Elektrofahrräder: Radeln mit elektrischem Rückenwind

Prüfung vor der Radelsaison: David Rentsch hat die Durchsicht an diesem Pedelec einer Kundin gerade erledigt. Es ist eines der modernen Elektrofahrräder, bei denen der Akku bereits im Rahmen integriert ist.
René MatschkowiakDie Temperaturen laden in den kommenden Tagen so langsam wieder zu einer Radtour ein. Immer mehr Frankfurter setzen dabei auf ein Elektrofahrrad, wie alle drei Fahrradhändler in der Oderstadt bestätigen. Der deutschlandweite Boom ist auch ganz im Osten angekommen. „Natürlich ist aber auch noch das normale City-Fahrrad ganz ohne Akku gefragt“, so Volker Schondau. Schließlich können sich nicht alle ein doch recht preisintensives Pedelac (tretunterstütztes Rad) leisten.
Um 2000 Euro sollte man in etwa für ein Fahrrad mit eingebautem elektrischen Rückenwind investieren, so die einhellige Meinung der Händler. Der Hinweis, dies bei einem Fachhändler zu tun, ist dabei nicht nur Marketinggerede. Jeder Hersteller hat mittlerweile seine eigene Software, Akkus und Motorenbauteile. Kommt ein Elektrofahrrad von einem Online-Versender, kann das Rad im örtlichen Handel oftmals nicht repariert werden, weil der Händler eben nicht die entsprechende Software oder Teile hat.
„Wir müssen bei den Herstellern zu Schulungen fahren, um für die entsprechenden Softwareoptionen, die für die Fahrradreparatur notwendig sind, freigeschaltet zu werden“, erklärt Heiko Mietzner, Mitarbeiter im Fahrradgeschäft von Händler Ingo Richter.
„Das Image des Versehrten-Fahrrads hat das Pedelec längst verloren“, so Volker Schondau. Ingo Richter findet es toll, dass mithilfe dieser Räder auch weniger fitte Menschen recht lange Radtouren unternehmen können.
Egal, ob mit oder ohne Akku, mittlerweile spielt auch der Fahrradtourismus eine Rolle für die Radhändler in der Oderstadt. „Im Sommer kommen schon einige Touristen zu uns, um Räder auszuleihen oder sie reparieren zu lassen. Oftmals sind die aus Berlin“, so David Rentsch. Viele starten von Frankfurt aus ihre Radtour auf dem Oder-Neiße-Radweg, hat er von Kunden erfahren. Als geradezu genial bezeichnet Volker Schondau die Möglichkeiten, rund um Frankfurt mit dem Fahrrad zu fahren. In der Stadt ist es natürlich etwas schwieriger. „Das Problem ist, dass man Fußgängern oder Autofahrern Platz wegnehmen müsste“, so Schondau.
In jedem Fall sei die Fahrradinfrastruktur in der Oderstadt aber verbesserungswürdig, so Ingo Richter. Der musste gerade einem Neu-Frankfurter einen alternativen Arbeitsweg für das Fahrrad erklären, denn der wollte nicht auf den viel befahrenen Autorouten der Stadt unterwegs sein. „Für einige, wenn auch nicht für die Masse“, das bestätigt David Rentsch, „ist das E-Bike auch ein Autoersatz“.
Für die Fahrradhändler jedenfalls beginnt jetzt die heiße Phase des Jahres. Gut drei Monate lang wird der große Zulauf in die Werkstätten anhalten, bevor es wieder ruhiger wird, erklären sie. „Wer im Winter zur Fahrraddurchsicht war, hat es jetzt gut“, so Ingo Richter. Obwohl David Rentsch, Volker Schondau und Ingo Richter passionierte Rennradfahrer sind, nutzen zumindest die beiden letzteren auch gern ein E-Bike für alltägliche Erledigungen und gemütliche Touren. „Frankfurt ist eigentlich die perfekte Stadt für E-Bikes“, findet Ingo Richter. Der Weg in die Innenstadt gehe zwar schnell, will man aber zurück in die Stadtteile, muss man immer einen Berg hoch fahren. Mit elektrischem Rückenwind gelingt das natürlich ganz ohne zu schwitzen.
Elektrofahrrad
Elektroräder haben einen Motor. Man unterscheidet E-Bike und Pedelec. Das E-Bike ist unabhängig von der Trittleistung und hat meist einen Gas- oder Beschleunigungshebel. Das Pedelec (Eng. „pedal electric cycle“, Fahrrad mit Tretunterstützung) wird mit Muskelkraft und einem unterstützenden Elektromotor betrieben. ⇥(sam)