Bevölkerung: Frankfurt (Oder) verliert weiter Einwohner und wird immer älter
2014 hatte die Einwohnerzahl in Frankfurt mit 57.990 den bis dahin tiefsten Stand seit 1964 erreicht. Im Zuge der Flüchtlingskrise stieg die Zahl der Einwohner bis 2017 zwar wieder auf 58.483 an. Seitdem jedoch geht es erneut bergab. Eine Prognose vor zwei Jahren war davon ausgegangen, dass der Bevölkerungsschwund bis Ende 2022 weitgehend gestoppt sei. Jetzt kommt es offenbar anders. Seit 1990 hat Frankfurt — rein numerisch — 28.088 Einwohner verloren. Das entspricht etwa der Größe einer Stadt wie Strausberg.
Słubice zählt 20.494 Einwohner
Słubice dagegen wächst weiter. Die Einwohnerzahl der Gemeinde inklusive der Ortsteile stieg zwischen 2018 und 2019 um 425 Personen auf 20.494, davon 18.749 dauerhaft gemeldete und 1.745 temporär gemeldete Einwohner.
Einige demografische Entwicklungen haben sich in Frankfurt auch 2019 weiter verstetigt. So steigt die Zahl der Senioren weiter an. 15.385 Einwohner in der Stadt sind über 65 Jahre alt. Ein Plus von 352 im Vergleich zum Vorjahr — und von 1.675 gegenüber 2009. Zugleich ist die Zahl der jungen Einwohner rückläufig. Aktuell sind in der Altersspanne von 18—29 Jahren 6.745 Personen in Frankfurt registriert. Vor zehn Jahren waren es gut 3.000 mehr.
Dagegen hat sich die Zahl der in Frankfurt lebenden Menschen anderer Nationalitäten in den zurückliegenden zehn Jahren fast verdreifacht. Auch zuletzt stieg die Zahl von 6.061 (2018) auf 6.558 (2019) an, was einem Bevölkerungsanteil von 11,3 Prozent entspricht. Vor allem Polen zieht es weiterhin verstärkt nach Frankfurt. 2.709 Einwohner mit polnischer Staatsangehörigkeit lebten zum 31. Dezember 2019 in der Stadt (41,1 Prozent) — 225 mehr als im Jahr 2018. Darüber hinaus zählte das Bürgeramt unter anderem 836 syrische, 364 russische, 330 ukrainische und 257 afghanische Staatsangehörige.
Bezogen auf die Stadtteile (Ortsteile mit eingerechnet) hat lediglich Süd zuletzt Einwohner hinzugewonnen, exakt 43. Die meisten Frankfurter leben trotz leichten Rückgangs (-29) in der Innenstadt (17.188), gefolgt von Beresinchen (11.894), Nord (10.693), Süd (9.865) und West (8.403). Gewinner der Bevölkerungsstatistik ist Markendorf, das im vorigen Jahr 108 Bürger dazugewann und mit 1.466 Einwohnern Booßen (1.461, +8) als größten Ortsteil überholt hat. Es folgen Kliestow (1.084, +5), Rosengarten und Pagram (886, —21), Güldendorf (886, —3), Lossow und Helenesee (501, +1), Markendorf–Siedlung (445, +1), Hohenwalde (445, +9) sowie Lichtenberg (413, +8).
Der Bevölkerungsschwund ergibt sich vor allem aus der Tatsache, dass in Frankfurt jedes Jahr deutlich mehr Menschen sterben als neu geboren werden. 2019 standen 420 Geburten 752 Sterbefälle gegenüber. Tatsächlich zogen zuletzt sogar wieder mehr Menschen nach Frankfurt (3.420, +46) als fort (3.214, —67). Ein erster Erfolg der Zuzugskampagne?
Zuzugskampagne pausiert
Seit Anfang 2019 läuft die Kampagne, mit der die Stadt Pendler, Fachkräfte, Azubis, Studenten, Rückkehrer aber auch Senioren ansprechen will. Zwischen September 2019 und Mai 2020 warb die Stadt für sich mit Zeitungsanzeigen und Radio–Spots, auf Bannern und Bildschirmen in Zügen und Bahnhöfen, in Kinospots, mit Promo–Aktionen auf dem Weihnachtsmarkt oder am Bahnhof Friedrichstraße. Parallel dazu hat die MuV eine Stadtrezeption im Bolfrashaus als zentrale Anlaufstelle für potenzielle Zuzügler aufgebaut. Die Stadt bewertet die Frankfurt–Kampagne positiv. Durch die Medienpräsenz sei das Image der Stadt nachhaltig gestärkt worden. Zum anderen hätten sich tatsächlich einige Dutzend Interessierte bei der Stadtrezeption über einen Umzug nach Frankfurt informiert — darunter Rentner, Ex–Frankfurter und Studenten. Doch aufgrund der Pandemie ruht die Kampagne derzeit.
Wie es weitergeht, ist unklar. „Da die Kampagne im Wesentlichen aus Mitteln der Frankfurter Wirtschaft finanziert wird, werden die Ressourcen und eine Neuorientierung des Projektes derzeit geprüft“, heißt es.
*Hinweis: Das Amt für Statistik Berlin–Brandenburg kommt zum 31. Dezember 2019 sogar auf nur 57.751 Einwohner. Hintergrund für die Differenz gegenüber dem Einwohnermelderegister ist eine andere Grundlage der Fortschreibung – hier der Amtliche Zensus von 2011.


