Bildung: Der Leiter des Schulamtes Frankfurt (Oder) und das Corona-Schuljahr

Der Leiter des Staatlichen Schulamtes Olaf Steinke in Frankfurt (Oder) ist froh, dass alle professionell mit der Situation der Schul- und Internatsschließungen und des Homeschooling umgegangen sind.
Gerrit FreitagWie haben Sie das aktuelle, von der Corona-Pandemie geprägte Schulhalbjahr erlebt und haben Sie etwas Vergleichbares in Ihrer Zeit beim Staatlichen Schulamt schon einmal durchlebt?
Nein, so etwas hat keiner von uns je erlebt. Die Schulschließungen seit 18. März waren notwendig, um das Pandemiegeschehen einzudämmen. Aber es gab keine Blaupause dafür. Das war eine enorme Herausforderung für uns im Schulamt, für die Schulleitungen und Lehrkräfte und natürlich für die Schülerinnen und Schüler und ihre Eltern. Die haben ihre Kinder zum allergrößten Teil beim Lernen zu Hause kräftig unterstützt. Vielen ist plötzlich bewusst geworden, wie wichtig Schule ist, wie wichtig Lehrerinnen und Lehrer sind. Für die Vermittlung von Wissen, aber auch als Vertraute für die Schülerinnen und Schüler.
Welche Auswirkungen hatte Corona in Frankfurt (Oder) auf die Abitur- und 10.-Klasse-Prüfungen? Sind die Effekte des Homeschooling in den Abschlussergebnissen spürbar?
Die Begleitung und Unterstützung der Lehrkräfte beim Lernen zu Hause wurde von den Schülerinnen und Schülern als gute Unterstützung wahrgenommen – zum Wiederholen, Üben und Verfestigen des Gelernten. Das zeigen auch die Prüfungsergebnisse: Das Abitur ist mit dem Durchschnitt von 2,3 genauso ausgefallen wie in den Vorjahren. Auch am Ende der 10. Klassen gab es in Frankfurt nichts Ungewöhnliches. Die Schulen haben alle Prüfungen wie geplant durchgeführt, natürlich unter Beachtung der Abstands- und Hygieneregeln. Das haben sie unter großen Anstrengungen toll organisiert, nochmal besten Dank dafür!
Wie schätzen Sie den Umgang der Schulen mit der Situation ein? Was hat besonders gut, was weniger gut geklappt? Und hat es eher an Grundschulen oder an weiterführenden Schulen Probleme gegeben?
Ich bin sehr froh, dass alle sehr professionell mit der Situation umgegangen sind. Dank des großen Engagements der mehr als 5000 Lehrerinnen und Lehrer im Bereich des Schulamtes konnten die Schülerinnen und Schüler mit einer Mischung aus Distanz- und Präsenzunterricht unterrichtet werden. Dabei haben digitale Unterrichtsformen einen Schub bekommen. Die zurückliegenden Wochen haben aber auch gezeigt, dass es hier noch viel zu tun gibt. Eine besondere Herausforderung hatten die Grund- und Förderschulen zu stemmen: die Unterstützung der Horte bei der Notfallbetreuung von Kindern. Dank der großen Hilfsbereitschaft der Lehrkräfte konnte das gut bewältigt werden. Am Karl-Liebknecht-Gymnasium in Frankfurt ging es darum, kurzfristig Unterbringungsmöglichkeiten für die Schüler aus Polen zu finden, die nicht nach Hause konnten, weil pandemiebedingt die Grenze geschlossen war. Auch das ist gelungen. Durch den beherzten Einsatz des Fördervereins der Schule, der Stadt Frankfurt und des Bildungsministeriums.
Was geben Sie den diesjährigen Absolventen mit auf den Weg?
Erstens: Sie haben eine Krise gemeistert! Gemeinsam mit Ihren Eltern und allen Lehrkräften. Daran kann man wachsen. Zweitens: Ich wünsche einen guten Start in den neuen, sicher spannenden Lebensabschnitt! Wer noch keine genaue Vorstellung hat, wie es weitergehen soll, dem empfehle ich ein Freiwilliges Soziales Jahr zur Orientierung. Und drittens wünsche ich allen anderen Schülerinnen und Schülern großartige Ferien: Freunde treffen (mit etwas Abstand versteht sich), Sport treiben, Abenteuer erleben und Kraft für den Schulstart am 10. August sammeln.
Was sagen Sie den Schülern, die in ihrer künftigen Schullaufbahn Nachteile durch Corona befürchten?
Macht euch bitte keine Sorgen! Eure Lehrkräfte werden jetzt für jedes Fach dokumentieren, was pandemiebedingt nur teilweise oder gar nicht im Unterricht behandelt werden konnte. Am Anfang des neuen Schuljahres werden sie feststellen, auf welchem Stand jede Schülerin und jeder Schüler ist. Auf dieser Grundlage können sie dann – im Rahmen der Möglichkeiten – individuelle Förderangebote machen.
Inwiefern bietet die Krise auch eine Chance für die Schulen, etwa beim Thema Digitalisierung?
Alle haben gemerkt, dass die Digitalisierung eine enorme Herausforderung und eine große Chance ist. Ich merke bei den allermeisten eine hohe Bereitschaft dazu. Die Schulcloud Brandenburg wurde schnell und unbürokratisch vielen Schulen zugänglich gemacht. Mittlerweile arbeiten landesweit rund 300 Schulen mit der Cloud, darunter drei aus Frankfurt (Oder). Lehrerinnen und Lehrern bekommen im neuen Schuljahr verstärkt Weiterbildungsangebote zum Lernen mit digitalen Medien. Aus dem „DigitalPakt Schule“ des Bundes fließt Geld an die Schulträger und damit an die Schulen. Das Sofortprogramm finanziert zudem die Anschaffung von Laptops oder Tablets, die die Schulen an Schülerinnen und Schüler ausleihen können, die zu Hause über keine digitalen Endgeräte verfügen.
Ist nach den Sommerferien wieder mit etwas Normalität an den Schulen zu rechnen?
Dafür tun wir gerade alles. Am 10. August sollen alle Schulen wieder im Regelbetrieb starten. Für Frankfurt (Oder) haben wir – Stand heute – 39 neue Lehrkräfte unbefristet eingestellt. Darunter sind viele Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteiger, die Lebenserfahrungen aus anderen Berufen mitbringen. „Normalität“ in Pandemiezeiten bedeutet: Priorität hat der Unterricht nach Stundentafel. Anderes geht nur, wenn die Kapazitäten dafür da sind. Das Abstandsgebot von 1,50 Meter gilt nur noch für die Lehrkräfte untereinander. Und das Wichtigste: Das aktuelle Pandemiegeschehen müssen wir immer im Blick haben. Wenn es in einer Klasse zu Infektionen kommen sollte, wird das Gesundheitsamt Frankfurt (Oder) unverzüglich über Eindämmungsmaßnahmen entscheiden. Alle Beteiligten freuen sich auf einen regulären Schulstart am 10. August, aber jetzt erstmal: schöne Ferien!
Zum Schulamtund zur Person
Seit Anfang 2017 ist Olaf Steinke Leiter des Staatlichen Schulamtes in Frankfurt (Oder). Davor war er Schulrat im Barnim, stellvertretender Schulleiter im Gymnasium auf den Seelower Höhen und unterrichtete Deutsch und Geschichte. Der Einzugsbereich des Schulamtes erstreckt sich über vier Landkreise und eine kreisfreie Stadt: von der Uckermark und dem Barnim bis nach Märkisch-Oderland, Oder-Spree und Frankfurt. Seit Anfang Februar hat das Schulamt eine Außenstelle in Angermünde, wo die Schulen aus dem Barnim und der Uckermark schulaufsichtlich betreut werden.