Bürgerbudget Frankfurt (Oder): Jubel im Einkaufszentrum SMC – Welche Projekte gewonnen haben

Jubelszenen im Einkaufszentrum SMC in Frankfurt (Oder): Die Heimkehrsiedlung hat sich mit ihrem Projekt beim Bürgerbudget 2024 durchgesetzt.
Jörg KotterbaSie jubelten, lagen sich in den Armen – und öffneten flugs eine kalt gestellte Flasche Sekt. Fast ein Dutzend Bewohner der Heimkehrsiedlung aus Frankfurt (Oder) hörten am Samstagnachmittag im SMC die frohe Botschaft aus dem Mund von Oberbürgermeister René Wilke: Von den 22 eingereichten Ideen und Projekten fürs das Bürgerbudget 2024 erreichte mit 1079 Stimmen die Heimkehrsiedlung den ersten Platz.
„9000 Euro fürs Jubiläum im kommenden Sommer – einfach Spitze!“, freute sich Karin Löbicke aus dem Eichenweg. Denn „ihre“ Siedlung wird am 6. Juli kommenden Jahres mit einem tollen Programm den 100. Geburtstag feiern.
Eine Seilbahnrutsche für den Spielplatz in Lichtenberg
Doch die Gewinner-Laune war auch bei vier anderen Frankfurterinnen groß. Rosemarie Neumann, Mitglied im Ortsbeirat von Rosengarten, Pagram und Lillihof, konnte dank 669 Stimmen einen symbolischen Scheck in Höhe von 8000 Euro für das Projekt „Bücherschrank für Rosengarten„ in Empfang nehmen. Für die „Seilbahn/-rutsche Spielplatz Lichtenberg„ werden mit 582 Stimmen 10 000 Euro „locker“ gemacht. Denise Börner strahlte über das ganze Gesicht.

Im Einkaufszentrum SMC in Frankfurt (Oder) wurden am Sonnabend (11.11.) von Oberbürgermeister René Wilke die Gewinner des Bürgerbudgets 2024 bekannt gegeben.
Jörg KotterbaAuch Marion Krüger („Festzelt für Booßen„/542 Stimmen, 5000 Euro) und Christine Mann („Renovierung der Trauerhalle in Lossow„/492 Stimmen, 8000 Euro) hatten allen Grund zur Freude.
Auch 2024 werden wieder 40.000 Euro bereitgestellt
Überhaupt: Frauen. Sie waren beim Votum diesmal deutlich in der Überzahl. 1128 Frankfurterinnen hatten sich an der Abstimmung zum Bürgerbudget für das kommende Jahr beteiligt – hingegen nur 943 Männer, informierte Anja Greschke, in der Stadtverwaltung unter anderem Referentin für Bürgerbeteiligung. „Während 183 Senioren Ü80 mitmachten, waren es bei den 14- bis 25-Jährigen nur 116. Schade. Sie im kommenden Jahr, beim sechsten Bürgerbudget, mit ins Boot zu holen, wäre ein absoluter Gewinn. Schließlich zählt jede Stimme...“, sagte sie.
Den Wettstreit um Ideen und Projekte aus der Bürgerschaft wird es also auch 2024 geben. „Ja, dazu werden wieder 40 000 Euro bereitgestellt“, bekräftigte OB Wilke. Ziel sei es, einerseits das bürgerschaftliche Engagement zu fördern, andererseits Frankfurts Bürger als Experten in die Gestaltung ihres direkten Umfelds mit einzubeziehen.
Wie die Heimkehrsiedlung auf Stimmenjagd ging
Jede Stimme zählt. Das wussten auch die Heimkehrsiedler, die zwischen Ulmen-, Eichen-, Dornen- und Akazienweg zu Hause sind. Im idyllisch gelegenen Kiez hatte sich im Spätsommer ein Vorbereitungskomitee mit Vertretern des ansässigen Kleingärtner- und Anglervereins, der Ortsgruppe der Volkssolidarität und des Fördervereins Heilandskapelle gegründet. Regelmäßig kamen und kommen in der Russischen Kirche am Eichenweg einige dieser „Macher“ zusammen. Eine ihrer richtigen, wichtigen Entscheidung: Wir besuchen jeden Haushalt, rühren die Werbetrommel fürs Jubiläum, gehen auf Stimmenjagd.
100 Jahre Heimkehrsiedlung
Die Jubiläumsfeier in der Heimkehrsiedlung am 6. Juli 2024 wird unter dem Motto „100“ stehen. Programmpunkte nennen sich 100 Worte Gottesdienst oder 100 Noten spielen. Etliche Veranstaltungen sowie Kinderspaß und ein großer Kuchenbasar sollen in der Heilandskapelle und im Kirchgarten stattfinden. Die Straßen der Siedlung werden festlich geschmückt und alle Anwohner zum Vorgartentrödel eingeladen. Es wird Kutschfahrten geben. Der Abend endet mit einem großen Anglerfest am Kleinen Kliestower See. Die Mitglieder des Vorbereitungskomitees suchen jetzt Mitmacher, Partner und Sponsoren sowie Zeitdokumente. Hinweise, Ideen und Anregungen an: annesturm@hotmail.de
Gesagt – getan. Eine der Nimmermüden: Die 33-jährige Steuerfachangestellte Anne Sturm. Sie wohnt erst seit fünf Jahren in der Heimkehrsiedlung. Mit Ehemann Toni und den Kindern Ella (zweieinhalb) und Anton (fünf Monate) hat sie am Eichenweg einen neuen Lebensmittelpunkt gefunden. „Ich schnappte mir Anton, bin mit ihm im Kinderwagen von Haus zu Haus gelaufen – und habe überall das Gespräch gesucht. So lernte ich nicht nur meine Nachbarn kennen, sondern gewann auch Stimme um Stimme.“

Die Heimkehrsiedlung aus Frankfurt (Oder) hat sich mit ihrem Projekt beim Bürgerbudget 2024 durchgesetzt
Jörg KotterbaEnttäuschte Hoffnungen bei denen, die leer ausgingen
Voller Hoffnung kam Sabine Bischoff mit Tochter Sabine (8) ins SMC. Die Bischoffs „brennen“ beim PSV Frankfurt für den Judosport. Sohn Finley (16) besitzt schon den 1. Dan. „Wir sammelten Stimmen für einen Bus, eine Mitfahrgelegenheit für den Nachwuchs. Heute hat es nicht geklappt. Dann eben 2024...“
Ein wenig enttäuscht vom Ergebnis waren auch Kerstin Hegenbarth (31) und Nancy Noack (26). Die Bassdrums-Spielerinnen gehören der Fanfarengarde an. Am „Haus der Musik“ in der Robert-Havemann-Straße brannte Mitte Oktober erst Sperrmüll, dann die Außenfassade. „Wir brauchen jeden Cent für die Sanierung – und haben natürlich gehofft“, gestand Kerstin Hegenbarth, die mittlerweile ehrenamtlich im Vorstands arbeitet. Aber der Heimkehrsiedlung gönnt sie den ersten Platz. „So ein Jubiläum ist unschlagbar – und einmalig.“

