Einzelhandel und Wohnen
: Großinvestition Slubicer Straße in Frankfurt (Oder) auf der Kippe

Seit 2014 verhandelt die Stadt Frankfurt (Oder) über ein Zentrum für Einzelhandel und Wohnen in der Slubicer Straße.
Von
Heinz Kannenberg
Frankfurt (Oder)
Jetzt in der App anhören

Noch ist ein sogenannter Pump-Track für Jugendliche auf der geplanten Fläche für neue Wohnhäuser zu finden. Seit 2014 verhandelt die Stadt Frankfurt (Oder) über ein Zentrum für Einzelhandel und Wohnen in der Slubicer Straße. Die Großinvestition steht auf der Kippe.

René Matschkowiak

Ursprünglich war die Fertigstellung des Projekts Einzelhandelszentrum und Wohnen für 2021 vorgesehen. Davon sind die Pläne des Projektentwicklers P.ARC Real Estate nun weit entfernt. Frühestens Anfang 2022 ist ein Baustart vorgesehen. Nicht Aldi sondern das Unternehmen Papendieck Rade + Partner aus Hannover tritt inzwischen als Investor auf. 38 Millionen Euro sollen  investiert werden.

Mike Ehret von P.ARC Real Estate überraschte am Montag im Hauptausschuss der SVV mit weiteren Veränderungen des Projekts. Zusätzlich sollen 2000 Quadratmeter Wohnfläche geschaffen werden. Dafür sollen nun die meisten Parkplätze statt auf einem Oberdeck in einer Tiefgarage entstehen. Das würde archäologische Grabungen in bis zu drei Metern Tiefe erfordern. Diese Ausgrabungen auf einem Areal der Gründerzeit der Stadt könnten Auswirkungen auf erhöhte Kosten und Verzögerungen bei der Realisierung des Projekts bedeuten. Architekt Christian Enzmann wirbt für die nun vorgestellte Lösung als die wirtschaftlichste, funktionellste und architektonisch ansprechendste. „Eine Hochgarage wäre eine hässliche Dekoration“, betont er.

Michael Schönherr, Vorsitzender des Hauptausschusses, ist skeptisch: „Erst Hochgarage, nun Tiefgarage. Wie wollen Sie uns überzeugen, dass es diesmal etwas wird?“, fragt er. Mike Ehret versucht durch den Investorenwechsel dieses veränderte Bauprojekt zu erklären. „Der bisherige Entwurf basierte auf Systembauweise. Wir gehen jetzt in die freie Architektur. Und Tiefgaragen sind effizienter als offene Garagen“, betont er.

OB René Wilke misst der Bebauung der Slubicer Straße eine herausragende Bedeutung bei. „Die Slubicer Straße ist in der Innenstadt eines der letzten Filetstücke für Stadtentwicklungsprojekte“, betont er. Die Stadt erwarte eine würdige Bebauung an dieser Stelle. „Wir müssen aber feststellen, dass die Projektentwickler nicht den Stand vorgebracht haben, der notwendig war, um Vertrauen und Zutrauen in die Realisierung des Projekts zu generieren“, zeigt er sich enttäuscht. Im Gegenteil gäbe es eher neue Fragen und Unsicherheiten. „Die Bereitschaft, an diesem Projekt in dieser Konstellation festzuhalten, ist auf verschiedenen Seiten nur noch gering ausgeprägt“, betont er. Im Hauptausschuss habe man sich verständigt, dass die Verwaltung nun  nochmals Verhandlungen mit dem Projektentwickler führen wird. „Ziel ist, zu klären, ob ein Zutrauen in die Realisierung dieses Projekts mit diesem Partner wieder gewonnen werden kann“, sagt Wilke.

Er verweist auf andere Optionen auf diesem Areal, ohne sie nennen. „Wir wollen die Entwicklungsoptionen nicht blockieren, sondern realisieren. Ob das mit dem aktuellen Projekt möglich sein wird, steht derzeit sehr in Zweifel“, betont der OB. Ein Votum der Verwaltung und der Stadtverordneten würde in den nächsten Wochen entweder über einen Neustart oder eine Fortsetzung mit diesen Partnern entscheiden. P.ARC Real Estate und der Investor müssten das Vertrauen und Zutrauen für die Umsetzung des Projektes wiedergewinnen. Mike Ehret bekräftigt: „Wir wollen das Projekt realisieren.“