Am kommenden Sonnabend lädt eine Initiative aus Frankfurt (Oder) und Słubice zum grenzübergreifenden Pride (engl. für stolz). Schwule, Lesben, Trans-Personen, bisexuelle und andere queere Menschen (LSBTQ+, engl. LGBTQ+) sowie Freunde und Unterstützer ziehen von Słubice über die Stadtbrücke nach Frankfurt, um für die Vielfalt und Sichtbarkeit von Lebensweisen, Geschlechtsidentitäten und sexuellen Orientierungen in der Doppelstadt zu demonstrieren und um Gleichberechtigung einzufordern, teilt die Initiative mit.
Stellung nehmen will man in der Doppelstadt zudem gegen die zunehmende Diskriminierung von LGBTQ+ in Polen, unter anderem gegen sogenannte „LGBT-freie Zonen“. Als solche haben sich rund hundert Gemeinden und Städte in Ost- und Südpolen in symbolischen Beschlüsse erklärt. In Zielona Góra hat das Stadtparlament die diskriminierenden Beschlüsse verurteilt und die eigene Stadt zum sicheren Ort erklärt.

Premiere in Frankfurt und Słubice

Ein Pride-Marsch, in Deutschland bekannt als Christopher Street Day, findet sowohl in Frankfurt als auch in Słubice zum ersten Mal statt. Er beginnt um 14 Uhr am Plac Bohaterów in Słubice, führt über die Stadtbrücke durch die Magistrale in Frankfurt. Am dem Holzmarkt soll die Demonstration enden. Unterwegs sind mehrere Reden von Aktivist*innen aus Deutschland und Polen angekündigt.
Zugesagt als Redner haben auch Frankfurts Oberbürgermeister René Wilke sowie der Vize-Landrat von Słubice Robert Włodek, teilte die Pride-Initiative am Donnerstag per Facebook mit.
Der Bürgermeister der Stadt und Gemeinde Słubice Mariusz Olejniczak und seine Vertreter hatte bereits erklärt, nicht an der Veranstaltung teilzunehmen. Olejniczak teilte aber den Medien mit: „Słubice ist eine offene Stadt und ich möchte, dass sich bei uns alle gut fühlen, unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung. Unverständlich sind für mich die Aggressionen, die sich gegen Menschen aus der LGBT-Gemeinde richten, denn ich finde, alle verdienen Respekt.“ Er hoffe, die Organisatoren trügen Sorge, dass der Marsch niemanden gefährde und dass die Teilnehmer angesichts der Corona-Pandemie Abstand halten, sagte der Bürgermeister.

Gegner des Pride in Słubice

In Słubice hat der Pride bereits Gegenreaktionen hervorgerufen. Am Donnerstag fuhr ein Auto durch die Straßen, das ein Billboard präsentierte, auf dem homosexuelle Personen als Pädophile und Vergewaltiger diskreditiert werden, was in sozialen Medien breit kommentiert wurde. Für Sonnabend sind zudem zwei Gegenkundgebungen angemeldet. Bei Pride-Demonstrationen in Polen kommt das fast immer vor. „Wir hoffen, dass alles friedlich abläuft. Die Polizei vor Ort wird uns schützen und arbeitet im Vorfeld aufgeschlossen mit uns zusammen“, sagt die Słubicerin Natalia Zwirek von der Pride-Initiative. Eine Kundgebung wurde laut Natalia Zwirek von dem Słubicer Kreistagsabgeordneten der PiS Jan Hanbicki angemeldet, bei der zweiten seien zwei Autos mit Lautsprechern angemeldet.
Die Initiative verweist Teilnehmende darauf, dass auf Słubicer Seite auf der Demonstration die Pflicht besteht, eine Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen. Zudem müsse in Słubice ein Abstand von 2 Metern eingehalten werden, in Frankfurt 1,5 Meter. Wer sich weigere, diese Regeln einzuhalten, müsse leider von der Veranstaltung ausgeschlossen werden, so die Initiatoren. Nach Ende der Demonstration spielt gegen 16.30 Uhr die Indie-Band „Brokatowe Damy“ aus Poznan bei der Abschlussveranstaltung auf dem Brückenplatz in der Carl-Emanuel-Bach-Straße.

Youtube Band „Brokatowe Damy“ aus Poznan