Pünktlich um 11 Uhr hat Krankenschwester Elke Patzke bei ihrer Kollegin Tabea Lillinger im Klinikum Frankfurt (Oder) die erste Spritze mit dem Impfstoff in den Oberarm gesetzt. „Vorher gab es eine ausführliche Einweisung“, erklärt Schwester Elke, die nun den ganzen Tag den Impfstoff unter ihren Kollegen verteilen wird.

Mitarbeiter von Klinikum und Rettungsdienst erhalten erste Impfungen

Gleich daneben sitzt Nicole Plettig und nimmt jeden Impfling mit Namen und Uhrzeit der Impfung im Computer auf. „Insgesamt an drei Tagen im restlichen Dezember und an vier Tagen Anfang Januar sind die Impfungen für Mitarbeiter des Klinikums und für die Mitarbeiter des Rettungsdienstes vorgesehen“, erklärt der stellvertretende ärztliche Leiter Prof. Dr. Michael Kiehl. Rund tausend Impfdosen trafen nach einer Information der Stadtverwaltung am Montag ein.
Die Vorbereitungen auf diesen Tag laufen bereits seit drei Wochen. Am Dienstag wurden 180 Mitarbeiter geimpft. Die zweite Dosis, die für einen vollwertigen Schutz nötig ist, wird genau 21 Tage später gespritzt. Die Dosen für die zweite Impfung werden vom Land zurückgehalten.

Nach 21 Tagen folgt die zweite Dosis

Nach weiteren sieben Tagen soll dann der Impfstoff komplett seine Schutzwirkung entfalten. Die Impfdosen wurden bei minus 70 Grad gekühlt in die klinikeigene Apotheke geliefert. Dort wurden sie direkt in die Spritzen aufgezogen und bereitgelegt. „Nachdem der Impfstoff aus seiner 70 Grad kalten Liefertemperatur aufgetaut ist, muss er nach maximal fünf Tagen bei Kühlschranktemperatur aufgebraucht sein“, erklärt Kliniksprecherin Kati Brand.
„Die Impfbereitschaft bei den Klinikmitarbeitern ist immer weiter gestiegen“, freut sich Michael Kiehl, der sich ebenfalls gleich als einer der ersten impfen ließ. „Anfangs waren nur etwa die Hälfte bereit, sich impfen zu lassen, jetzt ist die Bereitschaft deutlich hoher.“ Ebenfalls vor Ort waren Oberbürgermeister René Wilke und Sozialdezernent Jens-Marcel Ullrich, um sich das Prozedere anzuschauen. Das Impfzentrum für die Stadt soll am 18. Januar in den Messehallen startklar sein. Anfang Januar beginnt ein Messebauer, die baulichen Voraussetzungen dort zu schaffen.
Ebenfalls am 18. Januar sollen auch die mobilen Impfteams in den Pflege- und Senioreneinrichtungen der Stadt mit ihrer Arbeit beginnen. „Bis dahin muss die Zeit genutzt werden, um Aufklärung zu leisten und die Bereitschaft der Bewohner, vor allem auch der gesetzlichen Betreuer zu erhalten“, erklärt Sozialdezernent Ullrich.

Viele Anrufe – Rathausspitze bittet um Geduld

Schon jetzt rufen viele Frankfurter im Rathaus an und fragen nach einem möglichen Impftermin. „Wir können keine Termine vergeben, weil das ganze Impfszenario von der Kassenärztlichen Vereinigung verantwortet wird“, betont Jens-Marcel Ullrich. Ab dem 4. Januar soll eine Hotline unter der Telefonnummer 116117 geschaltet sein, unter der die jeweils berechtigten Menschen, die nicht in Pflege- und Senioreneinrichtungen leben, im nächst gelegenen Impfzentrum einen Impftermin vereinbaren können. Bis dahin bittet die Rathausspitze um Geduld.
Höchste Priorität genießen gemäß dem Bundesgesundheitsministerium Menschen über 80 Jahre neben Beschäftigten medizinischer Einrichtungen wie Intensiv- und Palliativstationen, Notaufnahmen, Impfzentren, Transplantationsmedizinern und ambulanten Pflegediensten, Bewohner von Seniorenheimen, Pflegekräfte in ambulanten Pflegediensten.

Beim Impfen in Brandenburg arbeitet man sich von Süden nach Norden vor

Dass Frankfurts Senioreneinrichtungen noch etwas warten müssen, liegt daran, dass dort begonnen wird, wo die Infektionslage aktuell am schwersten ist. „Wir arbeiten uns beim mobilen Impfen von Süden Brandenburgs nach Norden vor“, erklärt Klaus Bachmayer vom Kreisverband Märkisch-Oder-Havel-Spree des Deutschen Roten Kreuzes. Die Organisation hat das Konzept für das mobile Impfen in Brandenburg erarbeitet. Erste stationäre Einrichtungen im Süden wurden bereits angeschrieben. Wie es damit weitergeht, wird in den kommenden Tagen bekannt. In Frankfurt werden die Impfaktionen von den Johannitern unterstützt.

42 Covid-Patienten aktuell im Klinikum Frankfurt (Oder)

Wie wichtig die Impfungen für die Mitarbeiter des Klinikums sind, zeigt indes ein Blick auf die Covid-Stationen. Derzeit werden 32 Patienten mit Covid-19 normal stationär behandelt. Zehn weitere Corona-Patienten liegen auf der Intensivstation, von denen acht beatmet werden müssen.
Eine Liege zum Ausruhen nach der Impfung brauchte die Krankenschwester Tabea Lillinger im Übrigen nicht. Schon kurz danach ging sie wieder ihrer Arbeit nach.
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