Einbruch-Serie: Mieter vermuten kriminelle Freunde als Täter

Diebstahlopfer: Aus dem Kellerverschlag von Gerhard Böhm wurden ein Winkelschleifer und ein kleiner Kompressor gestohlen. Insgesamt wurden 28 Schlösser geknackt.
Jan-Henrik Hnida„Da, im Regal, lagen mein Winkelschleifer und der Mini-Kompressor“, sagt Gerhard Böhm. Beides wurde gestohlen. Der Rentner steht im Keller der Prager Straße 34, einem Block der Wohnbau. Das Schloss seines Verschlags wurde aufgebrochen, die Werkzeuge wurden gestohlen. Ansonsten liegt alles ordentlich in den Regalen, so wie es Böhm hinterlassen hat. „Die Täter haben es auf Werkzeug, Angeln und Alkoholika abgesehen“, ist seine Vermutung. In seinem zweiten Kellerabteil fehlt nichts. Dagegen sind an vier anderen Verschlägen deutliche Einbruchspuren zu sehen: Abgebrochene Latten weisen auf ein gewaltvolles Öffnen hin. Bei einem anderen Mieter wurde die komplette Angelausrüstung gestohlen. Einige der aufgebrochenen Türen stehen noch offen, nachdem die Kriminalpolizei am Sonnabend alle Spuren gesichert hatte.
Auffällig ist, dass die Eingangstüren zu den Kellerräumen keine Einbruchspuren aufweisen – und anscheinend gezielt die 28 Holzverschläge aufgesucht worden sind. Die Vermutung einiger Anwohner: Freunde eines Anwohners aus Block 34 sollen die Täter sein. „Mir wurde schon mal mit dem Messer im Flur gedroht“, erzählt ein älterer Herr von seiner Begegnung mit den oftmals „frechen Besuchern“. Zum Glück habe er nur wertlose Sachen, wie Vasen und Blumen, im Kellerraum stehen. „Ich weiß nicht einmal, wo mein Kellerraum ist“, sagt eine Frau, die gerade zum Fahrstuhl geht, lachend. Einem anderen Mieter ist dagegen gar nicht zum Lachen zumute. Ihm seien am Wochenende Werkzeuge im Wert von zirka 1000 Euro gestohlen worden, darunter spezielle Zangen und Schraubenzieher.
In den vergangenen zwei Wochen soll bereits viermal im Keller des Wohnblocks eingebrochen worden sein. Zu den Vorgängen vom Wochenende äußerte sich Gerhard Böhm am Montag bei der Polizei. „Ich musste alles protokollieren, was mir gestohlen wurde“, berichtet der Frankfurter. Doch das „Gerenne zur Polizei“, wie er sagt, nachdem bereits am Sonnabend seine Aussage aufgenommen worden sei, hält er für sehr aufwendig.
Alle bestohlenen Bewohner mussten sich in einer Liste der Wohnbau eintragen. „Meine Mutter wohnt hier“, sagt ein Mann. Er habe bereits die Wohnungsbaugenossenschaft kontaktiert, ob sie nicht im Keller Überwachungskameras installieren wolle. Bisher ohne Erfolg. Auf Nachfrage der MOZ schreibt die Wohnbau-Pressestelle, dass Videokameras höchstens bei der Aufklärung helfen könnten. Wegen der „hohen rechtlichen Hürden“ und der „stark reglementierten technischen Möglichkeiten“ geht die Wohnbau davon aus, dass eine Videoüberwachung keine Möglichkeit biete, weitere Einbrüche zu verhindern. Doch sie will ihr Sicherheitskonzept verbessern, indem sie separat abschließbare Vorkellertüren installieren lässt.
„Wo soll ich denn sonst mit meinem Zeug hin?“, antwortet Gerhard Böhme auf die Frage, ob er seinen Verschlag weiterhin nutzt. Nur bringt er keine wertvollen Dinge mehr runter.