Covid-19
: Warten auf Corona-Welle am Klinikum Frankfurt (Oder)

Bis zu 30 Covid-19-Patienten kann das Klinikum Frankfurt (Oder) im Ernstfall beatmen. Noch stehen die Quarantänekabinen leer.
Von
Thomas Gutke
Frankfurt (Oder)
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  • Zwei Betten in einer der Quarantänekabinen auf der Intensivstation des Klinikums Frankfurt (Oder): Noch ist die Lage ruhig. Chefarzt Edmund Hartung rechnet jedoch um Ostern herum mit einer Zunahme an schweren Infektionsfällen.

    Zwei Betten in einer der Quarantänekabinen auf der Intensivstation des Klinikums Frankfurt (Oder): Noch ist die Lage ruhig. Chefarzt Edmund Hartung rechnet jedoch um Ostern herum mit einer Zunahme an schweren Infektionsfällen.

    Klinikum Frankfurt (Oder)
  • PD Dr. Edmund Hartung, Chefarzt der Anästhesiologie und Intensivmedizin am Klinikum

    PD Dr. Edmund Hartung, Chefarzt der Anästhesiologie und Intensivmedizin am Klinikum

    Klinikum Frankfurt (Oder)
  • Dr. Matthias Jäger, Leitender Oberarzt der Intensivmedizin am Klinikum Frankfurt (Oder)

    Dr. Matthias Jäger, Leitender Oberarzt der Intensivmedizin am Klinikum Frankfurt (Oder)

    Klinikum Frankfurt (Oder)
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Nach allem, was aus China und Italien bekannt ist, sind bis zu 5 Prozent aller Infizierten auf künstliche Beatmung angewiesen. Es trifft vor allem Ältere, aber nicht nur. Kritisch wird es, sobald es mehr am Coronavirus schwer erkrankte Menschen als Beatmungsplätze gibt.

Alle Informationen zu Covid-19 in Berlin und Brandenburg finden Sie in unserem Corona-Blog.

Zwei Quarantäne-Kabinen

Zweimal am Tag tritt daher am Klinikum der Krisenstab zusammen. Mit dem Geschäftsführer, dem Ärztlichen Direktor und Leitern wichtiger Bereiche werden aktuelle Entwicklungen besprochen und Eskalationsszenarien überdacht. „Wir haben uns sehr gut vorbereitet“, betont Dr. Matthias Jäger, der Leitende Oberarzt der Intensivmedizin. Zwei vom Rest der Intensivstation abgeschirmte Quarantänekabinen mit insgesamt sechs Betten stehen bereit. Die Kapazität könne jederzeit stufenweise auf bis zu 30 Intensivbetten erweitert, Räume und Dienstpläne von Ärzten und Pflegekräften entsprechend angepasst werden. Epidemiologisch sei die Situation nicht neu, so Jäger. „Wir haben jedes Jahr eine Grippewelle. Das Krankheitsbild Viruserkrankung und Lungenversagen trifft uns nicht überraschend. Die mögliche Vielzahl an Patienten – das ist das Thema.“

Er und seine Kollegen profitieren derzeit vor allem von der guten fachärztlichen Vernetzung in der Region. Koordiniert von der Charité tauschen sich Intensivmediziner aus Berlin und Brandenburg seit Beginn der Krise täglich zu Krankheitsverläufen aus. „Das ist ein gute, sinnvolle Sache“, findet auch PD Dr. Edmund Hartung, Chefarzt der Anästhesiologie und Intensivmedizin am Klinikum. Über die Plattform werden auch die Ressourcen der Kliniken aufeinander abgestimmt, sobald die Zahl der Patienten stark ansteigt. Prognosen abzugeben sei zwar „unsicherer als der Wetterbericht“, sagt Hartung. Anhand der Datenlage sei jedoch um Ostern herum auch in Brandenburg mit einem hohen Fallaufkommen zu rechnen.

Dann zähle jede Stunde. „Bei schweren Covid-19-Krankheitsverläufen ist eine frühzeitige, künstliche Beatmung das allerwichtigste“, unterstreicht der Intensivmediziner. Das Coronavirus habe es vor allem auf das Lungengewebe abgesehen. In einer normal arbeitenden, gesunden Lunge geben die roten Blutkörperchen in den sehr feinen Blutgefäßen (Kapillaren) Kohlendioxid an die Lungenbläschen ab, nehmen Sauerstoff auf und transportieren ihn ab. Doch das Coronavirus sorgt für Entzündungsherde an den Kapillaren, Wasser wird eingelagert, das Gewebe schwillt an. „Dann wird der Weg zwischen Lungenbläschen und Blutgefäßen zu weit. Der Patient hat Schwierigkeiten, den Sauerstoff aufzunehmen. Auch Kohlendioxid kann nicht abgehen. Ohne Unterstützung würde der Patient zwar atmen – dabei aber ersticken“, erläutert Edmund Hartung.

Die Beatmungstechnik ist komplex. Der Druck müsse genau austariert sein, sonst platzen die Lungenbläschen. Dafür brauche es gute Geräte, von denen das Klinikum 30 einsetzen kann. Besonders kritisch werde es, wenn die künstliche Beatmung nicht mehr ausreiche. Dann helfe als Ultima Ratio nur noch die extrakorporale Membranoxygenierung – kurz ECMO. Dabei handelt es sich um eine Herz-Lungen-Maschine, die das Blut aus dem Körper pumpt und mit Sauerstoff anreichert. Sie kommt insbesondere in spezialisierten Herz-Lungen-Zentren wie an der Charité zum Einsatz. Im Ernstfall könnten Frankfurter Patienten über das Netzwerk genau dorthin verlegt werden.

Dramatische Berichte über die katastrophale Entwicklung in Italien und Spanien, überfüllte Kliniken und Patienten, die in Krankenhausfluren auf Behandlung warten, „haben auch bei uns viele aufgerüttelt“, sagt Dr. Matthias Jäger. „Doch wir alle haben ein Ziel und gehen mit der Situation produktiv um.“ Wichtigste Aufgabe für das Klinikum sei es, trotz der Pandemie die Versorgung aller Patienten in gleicher Qualität aufrecht zu erhalten – egal, ob es sich um einen Verunfallten oder einen Schwerkranken handelt. „Wir haben uns bestmöglich auf eine Dramatisierung der Lage vorbereitet, vergessen dabei aber auch nicht Basisversorgung. Das ist unser höchster Anspruch.“

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