Einsatzkräfte
: Fehlender Respekt vor Helfern

In der Silvesternacht wurden in Neuberesinchen bei einem Einsatz Feuerwehrkameraden und Polizisten angegriffen.
Von
Jan-Henrik Hnida
Frankfurt
Jetzt in der App anhören

Im Einsatz: Silvester musste die Feuerwehr öfter ausrücken. Abgeschossene Raketen verursachten Brände, wie hier in Berlin.

dpa/Paul Zinken

Mal sind Polizisten betroffen, mal Feuerwehrleute: Gewalt gegen Freund und Helfer. In der Silvesternacht waren in Neuberesinchen bei einem Einsatz gleich beide Berufsgruppen betroffen. Beim Löschen von Knallern kam es zu einem Kopfstoß und dem Versprühen von Pfefferspray.

Während zwischen 1 und 4 Uhr in der August–Bebel–Straße rund 40 Feuerwehrleute der Frankfurter Berufsfeuerwehr und der Feuerwehren Kliestow, Rosengarten, Lichtenberg und Stadt–Mitte den Brand eines Mehrfamilienhauses löschten, mussten sich die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Güldendorf mit anderen Problemen herumschlagen — im wahrsten Sinne des Wortes.

Eine Gruppe junger Männer feierte das neue Jahr auf einer Wiese im Kommunardenweg. Nachdem eine Batterie entzündet wurde, geriet, laut Polizei, die Wiese in Brand. Daraufhin alarmierten Anwohner die Güldendorfer Feuerwehr. Laut MOZ–Informationen wurde die eintreffende Lösch–Gruppe in Neuberesinchen bereits beim Aussteigen „angepöbelt“. Nachdem die Männer gebeten wurden, die Einsatzstelle zu verlassen, um die brennenden Batteriereste zu löschen, kam es zum Eklat: Weil er nicht wollte, dass das Feuer beseitigt wird, verpasste ein 43–jähriger Mann betrunken einem Kameraden einen Kopfstoß. Die Platzwunde an der Lippe musste behandelt werden. Als die Polizei eintraf, um die Personalien des Tatverdächtigen aufzunehmen, zückte dieser sein Pfefferspray und sprühte es einem Polizisten teilweise ins Gesicht. „Nach einer kurzen Behandlung im Rettungswagen konnte er weiter arbeiten“, berichtet die Pressestelle der Polizeidirektion Ost. Die Freiwillige Feuerwehr Güldendorf wollte sich zum Vorfall nicht äußern.

„Schuld ist heutzutage der fehlende Respekt“, sagt Wolfgang Welenga. In seiner 50–jährigen Laufbahn bei der Feuerwehr sieht der heutige Vorsitzende des Stadtfeuerwehrverbandes eine Zunahme an Beleidigungen und körperlichen Übergriffen. „Dumme Sprüche und Schubsen kommen oft vor“, so Welenga. Machten Passanten am Einsatzort vor Jahrzehnten sofort Platz, wenn die Feuerwehr anrückte, bekämen heute die Kameraden Sprüche, wie „Was wollt ihr denn?“ zu hören. Trotzdem ist Welenga der Meinung, dass seine Feuerwehrleute Streitigkeiten einfach mit Worten klären sollen, anstatt spezieller Anti–Eskalationstrainings.

In der Polizeilichen Kriminalstatistik meldete das Revier Frankfurt (Oder) 2017 bei 21 Taten 41 angegangene Beamte und 21 ermittelte Tatverdächtige. Hauptursachen seien Widerstand (18 Fälle) und Beleidigung (zwei Fälle) gewesen. Auch bei der Frankfurter Berufsfeuerwehr handele es sich meistens um verbale Attacken, wie Burkhard Blasche, Abteilungsleiter für Gefahrenvorbeugung und Rettungsdienst, feststellt. „Allerdings weiß man nicht, wie es zukünftig aussehen wird.“

Gehäuft treten derartige Fälle auch anderswo auf. Laut Berliner Feuerwehr gab es alleine Silvester in der Hauptstadt 49 Übergriffe, 33 davon mit Pyrotechnik. Ein Feuerwehrmann erlitt dabei ein Knalltrauma und wurde in eine Spezialklinik eingeliefert. In Dortmund wurden Polizisten mit Silvesterraketen beschossen und mit Flaschen beworfen.

Nachdem in Neuberesinchen Silvester die Identität des Beschuldigten aufgenommen wurde, stellte die Polizei Strafanzeige. Nun ermittelt die Kriminalpolizei gegen den Mann.