Auszeichnung
: Hanse-Preis für Frankfurter Hefeklöße

Die Feinschmecker Hefekloß GmbH erhält den Hanse-Preis. Die Firma beliefert Handelsketten in ganz Deutschland.
Von
Jan-Henrik Hnida
Frankfurt (Oder)
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Oliver Kronawitt (v.l.), Gerd-Harry Schulz, Gudrun Adamietz, OB René Wilke und Bürgermeister Claus Junghanns

Winfried Mausolf

Die Ehrung begann mit einer Beileidsbekundung von Oliver Kronawitt, Präsident des Hanse Clubs, für den jüngst verstorbenen Dezernenten Jörg Gleisenstein. Es folgten Grußworte von Oberbürgermeister René Wilke. "Ein voller Raum, nur für Sie“, sagte Wilke vor den gut 30 Gästen zu den beiden Geschäftsführern Gudrun Adamietz und Gerd-Harry Schulz.  Der OB warb für eine weiteres "tatkräftiges Engagement“ der lokalen Unternehmen in der Stadt und lobte anschließend die Hefekloß-Hersteller als eines der „Aushängeschilder für die Region“. Die Produkte der Marke Oderfrucht gebe es in vielen Supermarktregalen zu kaufen – und zwar deutschlandweit.

Marketing als Weg zum Erfolg

„Wer hat von Ihnen ein iPhone?“ – mit dieser Frage startete Professor Martin Eisend, einer der Vizepräsident der Viadrina, in seinem Festvortrag „Der Wert der Marke“ über die Global-Player der Marketing-Profis. Fast die Hälfte der Gäste meldete sich auf seine Frage. Niemand der Anwesenden hatte dagegen ein Smartphone der Billig-Marke „Alcatel“. Wie machen Konzerne wie Apple oder Coca Cola ihre Produkte so bekannt und erfolgreich, fragt Eisend. Marketing ist ein "Erfolgsgeheimnis“; nicht umsonst liege der Marktwert von Apple mit über 300 Milliarden Dollar über dem BIP von Rumänien.

Für Kunden versprechen bekannte Produktnamen  ein geringeres Risiko, gleichbleibende Garantie und Verfügbarkeit sowie Qualitätssicherheit. „All das sind Gründe für den gelungenen Aufbau einer Marke“, erläuterte der Uni-Professor. So ähnlich, nur etwas kleiner, ist es auch bei den Frankfurter Hefeklößen, wie Bürgermeister Claus Junghanns in seiner Laudatio veranschaulichte. Den Punkt „Beziehungsaufbau“ verkörperte der Bürgermeister am Dienstagabend durch und durch.

Er schwärmte von den Kindheitserinnerungen an die gefüllten Teiglinge. Und berichtete stolz von seinem Fabrik-Besuch im Mai – samt Verkostung. Für den historischen „Blick zurück“ schickte Junghanns, von Haus aus Historiker, seine Mitarbeiter ins Stadtarchiv, um mit alten Fotos und Zeitungsausschnitten zu zeigen, dass die Firma seit über 90 Jahren in der Oderstadt präsent ist. 1925 gegründet, nahm der Betrieb drei Jahre später die Produktion auf.

Die Idee der Gründer der Ostmärkischen Gemüse- und Obst-Verwertung AG war: Obst und Gemüse der Region aufkaufen und konservieren. Damit begann der „Ruhm des deutschen Konservenglücks“, wie die Oderzeitung titelte. Bis zu 400 Angestellte arbeiteten nach dem Zweiten Weltkrieg für das Kombinat „VEB Konserven- und Marmeladenfabrik“. Mit der Geburtsstunde des Hefekloßes Ende der 1960er Jahre geriet die Feinschmecker-Firma in den 2000ern in schwieriges Fahrwasser, die Schließung drohte. Da kam der „Mut und die Entschlossenheit“ der Geschäftsführer genau richtig, ehrt Junghanns die beiden.

Die Lebensmitteltechnologin Gudrun Adamietz kaufte mit Gerd-Harry Schulz  die Oderfrucht-Tiefkühlkost auf und teilt sich nun mit ihm die Geschäftsführung. Dieser Schritt war die Rettung für den Betrieb. Die Leitung des Mutterunternehmens Münzner in Sachsen plante ihre Rente und somit die Schließung der Tochterbetriebe. Gerd-Harry Schulz war einst Azubi bei der Oderfrucht und eng mit der Firma verbunden. Auch Gudrun Adamietz arbeitet bereits seit über 20 Jahren im Frankfurter Unternehmen. Beide beschlossen, das Risiko zu wagen, die Zukunft der zwölf Mitarbeiter zu sichern und die Firma wieder zu festigen. Mit 17 Mitarbeitern werden derzeit zirka 30 Millionen tiefgekühlte Klöße pro Jahr gefertigt und bis nach Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg in Supermärkten verkauft.

„Vielleicht mache ich einen Hefekloß-Fanclub auf“, sagte der Frankfurter Bürgermeister am Ende. Und übergab mit Kronawitt neben einem Konservenetikett von 1940 den 2000 Euro schweren Preis an die Gewinner.