Ausgrabungen
: Goldschatz lag Jahrhunderte lang im Abfall

In der Großen Oderstraße 25-28 in Frankfurt fanden Archäologen Goldmünzen. Sie wurden der Öffentlichkeit präsentiert.
Von
Thomas Gutke
Frankfurt (Oder)
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  • Die Münzen sind von Donnerstag bis Sonntag im Museum Viadrina zu sehen, ehe sich Landesarchäologen wieder der Funde annehmen.

    Die Münzen sind von Donnerstag bis Sonntag im Museum Viadrina zu sehen, ehe sich Landesarchäologen wieder der Funde annehmen.

    Gerrit Freitag
  • Großes Medieninteresse: Bereits vor acht Monaten hatten Archäologen die Goldmünzen in der Baugrube entdeckt. Der Öffentlichkeit präsentiert wurden sie erst am Dienstag – aus Angst vor Schatzsuchern in der Großen Oderstraße.

    Großes Medieninteresse: Bereits vor acht Monaten hatten Archäologen die Goldmünzen in der Baugrube entdeckt. Der Öffentlichkeit präsentiert wurden sie erst am Dienstag – aus Angst vor Schatzsuchern in der Großen Oderstraße.

    Gerrit Freitag
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Seit Juni 2018 ist das Team der Firma archaeofakt im Auftrag der städtischen Wohnungswirtschaft in der Großen Oderstraße 25-28 damit beschäftigt, den Boden sorgsam nach archäologischen Spuren abzusuchen. Auf dem Baufeld lässt die Wowi ein Wohn- und Geschäftshaus bauen. Die Goldmünzen bezeichnet der Grabungsleiter dabei selbst als „das Highlight“, und erzählte: „Ich mache das jetzt seit 30 Jahren, aber das ist mein erster Goldschatz.“

Bei fünf der sechs Münzen handelt es sich um sogenannte Écus d’Or, geprägt zwischen 1514 und 1574. Vom Mittelalter bis ins 18. Jahrhundert war dies die Bezeichnung für Goldmünzen im Königreich Frankreich. Die sechste Münze ist ein Dukat des Papstes Clemens VII. (1478-1534), die Goldmünze muss zwischen 1523 und 1534 geprägt worden sein. „Goldmünzen sind sehr selten. Nicht nur, weil sie die wertvollsten Münzen sind. Sondern weil im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation die Silberwährung galt“, erläuterte Prof. Dr. Franz Schopper, Direktor des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege.

Die Goldmünzen seien also importiert  worden. Ihren Weg in die Stadt fand die wertvolle Fremdwährung Mitte des 16. Jahrhunderts, „eine Zeit des Aufbruchs in der Stadt“. Mit den Münzprägungen hätten die gutbetuchten Frankfurter Bürger „nicht etwa ihre Äpfel auf dem Markt eingekauft“, so Schopper, „die Münzen waren ihr Finanzstock, man hatte sie einfach“.

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Die Münzen entdeckten die Archäologen bereits im November 2018. Doch um zu verhindern, dass Schatzsucher anrücken und damit die weiteren Grabungen gefährden, sei der Fund bis jetzt geheim gehalten worden, berichtete Oberbürgermeister René Wilke. Er freute sich beim Pressetermin darüber, „dass wir der Öffentlichkeit zeigen können, welchen Wert solche Ausgrabungen haben können“ –  wenngleich sich das Haushaltsloch mit dem Schatz „leider nicht stopfen lassen wird“, wie er scherzhaft meinte. Von Donnerstag bis Sonntag sind die Münzen, die nun Eigentum des Landes sind, in einer Wanderausstellung im Museum Viadrina zu sehen. Anschließend werden sie konservatorisch behandelt und später möglicherweise dauerhaft ausgestellt.

Die Grabungen förderten darüber hinaus noch eine Reihe weiterer spannender Entdeckungen zu Tage. Die Lage an der Marienkirche sei schon immer vergleichsweise exponiert gewesen. Das heißt, nicht so durchnässt wie andere Bereiche entlang der Oder, wie Landesarchäologe Franz Schopper erläuterte. Was erklärt, warum die Archäologen an dieser Stelle beispielsweise auf einen gut 9000 Jahre alten Werkplatz aus der Mittelsteinzeit, auf dem Feuersteinwerkzeuge hergestellt wurden, stießen. Auch die Slawen hinterließen um 900 n. Chr. hier Siedlungsspuren, gefolgt von Siedlern und Kaufleuten aus der Mitte des 13. Jahrhunderts – der Gründungsphase der Stadt.

Gefunden wurden zudem Reste des Hauses, in dem 1777 Heinrich von Kleist geboren wurde: der Ziegelfußboden eines Kellers sowie Grundmauern. Das erste Bruchstück eines Originalsteines übergab Wowi-Geschäftsführer Jan Eckardt symbolisch an Anette Handke, stellvertretende Direktorin des Kleist Museums. Schließlich gebe es nur wenige echte Ausstellungsstücke, so Jan Eckart, die vom berühmtesten Sohn der Stadt geblieben seien.

Interessierte haben die Chance, sich die Goldmünzen im Rahmen der Wanderausstellung „Archäologische Landschaften“ anzusehen. Im Museum Viadrina sind sie von Donnerstag (Eröffnung 17 Uhr) bis Sonntag ausgestellt.