Bräuche: Wo man Osterwasser aus Frankfurts vielen Quellen zapft
Ostereier suchen kann man auch zu Hause. Und Eier trudeln. Doch ein Osterbrauch ist bei vielen in Vergessenheit geraten: Das Osterwasser holen.
Die Pflege dieses Brauches könnte vor allem für gestresste Eltern einen großen Vorteil haben: Denn sowohl der Weg zum Wasser als auch das Schöpfen selbst erfordern absolute Stille. Sonst wirke das Osterwasser, das allgemein heilbringend sein soll, nicht, heißt es in der Überlieferung.
Abmarsch zum Sonnenaufgang
Der Nachteil: Osterwasser holen ist ein Brauch für Frühaufsteher: Abmarsch soll am Ostersonntag zum Sonnenaufgang sein – um 6.15 Uhr. Geschöpft wird unbedingt aus einem fließenden Gewässer, am besten aus einer Quelle. Doch wo gibt es diese noch?
Die Stadt Frankfurt ist mit Quellen reicher gesegnet, als mancher vermutet. Ihre Erforschung verdanken die Frankfurter vor allem dem Biologen und einstigen Vereins-Chef des Naturschutzzentrums Adonishänge Konrad Krüger. Er schrieb ein Fachbuch über die 13 Quellengebiete in der Stadt und verfasste 1995 mit anderen Naturfreunden eine Übersicht über alle Quellbereiche im Stadtkreis. Die Gesamtzahl der Quellwasseraustritte wird auf bis zu 300 geschätzt.
Die Quellen im Süden der Stadt, im Buschmühlenweg, am Carthausplatz und im Mühlental, sind leider oft von Unkraut überwuchert oder auf Privatland nicht mehr zugänglich. Viele Quellen fließen in die Klinge. So schießt am Kreisel zur Heimkehrsiedlung hinter einer Laube Quellwasser bergab. Quellen sind auch am Gronenfelder Weg 1 und 2, an der Birnbaumsmühle und westlich vom Botanischen Garten zu entdecken.
Zur Oster-Quelle ins Umland
Im Quellgebiet des Booßener Mühlenfließes gibt es mehrere Sturz- und Sickerquellen, deren Wasser mit einer Geschwindigkeit von fünf Litern in der Sekunde ins Tal schieße, wie Konrad Krüger schreibt.
„Eduardspring“, die Sickerquelle im Stadtwald Rosengarten, hat dem ganzen Areal seinen Namen gegeben. Die Quelle am Forsthaus ist schon vor langer Zeit als Brunnen gefasst worden.
Wer aus einer echten Oster-Quelle Osterwasser schöpfen möchte, muss ins Umland, nach Libbenichen fahren. Dort fließt, nahe der Straße von der B167 hinunter ins Bruch, unterhalb des Mühlenberges, an der Oderbruchkante die einst von Feuerwehrleuten eingefasste gleichnamige Quelle.
Osterwasser holen
Das Osterwasser holen gehörte einst zu den am meisten gepflegten Osterbräuchen in der Region. Am ersten Osterfeiertag, also Ostersonntag, zum Sonnenaufgang gingen Mädchen und Burschen, ohne ein Wort zu sprechen, bis zur nächsten Quelle, dem nächsten Bach oder Fluss, um Osterwasser zu schöpfen. Dieses Wasser sollte eine segenbringende Kraft haben. Wer sich damit wusch, sollte schön und gesund werden. Osterwasser galt als heilbringend für Menschen und Vieh. Beim Osterwasserschöpfen durfte kein Wort gesprochen werden, sonst hätte das Wasser seine Wunderkraft verloren, hieß es. Während Mädchen in aller Herrgottsfrühe stillschweigend zum fließenden Wasser gingen, versuchten die jungen Burschen, sie zum Sprechen oder Lachen zu bringen. Es kam auch vor, dass vorwitzige junge Leute einen Eimer Osterwasser über den Kopf bekamen. In manchen Häusern wurde Osterwasser das ganze Jahr über in einer Flasche aufgehoben, denn es blieb der Legende nach immer frisch.⇥ir

