Boxen: Diesmal starke Russen vorn

Rasul Hamad (in Rot) aus Düren unterlagn im Finale gegen Bibars Zhexen aus Kasachstan.
michael benkDas Gesamtergebnis aus deutscher Sicht „schönten“ die weiblichen Starter, die in kleineren Startfeldern dreimal in den sechs Gewichtsklassen auf dem obersten Treppchen standen: Lina Nashwan (54 kg), Ilona Sarembo (60 kg) und Stefanie von Berge (64 kg). Halbweltergewichtlerin von Berge wurde im Kreis der 30 Teilnehmerinnen zusätzlich als „beste Technikerin“ geehrt, die Dänin Melissa Mortensen als Siegerin im 57-Kilo-Limit als „beste Kämpferin“. Den 3. Platz im Mittelgewicht belegte die Saalfelderin Annemarie Schierle, 18-jährige Schwester des Frankfurter Olympiakandidaten Silvio Schierle. Frankreich (2) und Dänemark (1) sicherten sich in der Frauen-Wertung die restlichen Pokale, während sich Russland und Kasachstan mit Silber und Bronze begnügen mussten.
Von den deutschen Burschen hatten es sechs in die Endkämpfe geschafft. Gold sicherte sich im viereinhalbstündigen Finale erst der letzte DBV-Starter: der superschwere Tupal Hutaev im tempogedrosselten Schlagabtausch mit dem EM-Dritten Oskar Kopera (Polen). Bei Silber blieb es u. a. für Rasul Hamad. Der Bantamgewichtler aus Düren versuchte gegen den cleveren Asienmeister und Vorjahressieger Bibars Zhexen (Kasachstan) alles. Aber es reichte nach taktisch sauberem Vergleich nicht für den 18-jährigen Nordrhein-Westfalen mit irakischen Wurzeln, der von seinem sechs Jahre älteren Bruder Laith trainiert wird. „Ich hoffe, dass ich dennoch für die Europameisterschaft Anfang September in Sofia nominiert werde“, so der Wunsch des Rechtsauslegers.
Lob vom Bundestrainer
Variabel in den Schlägen und temporeich lieferten sich Nikolai Medinski (Russland) und Taigat Syrymbetov (Kasachstan) den besten Final- und Turniervergleich der U 19. „Die könnten jetzt schon in der Eliteklasse der Männer mithalten“, applaudierte Bundesnachwuchs-Coach Andreas Schulze. Der siegreiche Russe im Fliegengewicht wurde zu Recht als „bester Boxer“ geehrt, der kasachische Leichtgewichtler Aizhan Ashirkhan als „bester Techniker“.
Im Vorjahr (ohne Frauen) hatten die Kasachen mit sieben Finalerfolgen richtig „abgeräumt“. Und für den DBV hatte es mit lediglich zweimal Bronze eine böse Ernüchterung gegeben. Diesmal hatte kein Jugendlicher vom Bundesstützpunkt an der Oder den Sprung in die Auswahl der deutschen Meister und Vizemeister geschafft. „Aber die Frankfurter haben in diesem Altersbereich die Talsohle durchschritten, werden beim 25. Cup gut vertreten sein“, urteilte Jürgen Kyas. Der DBV-Präsident zeigte sich angetan von der Turnier-Qualität und optimistisch, „dass wir hier Olympia-Starter von 2024 gesehen haben“.
Frankfurts Stützpunktleiter und Cup-Mitorganisator Andreas Schulze überlegt, im nächsten Jahr zwei Ringe in der Brandenburg-Halle aufzustellen. „Dann haben die Verlierer noch eine zusätzliche Möglichkeit, neben dem Turnier weitere Kämpfe zu absolvieren.“ Eine besondere Ehrung erfuhr Brandenburgs Verbandspräsident Lothar Heine. Die Kasachen überreichten dem Org.-Chef bei ihrem 20. Turnierstart als Dank und Ehrbezeugung zwei traditionelle Kleidungsstücke aus der Heimat.