Deutsche Post
: 58 Sammlerstücke verschwinden spurlos

Zwei Frankfurter berichten von verlorenen Briefen / 54-jährigem Philokartisten entsteht ein Schaden von über 200 Euro
Von
Lisa Mahlke
Frankfurt (Oder)
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Kommt die Post an? Viele Kunden zweifeln daran.

Lisa Mahlke

Horst Enders berichtet, dass dieser Status unverändert blieb. Im Januar wurde ihm eine schriftliche Antwort versprochen, die nie kam. „Es ist sehr spannend, von Ideen der Deutschen Post AG zu hören, das Porto zu erhöhen – wenn die Qualität aber im Vergleich dazu den Bach runter geht, sollten die Post-Manager mal über das Firmenmodell nachdenken“, sagt er.

Auch ein Postkartensammler aus Frankfurt, der aus Angst vor Dieben seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will, zeigt sich empört: 2018 verlor er 57 Briefe. Er ist seit 1982 leidenschaftlicher Sammler, erzählt er dem Stadtboten in einer E-Mail, kauft seit 2010 online ein. In den ersten Jahren seien drei bis fünf Briefe pro Jahr verschwunden, was ihn nicht weiter störte. 2017 jedoch kamen 16 Briefe nicht an. Am Postschalter informierte man den heute 54-Jährigen, dass bei unversicherten Briefen kein Recht auf Schadenersatz bestehe und er sich an die Bundesnetzagentur wenden soll. Diese ist Ansprechpartner für Verbraucher bei anhaltenden Zustellausfällen, Falschzustellungen oder fehlenden Benachrichtigungen.

Anfang 2018 kaufte er über 100 Briefe im Monat ein, jeder 25. kam abhanden. Auffällig dabei: 80 Prozent der Briefe mit Absender-Postleitzahlen beginnend mit „6“ verschwanden. Der Bundesnetzagentur teilte der Frankfurter nicht nur das, sondern auch Straße, Ort und Uhrzeit, zu der die Briefe eingesteckt wurden, mit. Die Aufklärungsquote war gleich 0.

Ab Oktober 2018 kam jeder zehnte an ihn adressierte Brief weg – aus Gebieten mit allen möglichen Postleitzahlen, darunter auch von Verkäufern, die ihm schon seit Jahren Post schickten. „Eine kleine Entschädigung von 28 Euro in postfrischen Briefmarken schenkte mir die Bundesnetzagentur 2018“, berichtet er.

Zwar fanden Gespräche mit der Postbotin statt. Ihr gibt der 54-Jährige jedoch keine Schuld. Er vermutet den Grund bei Subunternehmen der Deutschen Post. 207,94 Euro Verlust entstanden ihm im vergangenen Jahr, für 58 Postkarten in 57 Briefen, den Wert der Briefmarken abgerechnet. Dass das Einzelfälle sein sollen, glaubt er nicht: 2018 verlor ein Verkäufer aus Nordrhein-Westfalen 15 Briefe, darunter vier Einschreiben. Andere Bekannte hätten Ähnliches erlebt. Auch der Januar begann mit verschwundenen Briefen.(sam)