Abschlussprüfung schon verbeamtet zu werden. „Von Steuerrecht hatte ich vor dem Studium noch gar keine Ahnung“, sagt Kunschke. „Im Grunde ist es gar nicht so trocken, weil man ja die Lebenssachverhalte dahinter sehen muss.“ Mit dem sperrigen Begriff „Lebenssachverhalte“ meint sie Menschen, die Steuererklärungen für sich oder für ihr Unternehmen machen müssen.

In der Betriebsprüfungs-Abteilung haben die Finanzwirte zum Beispiel keinen reinen Bürojob, sondern gehen in Firmen, um deren Steuererklärungen zu prüfen. Von Lipinski hat das schon mal gemacht. Natürlich sei man als Betriebsprüfer nicht der liebste Gast. „Plötzlich strahlt man so eine Autorität aus. Die Frau von der Buchhaltung hatte schon etwas Angst, als wir kamen“, sagt er. Doch die habe er ihr zum Glück nehmen können.

Ihm gefällt, dass jede Abteilung etwas anders und der Job sehr vielseitig sei. Das Studium finden Kunschke und er allerdings ganz schön schwierig, da viel Theorie in kurzer Zeit gelernt werden muss. „Wir haben nicht so viel Freizeit wie andere, die nicht dual studieren“, sagt von Lipinski. "Aber dafür bekommen wir im Gegensatz zu normalen Studis auch richtig viel Geld.“ Von 1.300 Euro brutto können viele Gleichaltrige nur träumen.

Die guten Arbeitsbedingungen sind Hauptmotivation der angehenden Finanzwirte. Stefanie Griehl, die früher Erzieherin war und selbst vier Kinder hat, entschied sich vor einem Jahr für die Ausbildung am Finanzamt, weil der Beruf viel familienfreundlicher sei. „Wir haben eine sehr hohe Gleitzeit und können auch mal von zu Hause arbeiten“, sagt sie. Dass auch das Steuerrecht besser ist als sein Ruf – das wollen die Studierenden und Azubis beim Tag der offenen Tür in der kommenden Woche zeigen. Am 23. Oktober öffnet das Finanzamt ab 17 Uhr seine Pforten in der Müllroser Chaussee 53. Bewerben kann man sich übrigens noch bis zum 27. November.