Eiche in Frankfurt (Oder)
: 600 Jahre – so wird der älteste Baum der Stadt geschützt

Sie ist etwas ganz Besonderes: die Drillingseiche in Frankfurt (Oder), im Ortsteil Markendorf. Der Baum hat schon rund 600 Jahre auf dem Buckel – wie er jetzt besonders geschützt werden soll.
Von
René Matschkowiak
Frankfurt (Oder)
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Die Kinder der Friedensgrundschule freuen sich über den alten Baum in Frankfurt (Oder).

René Matschkowiak

Es war ein Fest nicht nur für die Baumfreunde in der Oderstadt. Mehr als 100 Menschen aus Markendorf und Frankfurt (Oder) waren zugegen, als die älteste Einwohnerin Frankfurts, wie sie von Andreas Roloff bezeichnet wurde, mit dem Nationalerbe-Titel zu großen Ehren gekommen ist.

Gemeint ist die sogenannte Drillingseiche in Markendorf an der Ecke Wildbahn und B87. Andreas Roloff ist sowohl Professor für Forstbotanik an der TU Dresden als auch einer der Kuratoren der Nationalerbe-Bäume der Dendrologischen Gesellschaft, die diese Initiative 2019 ins Leben gerufen hat. Den Bäumen soll somit ein Altern in Würde ermöglicht werden.

Baum in Frankfurt (Oder) könnte 600 Jahre alt sein

Infrage für die Nationalerbe-Titel kommen dabei nur Bäume, die einen Stammumfang von mindestens vier Metern haben und möglichst älter als 400 Jahre sind. Die Drillingseiche in Markendorf – die ihren Namen bekommen hat, weil sie drei Kronen aufweist – wird auf 500 bis 700 Jahre geschätzt. Der Professor legt sich auf etwa 600 Jahre fest. Zu der Zeit wurde auf dem Gelände in Markendorf gerade eine neue Kirche gebaut und das würde zeitlich gut zur Baumpflanzung passen. Belegt ist das freilich nicht.

Hilfe bei der Geschichtsfindung des Baumes gab es für Andreas Roloff von Hannelore Skirde. „Mit dem Baum bin ich seit den 80er Jahren per Du“, meint die Freizeit-Baumexpertin aus der Region. Der Professor aus Dresden war fast einen ganzen Tag vor Ort, um sich den Baum zusammen mit ihr anzuschauen. Außerdem wurde er zusätzlich von Fachleuten begutachtet. Somit soll klargestellt werden, dass er sich immer noch guter Vitalität erfreut – und das tut er, wie Hannelore Skirde bestätigt. Jährlich misst sie den Umfang des Baumes und immerhin kommen per anno knapp zwei Zentimeter hinzu. „Er wächst also immer noch“, freut sie sich.

1000 junge Bäume würden Eiche in Frankfurt (Oder) ersetzen

Mit einer Tafel wird jetzt auf diesen besonderen Baum aufmerksam gemacht. „Der Grund, warum es in Deutschland nicht mehr alte Bäume gibt – wie etwa in England, wo einige Bäume über 1000 Jahre alt sind – ist wohl die deutsche Gründlichkeit“, so Andreas Roloff. Die Verkehrssicherungspflicht, dass also niemand zu Schaden kommt, ist oberste Priorität bei Bäumen im öffentlichen Raum und deswegen werden schnell Äste gekürzt. Diese Schnittstellen können wiederum Einfallstellen für Pilze sein, die den Baum schädigen.

Solcherlei Sicherungsmaßnahmen soll der Markendorfer Nationalerbe-Baum weniger erfahren müssen. Auf der Tafel, die enthüllt wurde, ist auch vermerkt, dass ein Aufenthalt unter dem Baum nicht erwünscht ist, um die Wurzeln zu schonen und um nicht durch herunterfallende Äste verletzt zu werden. Bis zu 1000 junge Bäume müsste man pflanzen, um diesen alten Baum von der Blattfläche her zu ersetzen, erklärt Andreas Roloff.

Damit das nicht passiert, setzt auch Oberbürgermeister René Wilke auf die weiterhin gute Baumpflege der Markendorfer. „Ich freue mich wirklich sehr über diese schöne Baumehrung“, sagt er zusammen mit der Bundesumweltministerin Steffi Lemke, die es trotz des fast schön üblichen Freitagsstaus auf der A12 aus Berlin geschafft hat. Musikalisch umrahmt wird die Ehrung vom Chor der Friedensgrundschule unter Leitung von Christian Seibert.

Geplant ist, 100 Nationalerbe-Bäume in Deutschland zu bestimmen. Nachdem der 50. Baum geehrt worden sein wird, soll zudem ein Reisebuch zu den Nationalerbe-Bäumen herausgegeben werden. Bisher ist in Brandenburg drei und bundesweit 31 Bäumen der Titel verliehen worden.

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