Auszeichnung: Künstler für 1000 Werke geehrt

Auszeichnung für künstlerisches Engagement in Frankfurt: Oberbürgermeister René Wilke lässt den Frankfurter Künstler Manfred Neumann (r.) in das Goldene Buch der Stadt eintragen. Rechts hängt das Bild vom Komponisten Praetorius – ein Geschenk an die Stadtverwaltung.
Stefanie EnderUnaufgeregt nimmt Manfred Neumann den Stift in die Hand und schreibt seinen Namen in das Buch, das vor ihm liegt. „Oft kommt es nicht vor, dass jemand die Ehre hat, das zu tun“, sagt Oberbürgermeister René Wilke. Vor allem die beachtliche Karriere des über die Stadtgrenzen hinaus bekannten Kunstschaffenden sei der Grund gewesen, weshalb sich beide gestern zum Eintrag ins Goldene Buch trafen. „Manfred Neumann ist ein Chronist unserer Stadt, auf den wir sehr stolz sind“, so Wilke.
Chronist möchte der mittlerweile pensionierte Künstler sich nicht nennen. „Tatsächlich habe ich hier viele interessante Menschen kennen gelernt und gemalt“, sagt Neumann bescheiden. Eine ausschweifende Dankesrede hält er nicht. Stattdessen spricht er ruhig über das Gemälde, das hinter ihm hängt. „Ich habe den großen Komponisten Michael Praetorius gemalt. Er hat sich um 1585 als Organist in der Frankfurter Marienkirche hervor getan“, erklärt Neumann. Das Bild ist ein Geschenk an die Verwaltung, die ihn jahrelang unterstützt habe: „Die Stadt hat mich damals her gelockt und mir geholfen. Dafür bin ich sehr dankbar.“
Nach seinem Studium an der Fachhochschule für Angewandte Kunst in Heiligendamm und der Hochschule für bildende Künste in Dresden kam Manfred Neumann als junger Mensch in die Oderstadt. Hier arbeitete er freiberuflich als Künstler, in den vergangenen Jahrzehnten vorrangig als Porträtmaler. 1984 baute die Stadt ihm eine Atelierwohnung in der Ferdinandstraße aus. Später zog er in die Gerstenberger Höfe. Vor drei Jahren kam dann die „Explosion“. So nennt Neumann das Angebot, das ihm die Verwaltung damals machte. Er lächelt und schwärmt von seinem etwa 900 Quadratmeter großen Atelier im ehemaligen Warenhaus „Konsument“ an der Berliner Straße.
„Dieser Ort könnte ein Touristenmagnet sein“, sagt Stadtverordneter Erik Rohrbach (Die Linke), der Neumann für die gestrige Auszeichnung vorschlug. Die beiden kennen sich seit Jahren. Rohrbach habe das neue Atelier schon drei Mal besucht. „Wir sollten etwas Geld in die Hand nehmen und in die Räume Heizungen und sanitäre Anlagen einbauen. Das fehlt noch“, meint Rohrbach, der sich im Kulturausschuss dafür einsetzen möchte. Neumann selbst ist froh, dass seine rund 1000 Werke, die noch in seinem Besitz sind, dort Platz finden. Besucher sind in den Räumen, in denen er als Rentner weiter malt, mit Voranmeldung willkommen.
Mit gefalteten Händen spricht er ruhig über sein Schaffen: „Ich bin hier alt und in 55 Jahren ein richtiger Frankfurter geworden“, sagt Neumann, der eigentlich in Groß Weißensee geboren wurde. Neben historischen Persönlichkeiten, Kollegen und Freunden, stand auch OB René Wilke einst Modell – in einem Kurs für Porträtmalerei, den Manfred Neumann gab. „Damals war es nicht zu denken, dass wir uns heute so wiedersehen“, freut sich Wilke. Er will dem geschenkten Gemälde einen Ehrenplatz in seinem Büro geben. Zumindest vorerst. Der Künstler selbst wünscht sich, dass das Bild in ein Seitenschiff der Marienkirche kommt. Genau an die Stelle, an der Komponist Praetorius bekannt wurde.
Die drei Goldenen Bücher der Stadt
■ In Goldene Bücher tragen sich Ehrengäste oder verdienstvolle Bürger einer Stadt ein. Frankfurt besitzt drei Bücher.
■ Das erste ist bereits gefüllt, es wird im Rathaus verwahrt. Die erste Eintragung stammt von Helmut Kohl (1930-2017). Am 8. November 1990 besuchte der damalige Bundeskanzler mit dem polnischen Ministerpräsidenten Tadeusz Mazowiecki (1927-2013) die Oderstadt. Unterschrieben haben danach u.a. Persönlichkeiten wie Henry Maske, Ignatz Bubis, Jutta Limbach, Johannes Rau oder Angela Merkel. Seit 2009 wird ein zweites Goldenes Buch geführt.
■ Zudem gibt es noch ein „Goldenes Buch des bürgerschaftlichen Engagements“, für Bürger, die sich in besonderem Maß ehrenamtlich engagieren.